Eine Mitweltethik als postmoderne Überlebensphilosophie (Teil 5)


Autor: Christian Demmer mit Material von Univ. Doz. Dr. Weish

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5. Vom Denken zum Handeln (We-4)

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5.1 Bestandsaufnahme der Umweltkrise, Begriffsklärung

5.1.1 Die Begriffe "Umwelt", "Mitwelt" und "Ökologie"

5.1.2 Über die Ursprünge des Naturschutzes

5.1.3 Tragfähigkeit, Nachhaltigkeit, Technikbewertung (We-3)

5.1.3.1 Begriffsklärung: Nachhaltigkeit und Tragfähigkeit

5.1.3.2 Bewertungskriterien einer nachhaltigen Wirtschaftsweise

5.1.3.3 Agenda 21 - Nachhaltigkeit

5.1.3.4 Technik und Technologiebewertung, Ökobilanzen

5.2 Bestandsaufnahme der ökonomischen und politischen Krise

5.2.1 Die Beschleunigungskrise: Technik, Wirtschaft und Gesellschaft (We-2)

Die Bodenrenten [Reischer97]

Nahversorgung [Reischer97]

Der Zinsertrag [Reischer97]

Die Steuern [Reischer97]

Langfristiges Resultat: Exponentielles Wachstum auf Kosten der Schwachen

Das Ergebnis: Inflation

... und in weitere Folge: alles dreht sich und bewegt sich ... immer schneller

5.2.1 Die Wachstumsspirale der "Economics of Scale & Scope"

5.2.2 Der Wirtschaftskrieg: Blut für Öl

5.2.3 Das Märchen von der freien Marktwirtschaft (We-2)

5.3 Krisenvermeidung durch neue ökonomische Modelle und "Subsistenz"

5.3.1 Eigenverantwortung, Selbstorganisation, vorsorgende Wirtschaft

Subsistenz- oder die Entwicklung selbst in die Hand nehmen ...

5.3.2 Dauerhafter Wohlstand und ein neuer Arbeitsbegriff

5.3.3 Ökologische Alternativen zum Bruttonationalprodukt, Energiesteuern

5.3.4 Haushalte kürzen statt steigern, Umverteilung der Arbeit

5.3.5 Neutrales Geld: der dritte Weg zwischen Tausch- und Produktionssozialismus

5.3.6 Flüssiges Schwundgeld und staatlich geregeltes Versicherungswesen

Gemeinschaftlich organisierte Versicherungssysteme zur gerechten Risikoaufteilung

Besitzreform, Steuerreform, und ein zinsfreies Tauschmittel

Ökologische Landwirtschaft, Biodiesel, der Faktor Vier

5.4 Eine Neubewertung der Information zur Erhaltung politischer Handlungsfähigkeit

5.4.1 Materialismus/Strukturalismus und Kommunikation im 21 Jahrhundert

5.4.2 Die Rolle der Information in offenen und geschlossenen Systemen

5.4.3 Vorteile und Gefahren moderner Kommunikationstechniken

5.4.3.1 Medienmacht und Gewalt

5.4.4 Politische Erneuerung und Verbesserung gesellschaftlicher Kommunikation

5.4.4.1 Prinzipien einer politischen Erneuerung

5.4.4.2 Schutz der Privatsphäre als politisch-ethisches Prinzip

5.5 Die Suche nach dem gemeinsamen und persönlichen Glück

5.5.1 Vielfalt und Gemächlichkeit - Die Kunst des Wohlbefindens

5.5.2 Moralischer Appell (We-4)

5.5.3 Ethischer Appell mit einem entsprechenden Gesellschaftsmodell (We-4)

Anhang: Kleines Lexikon mit Fachausdrücken

Anhang: Inhalt des vollständigen Manuskriptes

Anhang: Literatur

Anhang: Kontakt


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5. Vom Denken zum Handeln (We-4)

Kurzfassung: In diesem Abschnitt widme ich mich der Frage, wie alternative Lösungsvorschläge umgesetzt werden können, insbesondere Ideen, die von der vorgestellten Umweltethik beseelt sind. Ich werde mich dabei auf die Methoden der "Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen" und die Möglichkeiten der "Selbstorganisation" als gleichwertige, wichtige Strategien zur aktiven Mitgestaltung unserer Zukunft konzentrieren. Dabei werden auch die Unzulänglichkeiten heute bestehender ökonomischer und politischer Rahmenbedingungen aufgerollt, die einen längst überfälligen Neuanfang blockieren. Zuvor gebe ich eine Einführung in die Terminologie des technischen Umweltschutzes und der Nachhaltigkeitsbewertung, unverzichtbare Grundlagen zur Bewertung unserer Handlungen.

In diesem Kapitel wird eine Brücke zwischen dem Denken (Utopien, wissenschaftliche Erkenntnis, ...) und dem alltäglichen Handeln geschlagen. Dazu ist es notwendig, zu zeigen, daß die zu überwindende Kluft nicht so riesig und unüberbrückbar ist, wie uns das die politischen Eliten weismachen wollen.

Zunächst möchte ich an Hand eines Zitats demonstrieren, was Handeln ohne "Denken" anrichten kann, um anschließend die "Irrationalität" der heutige propagierten "politischen Vernunft" und "politischen Mitte" unter die Lupe zu nehmen. Sowohl die folgende Einleitung, als auch einige Unterkapitel stammen übrigens aus Alexander Langers visionären Beitrag zu den Toblacher Gesprächen 1994 mit dem Titel: "Zukunftsgestaltung statt Mangelverwaltung: neue Chancen für die Politik". Dieser Text wird auch noch lange nach dem tragischen Tod Langers die Idee der nachhaltigen Entwicklung prägen: "Die Schlüsselfrage scheint also nicht in erster Linie zu sein, was wir tun können oder müssen, sondern woher Motivation und Impulse kommen sollen.

Bisher kann man das olympische Motto des "citius, altius, fortius" (schneller, höher, stärker) als die bestgelungene Kurzformel für den Inbegriff unserer Zivilisation ansehen: der Wettkampf ist nicht mehr die sportliche Ausnahme und Veredelung des Alltags, sondern der Daseinsgrund schlechthin." Das Zitat wird in den folgenden Unterkapiteln fortgesetzt.

Wohin führt aber der "Wettkampf" als politische Maxime? Unter diesem Motto hat die Führung der Vereinigten Staaten von Amerika unzählige Leichenberge auf der ganzen Welt angehäuft, eben um ihre "Interessen" im internationalen Wettbewerb zu verteidigen (Golf, Afrika, Vietnam, Panama ...). Trumans Strategie im zweiten Weltkrieg hat er einmal so umschrieben (1941): "Wenn wir sehen, daß Deutschland gewinnt, sollen wir Rußland helfen, wenn Rußland gewinnt, sollen wir Deutschland helfen, so daß sie sich auf diese Weise möglichst gegenseitig umbringen".

Wie kommt es aber, daß eben diese Staatsphilosophie gleichzeitig als der Träger und Garant westlicher moralischer Normen gilt? Diese Frage führt uns zu einem bemerkenswerten Phänomen, das hier im Zusammenhang mit der folgenden Bestandsaufnahme der ökonomischen und ökologischen Krise diskutiert werden soll: die Irrationalität und Absurdität der sogenannten "Realpolitik" im 20. und 21. Jahrhundert.

Die grenzenlose Profitgier wurde von den profitierenden Eliten einfach als etwas natürliches, dem menschlichen Wesen angeborenes verkauft. Gleichzeitig wurden ruhiggestellte Untertanen durch gleichgeschaltete Massenmedien mit einer maßgeschneiderten "Realität" versorgt, frei nach dem Motto "Die Guten sind wir, unsere Interessen sind das Gesetz" — mehr darüber in 2.1 und 5.2. Abschließend sei bemerkt, daß durch die Kritik an den USA keineswegs die Verbrechen diverser kommunistischer, faschistischer, bzw. nationalsozialistischer Regimes verharmlost oder relativiert werden sollen. Sie haben sich alle ähnlicher Methoden bedient, waren in der Täuschung der Weltöffentlichkeit aber bei weitem nicht so erfolgreich wie die Vereinigten Staaten.

Aber nennen sich die derart absurd agierenden PolitikerInnen nicht gerne "Realisten"? Wer aber die Machtpolitk des Westens kritisiert, und zukunftsverträglichere Konzepte einfordert, wird schnell zum "Utopisten" abgestempelt. Die oft irreführenden philosophischen Begriffe des "Realismus" und "Idealismus" gehen auf den mittelalterlichen "Bilderstreit" zurück. Die Realisten sahen in Heiligenbildern direkt wirksame Objekte, während die "Nominalisten" die Bilder bloß als Abbilder (Symbole) betrachteten, um die Heiligen ins Gedächtnis zu rufen. Die letztere, augenscheinlich rationalere Variante, konnte sich in diesem Streit aber nicht durchsetzen, mehr zu diesem Thema in 5.4.1. Der irrationale "naive Realismus" hingegen geht davon aus, daß die Welt unabhängig vom Betrachter existiert — und wie diese reale Welt angeblich aussieht, wird dem staunenden Fußvolk in den gleichgeschalteten Massenmedien, in den Schulbüchern und in Fernsehansprachen gerne erklärt.

Im "erweiterten Materialismus" wird diese irreführende Einstellung überwunden (siehe iiii.), und zudem darauf hingewiesen, daß soziale und ökonomische Systeme (z.B. Österreichische Verfassung ...) die Grenzen und Geschichte des menschlichen Informationsverarbeitungsapparates nicht außer acht lassen dürfen. Denn überfordern wir unsere Fähigkeiten, mit Informationen umzugehen, werden wir seltsame, gefährliche Früchte ernten. Wir handeln aber nicht nur irrational, wenn wir überfordert sind. Die Gründe einer unbewußten, bzw. unbeabsichtigten Irrationalität habe ich bereits in 1.4 und 2.1 ausführlich behandelt.

5.1 Bestandsaufnahme der Umweltkrise, Begriffsklärung

"Eine Verwüstungsorgie ohnegleichen hat die Menschheit ergriffen, die Zivilisation trägt die Züge entfesselter Mordsucht, und die Fülle der Erde verdorrt vor ihrem giftigen Anhauch. (...) Wir täuschten uns nicht, als wir den "Fortschritt" leerer Machtgelüste verdächtig fanden, und wir sehen, daß Methode im Wahnwitz der Zerstörung steckt. Unter den Vorwänden von "Nutzen", "wirtschaftlicher Entwicklung", "Kultur" geht er in Wahrheit auf Vernichtung des Lebens aus. Er trifft es in allen seinen Erscheinungsformen, rodet Wälder, streicht die Tiergeschlechter, löscht die ursprünglichen Völker aus, überklebt und verunstaltet mit dem Firnis der Gewerblichkeit die Landschaft und entwürdigt, was er von Lebewesen noch überläßt, gleich dem "Schlachtvieh", zur bloßen Ware, zum vogelfreien Gegenstand eines schrankenlosen Beutehungers. In seinem Dienste aber steht die gesamte Technik und in deren Dienste wieder die weitaus größte Domäne der Wissenschaft. (...) Wie ein fressendes Feuer fegt der Fortschritt über die Erde hin, und wo er die Stätte einmal gründlich kahl gebrannt, da gedeiht nichts mehr, solange es noch Menschen gibt! Vertilgte Tier- und Pflanzenarten erneuern sich nicht, die heimliche Herzenswärme der Menschheit ist aufgetrunken, verschüttet der innere Born, der Liederblüten und heilige Feste nährte."

Dieses Zitat entstammt der Hohen-Meißner-Rede des Philosophen und Psychologen Ludwig Klages (1872-1956) aus dem Jahre 1913! Heute, nur einen Atemzug der Zeit später, haben diese Warnungen gespenstische Wirklichkeit angenommen und manifestieren sich in gängigen Begriffen wie Waldsterben, Ozonloch, Klimakatastrophe, Tropenwaldzerstörung oder Artenschwund. Es ist verwunderlich, wie exakt und hart diese Warnung schon vor vielen Jahrzehnten formuliert worden ist.

5.1.1 Die Begriffe "Umwelt", "Mitwelt" und "Ökologie"

Goethe gebrauchte den Begriff "Umwelt" einst in der Beschreibung seiner Italienischen Reise im Sinne von Umgebung oder umgebenden Welt. Erst im 19. Jahrhundert wurde dieser Begriff im Sinne von Milieu für das soziale Umfeld in den Humanwissenschaften verwendet, bis schließlich Jakob von Uexküll ihn im Titel seines Buches: "Umwelt und Innenwelt der Tiere" vorwiegend im Sinne seiner psychologischer Bedeutung benutzte. Uexkülls Umweltlehre wird heute dem funktionellen Umweltansatz zugeordnet, der von einem Naturraumpotential zur Befriedigung von elementaren und kulturellen, bzw. zivilisatorischen Bedürfnissen ausgeht. Die Schwierigkeit des realpolitischen Umweltbegriffes in westlichen Breiten, die sich fast ausschließlich auf die Bedürfnisse eines durchschnittlichen Mitteleuropäers beschränkt, wird in Uexkülls Unterscheidung von Umgebung und Umwelt deutlich. Er sieht in der gemeinsamen Umwelt die Vereinigung vieler spezieller Umwelten der einzelnen Lebewesen, welche deren verschiedenartigen Bedürfnisse erfüllen, wie z.B. die Biotope und ökologischen Nischen spezifischer Arten.

Der Begriff "Ökologie" wurde 1866 von dem deutschen Zoologen Ernst Haeckel (1834-1919) als die Wissenschaft von der "Gesamtheit der Beziehungen eines Organismus zu seinen Artgenossen (Populationsökologie), zu seiner organischen und anorganischen Umwelt (Autökologie)" geprägt, siehe 2.2. David J. Krieger charakterisiert die Weiterentwicklung dieser Disziplin als ungeklärt [Krieger97]. Es steht bis heute nicht fest, ob die Ökologie eine deskriptive oder normative Wissenschaft ist. Mit anderen Worten, liefert die Ökologie wertneutrale Beschreibungen natürlicher Abläufe und Prozesse? Sagt sie nicht nur, wie Wirkungszusammenhänge und Kreisläufe sich verhalten, sondern wie sie sich verhalten sollen? Auch ist der eigentliche Gegenstandsbereich ökologischer Forschung ungewiß. Dieses Problem wurde schon bei der Diskussion der "Humanökologie" in 2.3. angesprochen. Ist der Forschungsgegenstand die unberührte Natur, und wenn ja, wo finden wir diese heute noch vor? Oder haben wir es mit den Wechselbeziehungen zwischen Natur, menschlicher Kultur bis hinaus ins ganze Universum in seinen physischen, biologischen sozialen und geistigen Dimensionen zu tun?

"Für die Kulturökologie ändert sich die Leitfrage ökologischer Forschung von der naturwissenschaftlichen Frage nach der Anpassung eines Organismus an seine Umwelt zur geisteswissenschaftlichen Frage nach der Offenheit und Transformierbarkeit der Gesellschaft selbst [Krieger97]." Ich habe in früheren Abschnitten darauf hingewiesen, daß aus kommunikationstheoretischer Sicht menschliche Eingriffe in die Natur nicht bloß Veränderungen sind, sondern Informationen, die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie Wissenschaft und Wirtschaft produziert werden, und die dann in anderen Bereichen wie Recht, Politik usw. verarbeitet werden müssen. Das soll aber nicht heißen, daß dadurch nicht wieder Rückwirkungen auf die Bereiche Wissenschaft und Wirtschaft entstehen können. Die entscheidende Frage ist, wie werden solche Informationen in der Gesellschaft als Ganzes verarbeitet? Eine Kultur bleibt also nicht lebens- bzw. überlebensfähig, indem sie sich an der Natur anpaßt, sondern indem sie die Natur bzw. das Bild von der Natur "richtig" konstruiert. Wir sollten auch bedenken, daß wir schon heute, und in der Zukunft noch viel mehr in einer von Menschen gemachten Wirklichkeit leben, als Cyborg, dessen Leben von der Technik bereits völlig abhängig ist. Die Frage "In welcher Welt wollen wir Leben ?" ist deshalb weder müßig, noch utopisch [Krieger97].

Eine neue Ökologie läßt die alte nicht einfach hinter sich. Wir sind auch weiter auf chemische, biologische, geologische Untersuchungen sowie interdisziplinäre Umweltverträglichkeitsstudien angewiesen, die schließlich die erwähnten gesellschaftlichen Informationen liefern [Krieger97]. Aber mit der bloßen Bereitstellung solcher Informationen ist die ökologische Krise bei weitem nicht überwunden, wie die zahlreichen positiven Umweltverträglichkeitsstudien für den weiteren Bau aus verkehrspolitischer Sicht kontraproduktiver Transitautobahnen zeigen. Denn entweder, das negative Ergebnis wird im weiteren politischen Verfahren ignoriert, oder die Studien haben die vorherrschende Interessenslage widerzuspiegeln, und da werden umweltpolitische Fragen gerade bei der Wahl zweier Alternativen berücksichtigt, solange sich die Mehrkosten in Grenzen halten. Aber aus umweltpolitischen Gründen auf den Bau einer Verkehrsverbindung von überregionaler Bedeutung ganz zu verzichten, ist für die heutigen Entscheidungsträger ganz und gar undenkbar, so hat sich z.B. Österreich mit dem Beitritt zur europäischen Union praktisch zu einem weiteren Ausbau des Autobahnnetzes verpflichtet.

5.1.2 Über die Ursprünge des Naturschutzes

Als frühe Warner seien hier zunächst Demoll [Demoll54], Manstein, Ernst Rudorff, Hans Sedelmayer, Günter Schwab, Rachel Carson und Georg Picht genannt, die ich noch zu Wort kommen lassen werde.

Die Geschichte des Naturschutzes beginnt nicht erst mit der Gründung des Bundes Naturschutz im Jahre 1913. Dieser Begriff ist viel älter, als man gemeinhin annimmt. Er wurde bereits vor 180 Jahren von einem der letzten Gesamtdenker der Menschheit, von Alexander von Humboldt, als eine neue Disziplin gefordert, die die Einzelwissenschaften integriert und somit weit über sie hinausgeht. Damit ist nachgewiesen, daß es sich bei ökologisch verstandenem Naturschutz von Anbeginn um einen umfassenden Lebensschutz —- auch um Menschenschutz also —- handelt und daß Naturschutz keine Wissenschaft ist, sondern eher als eine Denkweise im Sinne der ganzheitlichen Philosophie Humboldts von der "Einheit der Natur" zu verstehen und zu leben ist.

Folgerichtig forderte bereits im Jahre 1853 der Naturphilosoph Wilhelm Heinrich Riehl eine Änderung des Rechtsverständnisses gegenüber der Natur: "Jahrhundertelang war es eine Sache des Fortschritts, das Recht des Feldes einseitig zu vertreten; jetzt ist es dagegen auch eine Sache des Fortschritts, das Recht der Wildnis zu vertreten neben dem Recht des Ackerlandes; die Wildnis ist die notwendige Ergänzung zur Kultur."

Im Jahre 1880 brachte Ernst Rudorff in seiner berühmt gewordenen Heimatschutz-Rede folgenden wichtigen Gedanken zum Ausdruck: "Die Menschheit ist auf dem besten Wege, über dem Jagen nach materiellen Vorteilen die Schönheit der Welt zu zerstören, dem irdischen Dasein jeden edleren Reiz zu rauben, ja unserem gesamten höheren Geistesleben die Wurzeln abzugraben."

Ernst Rudorff, der zweifelsohne zu den Wegbereitern für die Gründung von Naturschutzverbänden im Jahre 1913 sowohl in Deutschland wie in Österreich und in der Schweiz gerechnet werden muß, beschrieb die damalige geistige Atmosphäre mit folgenden Worten: "Die Flurbereinigung überträgt das kahle Prinzip der geraden Linie und des Rechtecks blind in die Wirklichkeit und ist in ihrer praktischen Durchführung so brutal, daß eine Feldflur, über die das Unwetter dieser Regulierung dahingezogen ist, aussieht wie ein fleischgewordenes Rechenexempel."

An anderer Stelle heißt es: " . . . oder man vergleiche eine Gruppe alter Häuser in Nürnberg und daneben einen modernen Wohnblock: Dort Familiensinn, Freude und Gottesfurcht, hier Aufgeblasenheit, vollkommenste Nüchternheit und Kälte. Kahler Verstand hat die Menschlichkeit verdrängt..."

Ein Zeitgenosse Rudorffs war Adolf Ritter von Guttenberg, der Forschung und Lehre an der Universität für Bodenkultur in den Dienst des Naturschutzes stellte. Als Präsident des "Österreichischen Verein des Naturschutzparks" erarbeitete er z.B. schon 1908 einen Forderungskatalog für einen Nationalpark hohe Tauern.

5.1.3 Tragfähigkeit, Nachhaltigkeit, Technikbewertung (We-3)

Albert Schweitzer: "Die Wahrheit einer Weltanschauung hat sich darin zu erweisen, daß das geistige Verhältnis zum Sein und zur Welt, in das wir durch sie kommen, innerliche Menschen mit tätiger Ethik aus uns macht."

Umweltethik erfordert also Tatkraft und konsequentes Handeln, auch, oder gerade wenn sie als zentrales Konzept die Aufforderung zur "Ehrfurcht vor dem Leben" We-1,2 (iii) enthält. Auch im Umweltschutz ist die "Watte" des guten Gewissens fehl am Platz.

Wie wird man in 100 Jahren über unseren heutigen Lebensstil, über unsere heutige Tatenlosigkeit urteilen? Das ist unter der im ersten Abschnitt angesprochenen "angemessenen Verantwortung" zu verstehen. D.h. die eingangs aufgestellten ethischen Grundsätze können direkt auf den Bereich der Umwelt angewendet werden. Ich möchte mich nun den naturwissenschaftlichen Aspekten der Humanökologie zuwenden, insbesondere dem zentralen Terminus der "Nachhaltigkeit".

5.1.3.1 Begriffsklärung: Nachhaltigkeit und Tragfähigkeit

Alexander Langer: Seit einigen Jahren (Brundtland-Bericht 1987 - "Our common future") ist die magische Formel des "sustainable development" — der verträglichen oder gar nachhaltigen Entwicklung — die scheinbar gelungene Quadratur des Kreises: ein Kürzel für die Erkenntnis der Notwendigkeit einer gewissen Wachstumsbegrenzung, eine weisen Selbstbeschränkung des hochindustrialisierten und hochgerüsteten Teiles der Menschheit. Eng verbunden damit ist die Einsicht, daß mehr Gleichgewicht auf Dauer die bessere Investition ist, als härterer Wettbewerb, wobei der Begriff "Entwicklung" (d.h. Wachstum) doch noch in der Zieldefinition erhalten bleibt. Doch haben gerade die äußerst mageren Ergebnisse der UNCED-Konferenz in Rio und der nachfolgenden Verhandlungen gezeigt, wie weit man von einer echten Kurskorrektur oder gar Wende noch entfernt ist.

Wenn deshalb "sustainable development" letztlich bloß heißt, daß der Süden der Welt mit seinen Ressourcen unter Aufsicht des Nordens pfleglicher umgehen soll, damit sie weltweit aufs rationalste eingesetzt werden können, ist darin wohl nicht jene mobilisierende Zielvorstellung enthalten, die im Norden und im Süden unserer Erde die Kräfte für eine Umkehr entfachen und nähren könnte. Diese Zielvorstellung soll die Folgenden Überlegungen leiten.

 

Abb: siehe beigelegte Ausdrucke!

 

 

Abbildung 35: Energie- und Materialeffizienz des KUNERT-Standortes Mindelheim (Textilbr.)

In den letzten Jahren wurde zudem versucht, ökologische Gesichtspunkte in die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung einzubauen. Die Einbeziehung der Nachhaltigkeitsaspekte in eine Gesamtrechnung verlangt die Erweiterung der Maßzahlen für die jährliche Produktion (die Strom, bzw. Fließgröße) einerseits um den Ressourcenbestand (verfügbare Rohstoffe, Landwirtschaft, ...) und andererseits um die Dienstleistungen, die sich aus Produktion und Ressourcenbestand ergeben.

Der Ressourcenbestand am Ende einer Periode ergibt sich aus dem Ressourcenbestand am Ende der Vorperiode plus der Produktion, der Regeneration (durch Recycling werden Produkte zu Ressourcen) und den Importen, abzüglich der Exporte sowie der Inputs (Aufwand) für Produktion, Dienstleistungen und Regeneration. In diesem Zusammenhang verweise ich auch auf die "Agenda 21 - Nachhaltigkeit" in 5.1.3.3.

5.1.3.2 Bewertungskriterien einer nachhaltigen Wirtschaftsweise

Aus diesem Rechenansatz lassen sich einige wichtige Begriffe definieren:

Die hier vorgestellte Terminologie ist hauptsächlich dem Forschungskreis um das Wuppertal Institut entlehnt. Deren wichtigste Publikationen in diesem Zusammenhang sind: "MAIA, Einführung in die Material Intensitätsanalyse nach dem MIPS Konzept" [Schmidt98] und die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" [Schmidt97]. Diese Terminologie und Methodik stellt im Moment das am weitesten entwickelte, bis zu einem gewissen Grad standardisierte Bewertungsverfahren für nachhaltige, ökologische Wirtschaftsweisen und Technologien dar. Angelehnt an die bekannte Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" haben Hans Kronberger und Hans Nagler in "Der sanfte Weg, Handbuch der Erneuerbaren Energie" [Nagler97] ein Szenario für den Ausstieg aus der fossilen und Atomaren Energienutzung für Österreich entworfen.

Nachhaltigkeit

Eine Wirtschaft kann dann als nachhaltig bezeichnet werden, wenn der Bestand an abiotischen (z.B. Boden, Biotope, Rohstoffpool im Umlauf, strukturelle Vielfalt...) und biotischen Ressourcen über einem ständig neu festzulegenden Minimum erhalten bleibt und der Strom der erschöpfbaren Rohstoffe (z.B. Erdöl, Phosphor) ein ständig neu festzulegendes Maximum nicht übersteigt, so daß für das kommende Jahrhundert keine gravierenden Engpässe zu erwarten sind.

 

Es ergeben sich die folgenden Regenerationsleitlinien:

Umsatzleitlinien:

Wie wir bereits aus der Einleitung wissen, können die hier angesprochenen Grenzen keineswegs durch ein noch so aufwendiges Forschungsprojekt ermittelt werden. Weder herrscht Einigkeit über Begriffe wie "risikoarm", "biologische Ressource", noch über einen zumutbaren Mindestlebensstandard und schließlich ist die prinzipielle Unsicherheit der Zukunft in der Natur der Materie verankert. Diese Leitlinien stellen also nur Handlungsrichtlinien für einen ständig am Leben zu erhaltenden Zyklus von Versuchen und einer anschließenden Überprüfung, Analyse und Korrektur dar. Zur besseren Handhabung dieser Evolution praktikabler Umweltleitlinien wird meist ein Umweltindikatorensystem vorgeschlagen, das neben physikalisch-chemischen Parametern im Sinne des "erweiterten Materialismus" (5.4.1) und des darauf aufbauenden "humanökologischen Ansatzes" (2.3) das subjektive Wohlbefinden jedes einzelnen Bewohners der bewerteten Region mit einbeziehen muß! Ein konkreter Leitlinienvorschlag kann außerdem nur für eine Region mit ähnlichen klimatischen und geologischen Voraussetzungen zusammengestellt werden. Freilich lassen sich z.B. in einen Permakulturbetrieb in langjähriger Erfahrung für jeden Quadratmeter zusätzliche, lokale Regeln sammeln.

Diese akribische Buchhaltung und Dokumentation mag vielleicht übertrieben erscheinen, aber sie kann sich lohnen: ExpertInnen vermuten z.B. in der Land- und Energiewirtschaft eine Effizienzsteigerungspotential von 300% im Vergleich zur jetzigen Wirtschaftsweise, die weit entfernt von der geforderten Nachhaltigkeit ist. Dieses ungenützte Potential ist auch gar nicht so überraschend, wenn wir bedenken, daß z.B. für die mechanische Ernte mit Mähdreschern riesige Verluste im Vergleich zur händischen Ernte hingenommen wurden, und daß diese Technologien biologisch ineffiziente Monokulturen erzwingen. Mit Hilfe von tlw. frei herumlaufenden Nutztieren wie Hühnern in gemischten Pflanzengesellschaften kann der Arbeitsaufwand in den erwähnten "Permakulturen" gegenüber herkömmlicher Monokulturen extrem vermindert werden, so daß Zeit für die wesentlich effizientere händische Ernte bleibt. Anfallende kohlenstoffhältige Abfälle können vor Ort am Energiesektor verwertet werden. Durch eine Produktion nahe beim Kunden werden zudem enorme Energiemengen für den Transport eingespart. Aber selbst wenn in Summe keine beachtliche Produktionssteigerung realisiert werden kann, so wäre bereits der gesteigerte Nachhaltigkeitsfaktor Grund genug, die breite Umsetzung solcher Ideen zu fördern.

Nach diesen Ausflug in die Praxis wird die nun fortgesetzte theoretische Diskussion hoffentlich besser verständlich.

Umweltindikatoren

Ein anschauliches Beispiel für einen Indikator ist die Körpertemperatur. Menschen mit erhöhter Temperatur müssen keineswegs krank sein, aber sehr oft ist dieser einfach zu bestimmende Parameter ein gutes Indiz für eine Fehlfunktion. Umweltindikatoren müssen sich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren, und eine möglichst gute Beurteilung der Ressourcen- und Energieeffizienz erlauben. Wir dürfen aber nie vergessen, daß ihnen in jedem Falle Werturteile zu Grunde liegen, die das Ergebnis beeinflussen. Neben der erwähnten Einbeziehung des subjektive Wohlbefindens der Einwohner, soll die Wahl von physikalisch-chemischen Parametern wissenschaftlich und politisch nachvollziehbar sein, d.h. es muß verständlich sein, zu welchem Zweck sie gewählt wurden, warum sie wie zusammengefaßt werden usw. Wie schon oft erwähnt, ist auf die biologische Beschränkung des menschlichen Intellekts Bedacht zu nehmen (1.2.1), d.h. der Aufwand der Erhebung muß vertretbar sein, die Auswertung nachvollziehbar, und die aufbereitete Informationen muß allgemein verständlich, übersichtlich und international leicht vergleichbar sein.

In [Schmidt97,98] wird ein Indikatorensystem vorgeschlagen, welches Indikatoren zur Bewertung der Ressourcenentnahme beinhaltet, wie Material in Tonnen und der Anteil erneuerbarer Rohstoffe, Energie und der Anteil erneuerbarer Energien, Wasser und der Anteil der Grundwasserförderung, sowie sie Fläche mit Bedachtnahme auf unzerschnittene Flächen kritischer Größe. Weiters gibt es Indikatoren für Stoffemissionen wie CO2, SO2, NOX (Stickoxide), NH3 (Ammoniak), VOC usw. — siehe auch iiiii.

Lebensstil

Der Lebensstil einer Wirtschaftsgemeinschaft ist bestimmt durch die Höhe der Dienstleistungen und die Technologien für Produktion, Dienstleistungen und Regeneration, siehe auch [Schmidt97] und 1.1.1.7. Ein wichtiger Faktor aus der Sicht des/der Einzelnen ist die Abstimmung von Konsum und Lebenszyklen im Sinne einer "Ökologie der Zeit". Es können in der begrenzten Lebenszeit des Menschen auch unter idealen Bedingungen nur eine begrenzte Menge von Gütern "konsumiert" werden, und es steht nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Werden uns mehr Güter aufgedrängt, oder wird zuviel Gegenleistung erpreßt, so kann auch unter scheinbar nachhaltigen Bedingungen ein Lebensstil zur "Hölle auf Erden" ausarten.

Der Lebensstil kann als das eigentliche "Know-how" einer Gesellschaft angesehen werden. Er hat einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen, eine den sozialen Frieden erhaltende Verteilung und die Basis für allgemeines Wohlbefinden zu vereinen.

Für den wissenschaftlichen Umgang mit der gesellschaftlichen Entwicklung durch das "Er-leben", bzw. Erproben neuer Lebensstile auf der Basis einer mehrstufigen Zivilisation habe ich die Disziplin der "Alltagswissenschaften" im Geiste Vicos vorgeschlagen, deren Methodik sich jede(r) aneignen sollte, siehe 1.4.8 und 4.4.

Wohlfahrt

Die Wohlfahrt einer Wirtschaft beruht auf dem Angebot an Dienstleistungen und dem Bestand an Ressourcen, aber auch auf einer "sozialen Wünschbarkeit dieser Angebote.

In der herkömmlichen Wirtschaftsrechnung wird die zu maximierende Wohlfahrt als Strom der Produkte bei gegebener Technologie und bestimmtem Rohstoffbestand gemessen. Wird das BNP als Maßzahl herangezogen, ist Wohlfahrt nicht mehr als die Summe aller Produkte, egal zu welchem Zweck sie hergestellt wurden, wie sie verteilt wurden, wieviel "Naturkapital" zu ihrer Herstellung vernichtet wurde und welche unbefriedigten Bedürfnisse ihnen gegenüberstehen.

Im Gegensatz dazu verlangt ein ökologisch orientierter Ansatz die Wahl eines Lebensstils, der auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.

Nachhaltigkeit der Energiewirtschaft verlangt eine Umstellung auf ein System, das weniger auf fossilen Brennstoffen basiert und dem quantitativen sowie qualitativen Effizienzkriterium entspricht [Kronberger98]. Deshalb sollte z.B. die Abhängigkeit von sibirischen Gaspipelines reduziert, und Solarenergie gefördert werden. Alle Maße zur Energiebewertung deuten auf Dezentralisierung. Die Wiener Stadtwerke geben zwar viel Geld zur Bewerbung alternativer Energien aus, verkaufen aber andererseits "Erdgas" als einen sauberen, zukunftsträchtigen Energieträger.

Einen weiteren, den Nachhaltigkeitsgrad beeinträchtigenden Faktor verschweigen die um ein grünes Image besorgten Verantwortlichen ängstlich: den Transport. Nachhaltige Praktiken in der Landwirtschaft wie die erwähnte Permakultur würden sowohl den Produktionsaufwand als auch den Transportaufwand reduzieren.

5.1.3.3 Agenda 21 - Nachhaltigkeit

Anknüpfend an einen weltweiten Prozeß, der sich vom Brundlandt Report (1987) bis zum Lisboa Action Plan (1996) spannt, verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums "Agenda 21 — Nachhaltigkeit" nach intensiver Diskussion über Erfahrungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung die folgende "Wiener Erklärung" (1996):

Artikel 1

Soll Nachhaltigkeit ernsthaft verwirklicht werden, müssen wir uns auf zielführende Indikatoren stützen. Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt als alleinige Maßstäbe stehen einer nachhaltigen Entwicklung entgegen. Es sind daher relevante Indikatoren, wie z.B. das Ausmaß an CO2 -Emissionen, die Müllproduktion und der Verbrauch an Umweltraum, mit ökologischen und sozialen Kriterien zu entwickeln und im Bereich der Planung von Projekten und Budgets sowie zur Bewertung von Politik verbindlich zu verankern.

Artikel 2

Sozialer Friede ist nicht nur ein ethischer sondern auch ein ökonomischer Wert. Zur Bekämpfung der Armut braucht es eine gerechtere Einkommensverteilung. In alle ökonomischen Aktivitäten und wirtschaftspolitischen Maßnahmen müssen Prinzipien eingebracht werden, welche Gestaltungsspielräume für sozialen Ausgleich, Umweltschutz und Bildung schaffen. Eine Umstrukturierung des Steuersystems im Hinblick auf eine Besteuerung von Aktivitäten mit negativen Umweltauswirkungen (z.B. Verbrauch nicht-erneuerbarer Energieträger) ist notwendig.

Artikel 3

Die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung reicht weit über den Bereich neuer Technologien hinaus in alle gesellschaftlichen Bereiche. Im Teil III der Agenda 21 wird eine Stärkung der Rolle wichtiger Gesellschaftsgruppen zum Ziel erklärt. NGOs müssen deshalb in nationale und lokale Mechanismen zur Umsetzung der Agenda 21 stärker eingebunden werden.

Artikel 4

Bis 1996 "sollte die Mehrheit der Kommunalbehörden eines Landes "im Dialog mit ihren Bürgerinnen und Bürgern eine "lokale Agenda 21" ausarbeiten - dies ist mit Unterstützung der nationalen Regierungen zu erreichen. Eine Möglichkeit, um diesen Prozeß von bereits bestehenden, freiwilligen und daher unverbindlichen Programmen zu unterscheiden, könnte sein, in den Finanzausgleich die Realisierung eines lokalen Agenda 21-Prozesses seitens der Gemeinden als Kriterium aufzunehmen. In den Niederlanden hat sich diese Vorgangsweise bereits bewährt.

Artikel 5

Eine Änderung von Werthaltungen ist dringend notwendig. Es sind vor allem die NGOs, die dabei im Umwelt- und Sozialbereich entscheidende Impulse setzen. Die Diskussion unserer Wertvorstellungen muß auch im Bildungsbereich verstärkt werden, um das gesellschaftliche Klima für die Idee der Nachhaltigkeit aufzubereiten. Zahlreiche Beispiele, sowie die von diesem Symposium gezogenen Schlußfolgerungen weisen darauf hin, daß eine Befreiung vom Konsumzwang auch persönlicher Gewinn ist. Die lokalen Agenden wurden in vielen europäischen Staaten bereits erarbeitet.

5.1.3.4 Technik und Technologiebewertung, Ökobilanzen

Um eine Technologie als nachhaltig, ökologisch, regionalpolitisch und ökonomisch tragbar, sowie den Erfordernissen der Raumordnung entsprechend zu beurteilen, sind Anforderungen zu stellen, welche mit ausschließlich technischen Maßnahmen nicht lösbar erscheinen [Hahn95]. Für eine derart integrierte Betrachtungsweise sind technische, ökologische, soziale, raumplanerische und wirtschaftliche Faktoren ausschlaggebend, die bei der Konzepterstellung, Planung und behördlicher Genehmigung berücksichtigt werden müssen. In diesem Sinne darf sich der moderne Technologievergleich nicht bloß an technischen Daten einer isoliert betrachteten Anlage orientieren [AbwVgl97].

Aus den später ausführlich diskutierten Maximen der "Risikominimierung" und der "Verantwortbarkeit" ergibt sich folgender Rahmen für jedes Verfahren der Technologiebewertung und Technikfolgenabschätzung. In der "Diagnose" müssen die Vorteile und Risken der Technologie systematisch untersucht und bewertet werden, was neben einer Folgenabschätzung im Umwelt- und Sozialbereich auch das sehr wichtige Kriterium der Offenheit für Alternativen einschließt, ich verweise dazu auf die im ersten Abschnitt vorgestellten Thesen von Hans Jonas [Jonas79]. Auch eine technische "Machbarkeitsstudie" und ein ökonomischer Variantenvergleich sollten nicht fehlen. Diese notwendigen, aber nicht hinreichenden Bestandteile sorgfältiger Planung sollen möglichst viele bereits bekannte Probleme einbeziehen, statt sie, wie heute üblich, möglichst elegant auszublenden. Das Planungsverfahren ist als eine von kompetenter Seite moderierte öffentliche Diskussion von ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen eines Projektes zu verstehen.

Wenn wir mit bereits bestehenden Schwierigkeiten konfrontiert sind, bedarf es einer "Therapie", deren wichtigstes Kriterium die Absicherung sein muß, daß neue Lösungsversuche nicht zu noch größeren Problemen führen [Jonas79]. Es geht dabei hauptsächlich um eine mit möglichst wenig technischem Aufwand erreichbare Risikoverminderung, und in zweiter Linie um ein "neues Design", das immer die Gefahr unvorhergesehener Überraschungen erhöht.

Wesentlich effektiver sind aber "Vorbeugende Maßnahmen", die hauptsächlich darin bestehen, bereits im Prozeß der Planung auf die im Zusammenhang mit der "Diagnose" angesprochenen Kriterien Rücksicht zu nehmen, bzw. Rahmenbedingungen zur Forcierung einer solchen intergrierten Planung zu schaffen.

Ich werde mich im folgenden Beispiel aber ausschließlich auf die Bewertung technischer Aspekte konzentrieren. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, daß die zuvor genannten Kriterien ebenfalls zu berücksichtigen sind. So wäre das in der Folge vorgestellte Verfahren unzureichend für eine adäquate Diskussion der Atomkraft, der Gentechnik und der Neurochirurgie, da mögliche langfristige Risken nicht angesprochen wurden, siehe 4.2.

Einen kurzen Methoden-Überblick mit praktischen Anwendungsbeispielen gibt etwa [Reisner94]. Es wurden die etwas veralteten Ökobilanzen nach Rothschedl, (Bodenknappheit, zukünftiges Energieversorgungsszenario), nach Alber/Mühlberger (Stoff- u. Energiebilanz und mit Bewertung umweltrelevanter Faktoren) sowie die Schwachstellenanalyse mittels Stärken- Schwächenprofil verglichen. Die Autoren und Autorinnen kamen zu dem Schluß, daß bei den betrachteten Ökobilanzen "jedes Ergebnis möglich ist, weil die Rahmenbedingungen und Annahmen sehr komplex sind".

Der Trend geht daher mehr in Richtung der Standardisierung von Systemgrenzen und -Elementen. Ich werde auch ein paar weitergehende Vorschläge machen, die sich auf den oft vernachlässigten Bereich der natürlich begrenzten Informationsverarbeitungskapazität auf allen Ebenen des menschlichen Handelns beziehen. So können oft Entscheidungen einfach deshalb nicht nach "vernünftigen Kriterien" gefällt werden, weil das etablierte System die Erfassung der notwendigen Informationen nicht berücksichtigt, und eine nachträgliche Datenerhebung undurchführbar ist. Ein typisches Beispiel ist die Material- und Energiebilanz von Maschinen. Diese kann in der Praxis nur vom Hersteller der einzelnen Maschinenkomponenten aufgestellt werden, und müßte bei der Montage von den zugelieferten Komponenten aufaddiert werden. Im Nachhinein ist eine derartige Analyse praktisch nicht mehr möglich, da z.B. niemand weiß, wie weit zugekaufte Teile zuvor transportiert wurden, wo die Rohstoffe eingekauft wurden usw.

Das angesprochene Problem gilt daher im Prinzip auch für das von mir favorisierte Verfahren der "Sachlichen Bewertung" [AbwVgl97], welches jedoch eine der größten Schwachstellen von herkömmlichen Ökobilanzen vermeidet, nämlich die Umrechnung in "Öko-Äquivalente", übrigens auch ein Schwachpunkt der Wuppertaler "MIPS-Einheit" [Schmidt94], [Loske96] die mit dem "MAIA" (Materialintensitätsanalyse) Verfahren ermittelt werden kann. Trotzdem empfehle ich diese Bewertung, da es sich um das am weitesten entwickelte, und bis zu einem gewissen Grad standardisierte Bewertungsverfahren handelt, das im Moment verfügbar ist [Schmidt98]. Eine ähnliche, aber globalere Betrachtungsweise ist die "Stoffstromanalyse", siehe z.B.: [Adriaanse98]. Ein Beispiel für die Anwendung dieser Sichtweise ist die Diskussion des umstrittenen "Dreiliter Autos" in [Petersen98].

Die wichtigsten Gründe für die Unbestimmtheit empirischer Daten sind übrigens philosophischer Natur, jedoch untrennbar mit allen technischen Fragestellungen verwoben. Voraussetzung für die Vergleichbarkeit derartiger Bewertungen sind in jedem Fall normierte Systemgrenzen und Vorgaben für die Datenerhebung.

Zu bewerten ist hauptsächlich nach den folgenden Kriterien:

 

Diese Grundsätze finden wir etwa im EU-konformen österreichischen Umweltverträglichkeitsgesetz (UVP-G) teilweise verankert, das Bürgerbeteiligung vorsieht und helfen soll, die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen auf die Schutzgüter Menschen, Tiere Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima, Biotope, Ökosysteme, Landschaft sowie Sach- und Kulturgüter zu beschreiben, bewerten, und gegen Alternativen abzuwägen (§1 (1)).

Bauliche Maßnahmen jeder Art können z.B. Grundwasserströme verändern und so das Schutzgut "Wasser" beeinträchtigen. Außerdem besteht durch das Hantieren mit gefährlichen Materialien eine akute Gefährdung für das Grundwasser. Zur Genehmigung von technischen Anlagen ist daher der Beweis zu erbringen, daß die getroffenen Maßnahmen eine Gefährdung des Grundwassers mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen — eine hübsche Formulierung die den Geist des in früheren Abschnitten ausführlich diskutierten "Machbarkeitswahn" der Technokratie (1.2.3, 4.3) widerspiegelt.

In der Praxis hat das UVP-G gezeigt, daß damit bloß die alten, ungelösten Probleme in neues Gewand gehüllt wurden. Bei der Projektierung einer Umfahrungsautobahn im Süden Wiens, der B301, ist das Wirtschaftsministerium zuversichtlich, daß die UVP rasch abgeschlossen werden kann. Das Umweltministerium, die Wiener Umweltanwaltschaft, diverse NGOs und Anrainer staunten auf der anderen Seite über die dürftigen Beweise für die Unbedenklichkeit des Projektes im Rahmen der "Umweltverträglichkeitserklärung". Es wurden bloß alle bereits vorhandenen, zum Teil völlig veralteten Gutachten aufgestapelt, und mit Zetteln ergänzt, die Überschriften der vorgeschlagenen Einzelthemen einer Umweltverträglichkeitsbewertung trugen. Da und dort fügte man ein paar ergänzende Zeilen bei, und fertig war die "umfassende" Bewertung der Umweltverträglichkeit.

Ein Beispiel für die Wichtigkeit der Wahl der Systemgrenzen

Eine wichtige Grundlage zur Beurteilung der Umweltauswirkungen von technischen Systemen ist die Wahl der Systemgrenzen, siehe auch 3.2.5. Da eine Umweltverträglichkeitsprüfung verschiedene Varianten in Betracht ziehen soll, muß die direkte Vergleichbarkeit durch geeignete Systemgrenzen gewährleistet werden.

Ein klassisches Beispiel von einem unzureichenden Ausschnitt aus einem Gesamtsystem wäre die Beurteilung einer einzelnen Kläranlage in einer Untersuchung der ökologischen Rahmenbedingungen von Abwasserreinigungskonzepten. Unter einer gewissen Kläranlagengröße (4 - 10 EinwohnerInnen) sind z.B. Pflanzenkläranlagen bezüglich des Materials im Vergleich zu großen, technischen "Belebtschlammanlagen" sehr ineffizient, allerdings helfen sie Kanalnetze einzusparen. Ab 10 Einwohnern pro Kläranlage (2 Haushalte) wird ein lokales Kanalnetz notwendig, große Transportkanäle zwischen mehreren Gemeinden hingegen rechnen sich erst ab 1000 Einwohnern. Daher müssen auch verschiedene Größenordnungen von Abwasserreinigungssystemen unterschieden werden, will man/frau das Ergebnis nicht verfälschen. Die Kläranlagen sind aus den genannten Gründen immer gemeinsam mit dem dazugehörigen Kanal- bzw.- Transportkanalsystem zu vergleichen [AbwVgl97].

Technologievergleich in der Praxis - Aufwandsschätzung

Bei der hier vorgestellten Bewertungsmethode der "sachlichen Lebenszyklusbewertung von technischen Alternativen" [AbwVgl97] kann auf eine Umrechnung in die erwähnten obskuren "Öko-Äquivalente" oder in monetäre Werte verzichtet werden.

Allerdings läßt sich die hier favorisierte Material- und Energiebilanz nachträglich zu einem einheitlichen "Emissionsmaß" bzw. zu einer "Ökobilanz", aber auch zu einer Kostennutzen Analyse zusammenfassen, indem die Einzelemissionen mit verschiedenen Gewichten z.B. gemäß dem Verhältnis zu vorgeschriebenen Grenzwerten aufaddiert werden. Diese Bewertung kann auch als Vorstufe für eine "MIPS" Bewertung eingesetzt werden [Schmidt94], [Loske96], [Schmidt98]. Dazu sind aber die Modellierungs-Vorgaben bereits bei der Erfassung und Ergänzung der Rohdaten durch Erfahrungswerte entsprechend zu berücksichtigen.

Will man/frau den Informationsverlust durch die Umrechnung vermeiden, müssen für jedes Material bzw. jede einbezogene Dienstleistung über 20 Emissionsparameter mitgeführt werden, um am Ende eine unverfälschte Gesamtsumme des Material- und Energiebedarfs ermitteln zu können. Der folgende Vergleich zeigt diesen aufaddierten Gesamtaufwand für drei verschiedene Kleinkläranlagensysteme [AbwVgl97], die mit Hilfe dieser Darstellung auch direkt miteinander verglichen werden können.

In der Praxis müssen Fluß- und Bestandsgrößen des Aufwandes einer Technologie erhoben werden, wobei letztere sich auf die Errichtung und den Abbau aller Bauwerke der Anlage und der benötigten Infrastruktur beziehen [AbwVgl97]. Im folgenden Text wird nicht mehr näher auf den Abbau der technischen Einrichtungen und Bauwerke eingegangen, da es hierzu leider noch keine gesicherten Erfahrungswerte gibt.

Abb. 36: Kleinanlagenvergleich: Emissionen und Ressourcen je m3 Abwasser [AbwVgl97]

In der Stoffbilanz sind dabei die Tonnen an Material getrennt zu bewerten, die mit einem festzulegendem Qualitätsverlust wiederverwendet, oder unter einem ebenfalls abzuschätzenden Energieverlust als Rohstoff wiederverwertet werden können, und solche die zu deponieren sind. Wegen unverhältnismäßig hohen Kosten einer derartigen Abschätzung wird auf die Berücksichtigung der Recyclierfähigkeit der Baustoffe in der folgenden Aufstellung verzichtet.

Neben diesen Materialmengen, die sich grob in Baustoffe (Schüttgut, Beton, Rohre, Ziegel, Kunststoff) und Maschinenkilo gliedern, sind für jedes Bauwerk auch die zur Errichtung benötigten Energie- und Wassermengen und die Kosten relevant.

Die klassischen Flußgrößen hängen vom Durchsatz einer technischen Anlage und deren Wirkungsgrad ab. Neben dem Energieverbrauch in unterschiedlichen Betriebszuständen sind diverse Chemikalienströme zu berücksichtigen. Aber auch bei der Wartung verbrauchte Reinigungsmittel und Ersatzteile sind zu berücksichtigen.

Technologievergleich in der Praxis - Folgenabschätzung

In der vorgestellten Aufwandserhebung ist die von Hans Jonas geforderte Abschätzung von Folgen indirekt berücksichtigt, sofern sie sich direkt aus dem Verbrauch von Ressourcen bzw. aus dem Ausstoß von Abfällen und Emissionen abschätzen lassen, da es sich um eine Input/Output Analyse über die Lebensdauer einer technischen Anlage handelt. D.h. werden solche Material- und Emissionsprofile direkt miteinander verglichen, dann wird die günstiger bewertete Variante auch weniger negative Auswirkungen zur Folge haben.

Es gibt aber auch noch andere Folgen von Technologien, wie z.B. die sozialen und ökologischen Auswirkungen und Risken der Unberechenbarkeit, die ich bereits angesprochen habe und in späteren Kapiteln noch genauer untersuchen werden.

Zur Abschätzung der ökologischen Auswirkungen muß eine Bewertung der Schutz- und Sicherungswürdigung eines eventuell gefährdeten Naturraumpotentials, z.B. mit Hilfe eines Gutachtens ermittelt werden. Im vollständigen Manuskript wird eine solche Untersuchung am Beispiel eines Flusses ("Fließgewässers") illustriert.

 

Beispiel: Diskussion von Alternativen nach einer sachlichen Bewertung

Wie müssen die geforderten Planungsalternativen dokumentiert sein, damit die wissenschaftlich gewonnen Daten einen politischen Entscheidungsprozeß unterstützen, der nicht bloß der Absegnung eines Wunschprojektes dient? Die folgenden Varianten für ein regionales Konzept zur Abwasserentsorgung [AbwVgl97] soll die notwendige Aufbereitung der Ergebnisse illustrieren. Es handelt sich um eine sogenannte "sachlichen Bewertung" [AbwVgl97] von möglichen Alternativen, die auch ökologische Auswirkungen berücksichtigt.

Eine Betrachtung der Emissionen und des Ressourcenverbrauches für verschiedene technische Lösungen führt zu folgendem Ergebnis: Die Lösung mit Pflanzenkläranlagen benötigt im gewählten Beispiel am wenigsten Energie über die gesamte Lebensdauer, dafür sechs (!) mal soviel Kunststoff wie die Alternativen. Durch etwas größere Einheiten könnte der enorme Materialaufwand sicherlich noch gesenkt werden. Außerdem wurde nur ein Verbindungskanal in diesem Vergleich berücksichtigt, während die angenommene Pflanzenkläranlagengröße zusätzlich einen Teil des lokalen Kanalnetzes einsparen würde — insofern müßte der Aufwand für einen fairen Vergleich nach unten hin korrigiert werden.

Das benötigte mineralische Baumaterial für die Pflanzenkläranlagen ist geringer als bei einer zentralen Abwasserreinigungsanlage mit 8 km Verbindungskanal, d.h. einer Lösung, in der die Abwässer mehrerer Orte in eine einzige, zentrale Kläranlage geleitet werden. Der Aufwand ist fast doppelt so hoch wie bei dezentralen technisch-biologischen Kläranlagen mit einem kurzen Kanal (3km).

Abb. 37: Varianten-Vorschläge für ein regionales Abwasserentsorgungskonzept [AbwVgl97]

In den vorangegangenen Tabellen wurden zwei Spalten für den verbauten Beton und Kies angeführt. Eine bezieht den Kanalbau ein, die andere bezieht sich nur auf den Aufwand für die Kläranlage. Das folgende Diagramm veranschaulicht diese Zahlen. Es wurde davon ausgegangen, daß die Transportkanäle ohne einen zusätzlichen Betonmantel verlegt worden sind.

Die Grenzen einer technisch orientierten Bewertung

Lokale, standortorientierte Bewertungen des Aufwandes für die Errichtung und die Produktion von Anlagenkomponenten sind bei derartigen Ökobilanzen meist nicht finanzierbar.

 

Abb: siehe beigelegte Ausdrucke!

 

 

Abb. 38: Vergleich von vier Abwasserreinigungsvarianten für 5 NÖ-Gemeinden [AbwVgl97]

Es werden stattdessen meist Erfahrungswerte bzw. Durchschnittswerte ermittelt, um das Ergebnis möglichst allgemein anwendbar zu machen. In der vorgestellten Kläranlagenstudie wurden pauschal 10 km Entfernung zur Baustelle angenommen. Damit fallen aber die wesentlichen Parameter zur Beurteilung von "Nachhaltigkeit" unter den Tisch, die in der Praxis fast ausschließlich von der konkreten Situation abhängen. Ein typisches Beispiel für einen standortabhängigen Parameter stellt der Energieverbrauch für den Transport von Baumassen, bzw. mineralischen Baustoffen dar. Je nachdem, wie weit die nächste Schottergrube entfernt ist, kann der Dieselverbauch vernachlässigt werden, oder er übersteigt sogar den Aufwand für die Materialgewinnung.

Mit dem Stehsatz "Hat kein Mascherl" wird in der folgenden Liste angedeutet, daß diese Aufwendung unabhängig vom technischen System, aber oft auch unabhängig vom Standort entweder ökologisch verträglich, aber auch ohne Berücksichtigung ökologischer Verträglichkeit, dafür aber billiger, bereitgestellt werden können. Solche Parameter können daher sowohl bei einem standortabhängigen als auch bei einem abstrakten Technologievergleich vernachlässigt werden, da die Wahl weder vom Standort, noch von den zu vergleichenden Technologien oder Planungsvarianten abhängt. Der Anlagenerrichter kann selbst entscheiden, wieviel er/sie in ökologisch verträgliche Rohstoffe und Komponenten, oder im sozialen Bereich investieren will. Die folgende Auflistung soll dies verdeutlichen:

Das bedeutet aber nicht, daß diese Faktoren bei einem konkreten Projekt vernachlässigt werden können, ganz im Gegenteil. Da ein Großteil des Aufwandes neben der Betriebsenergie auf den energieträchtigen Materietransport entfällt, spielt es eine entscheidende Rolle, wie weit Schottergruben und Betonmischanlagen tatsächlich vom Bauplatz entfernt sind. Hier liegt oft der größte Spielraum für ökologisch verantwortungsbewußtes Handeln. Nur bei dem erwähnten Varianten- oder Systemvergleich kann auf eine Berücksichtigung verzichtet werden, wenn dieser Spielraum für alle Varianten ähnlich ist. Selbst das ist nicht immer der Fall. Wenn z.B. für eine der möglichen Technologien ein besonderer Rohstoff in großen Mengen benötigt wird, der aber am konkreten Standort nur unter enormen Aufwand bereitgestellt werden kann, dann wäre es nicht zulässig, diesen standortabhängigen Nachteil zu vernachlässigen.

Dieses Konzept steht offensichtlich auf wackeligen Beinen, aber es gibt noch weitere Quellen der Unsicherheit. Eine neue Recyclingtechnologie für Stahlbeton kann etwa die Bewertung des "ökologischen Rucksackes" bzw. die Einschätzung des "erneuerbaren Anteils" von verbrauchtem Material dramatisch verändern. Wir blenden somit durch diesen Kunstgriff den Großteil der eigentlich interessanten, aber schwer bewältigbaren Probleme aus, und konzentrieren uns auf eine leichter lösbare Aufgabe.

Ein weiteres Problem stellt die tatsächliche Berücksichtigung der Recyclingrate und der Regenerationsfähigkeit in der Praxis dar. Es ist nach wie vor offen, wie etwa der Energieaufwand bei der Beton- und Schottergewinnung sowie deren Wiederverwendung zu beurteilen ist. Und was nützt es, den Aufwand für Recyclierverfahren zu ermitteln, wenn der Wiederverwertungsanteil in der Praxis vernachläßigbar gering ist. Ähnlich schwierig ist die Beurteilung der eingesetzten Energie. Der für Österreich typische Energiemix hat erfreulicherweise einen hohem Anteil erneuerbarer Energiequellen, wozu im Moment allerdings nur die Wasserkraft gezählt wird. In der Praxis wäre es aber wichtig, den tatsächlichen Anteil erneuerbarer Energiequellen zu bestimmen, die stark vom durchschnittlichen "Energiemix" abweichen können. Ob eine Schottergrube mit Biodiesel oder fossilen Brennstoffen ausgehoben wird, macht z.B. einen großen Unterschied in der CO2 Bilanz.

Die bereits angesprochene "Ressourcen- und Emissionsbilanz", auch unter dem Begriffen "Materie- und Energieintensität pro Serviceeinheit" (MIPS [Schmidt98]) und als "Lebenszyklusanalyse" bekannt, versucht die genannten Problem über die Abschätzung gemittelter Größenordnungen zu umgehen. Dabei wird folgendermaßen vorgegangen. Sobald aus irgendeiner halbwegs seriösen Quelle Größenordnungen bezüglich des Aufwandes zur Bereitstellung einer Dienstleistung veröffentlicht werden, wird daraus ein defacto- Standardfaktor, mit dem aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit in allen weiteren Studien gerechnet werden muß.

Es wird so "Berechenbarkeit" bzw. Objektivität vorgetäuscht, die sich oftmals auf Daten bezieht, die mehr aus der Not einer ersten Abschätzung denn aus empirischen Belegen gewonnen wurden. Da es aber ohnehin keine vom menschlichen Betrachter unabhängige Realität gibt, spielen etwaige Fehler keine große Rolle, solange sie einheitlich gemacht werden. Zumindest sind die Tendenzen der Zusammenhänge richtig nachzubilden. Die Modelle verfeinern sich mit der Zeit. Noch wichtiger ist, daß endlich entsprechende Überlegungen bezüglich dem Energie- und Ressourcenverbrauch verschiedener Technologien angestellt werden, was über Umwege auch gesellschaftspolitische Konsequenzen haben wird. Eine strikte Besteuerung von Energie- und Ressourcenverbrauch wäre der nächste logische Schritt, um die geforderte "Entmaterialisierung" von Dienstleistungen voranzutreiben. Spätestens dann werden die skizzierten Analysewerkzeuge auch für ÖkonomInnen interessant.

 

5.2 Bestandsaufnahme der ökonomischen und politischen Krise

"Es ist eine große Kluft entstanden zwischen dem wissenschaftlichen-technischen Können des Menschen und seiner geistigen Entwicklung. Die Welt von morgen mit ihren komplizierten, ausgeklügelten, gewaltigen Gebilden droht das Resultat von Wesen zu werden, denen das nötige Wissen zur Verfügung steht, denen aber die "Kultur des Herzens" fehlt und die in ihrem Innersten auf der Stufe von Steinzeitmenschen stehengeblieben sind."

Zitat: Phil Bosmans

"England hat für seinen Wohlstand den halben Planeten beansprucht. Wievieler Planeten bedarf Indien?"

Zitat: Gandhi

5.2.1 Die Beschleunigungskrise: Technik, Wirtschaft und Gesellschaft (We-2)

Es herrscht heut weitgehend Einigkeit, daß nicht die bloße Produktions-, Verkehrs-, und Kommunikationsmaximierung die optimale Planungsstrategie darstellt, sondern viel mehr ein ausgewogenes Verhältnis in der Infrastruktur, die auf menschliche Bedürfnisse und nicht auf die einer übergeordneten Lobby zugeschnitten sein sollte. Auch in den Wissenschaften zählt längst nicht mehr das bloße Sammeln von Fakten über Arten, Sterne, Eigenschaften des Mikro- und Makrokosmos, sondern Informationen über das Zusammenwirken der zergliederten Objekte der Betrachtung.

Das Systemverhalten, und nicht bloß die statische Struktur eines Systems rückt in den Mittelpunkt. Jedes Lebewesen, aber auch jedes Produkt menschlicher Tätigkeit steht in unzähligen Wechselwirkungen mit der Um- und Mitwelt, so daß die optimalen Eigenschaften einer Komponente in der komplex vernetzten Welt nicht einfach im Vorhinein festgelegt oder gar berechnet werden können. Um gesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge einer "dynamischen Systemanalyse" unterziehen zu können, müssen die herkömmlichen, unhandlichen Betrachtungsgegenstände verfeinert werden, das gilt ganz besonders für die sozialen Gebilde "Nationalstaat" und "Nationalökonomie".

Schon in seinen ersten Schriften zeigte der österreichische Philosoph und Ökonom Leopold Kohr Anfang der vierziger Jahre die Gefahr eines übermäßigen Wachstums auf und propagierte eine Rückkehr zu kleinen und überschaubaren Einheiten [Kohr94], [Lehner94]. Viele seiner Ideen versuchte er im Rahmen wissenschaftlicher Projekte in die Praxis umzusetzen. So wirkte er z.B. 1967 an der Gründung des karibischen Kleinstaates Anguilla mit, ein Experiment, das schließlich von britischen Fallschirmjägern gewaltsam beendet wurde.

Neben der Unüberschaubarkeit heutiger politischer und ökonomischer Institutionen, die hauptsächlich dazu dienen, das große Geld bzw. die große Macht zu sichern, liegt die Wurzel des Beschleunigungsproblems in der überall angewandten Theorie der "klassischen Nationalökonomie". Schon sehr früh wurde die Verzinsung des Kapitals als ein unnatürliches "Wachstumshormon" der Wirtschaft erkannt. Ich werde im nächsten Unterkapitel auch die Eigendynamik der "Economics of Scale" und "Scope" untersuchen. Kapitaleigner sind gezwungen, ständig mehr Geld gewinnbringend zu investieren. Damit wurde zu Beginn der Neuzeit eine Wachstumsspirale in Gang gesetzt, die sich immer rasanter dreht und uns dabei in eine immer gefährlichere Situation manövriert, (vgl. Nord-Süd-Konflikt). Das völlig unrealistische kapitalistische Wachstumsmodell wirkt hauptsächlich durch drei Mechanismen destabilisierend, die in der westlichen Gesellschaft peinlichst verschwiegen werden:

Selbst ökologisch motivierte AutorInnen vom bekannten deutschen Wuppertalinstitut blenden diese Problematik aus, und diskutieren nur Randphänomene. Die Gesetze der "freien" Marktwirtschaft bringen somit den sogennanten "Mehrwert" nicht nur als Wertsteigerung, etwa durch Bearbeitung etc. mit sich, sondern auch Preisaufschläge ohne Zusatzleistung, die gemeinschaftlich gewonnene Wertschöpfung den großen Kapitaleignern zuführen.

Es hat sich zwar eingebürgert, durch staatliche Sozialleistungen einen Teil des Mehrwerts an Menschen mit dringendem Bedarf umzuverteilen, um den sozialen frieden zu wahren, d.h. um das Dahinvegitieren am Existenzminimum zu gewährleisten. Damit werden aber die Verhältnisse umgekehrt, denn es scheint, als würden die "Reichen" zu gütigen Spenden an die "Armen" gezwungen, die aber jederzeit im Zuge einer Steuerreform wieder abgeschafft werden können. Dieses Korrektursystem zwingt einen großen Teil der Bevölkerung in ein unwürdiges Abhängigkeitsverhältnis, und beläßt eine Elite in dem Glauben, wohlerworbene Güter abtreten zu müssen. Steuerhinterziehung, offen zur Schau getragener Chauvinismus und unsoziale Forderungen seitens dieser Elite sind deshalb an der Tagesordnung.

Die Bodenrenten [Reischer97]

Bei Grund- und Immobilienverkauf z.B. ist es selbstverständlich geworden, mehr zu kassieren als man bezahlt hat. Menschen mit finanziellem Spielraum können auch überhöhte Mieten bezahlen. Solange hohe Mieten und (illegale) Ablösen bezahlt werden, gibt es keinen Grund für VermieterInnen, die Preise zu senken. Wer nicht mehr mitkann, fällt hinaus oder muß an anderen Ecken einsparen. Wenn BoutiquenbesitzerInnen mehr Miete bezahlen (können) als GreißlerInnen, dann werden diese bald ausziehen (müssen), was auch die Struktur der Nahversorgung nachhaltig beeinflußt.

Nahversorgung [Reischer97]

Ähnliches gilt für Waren des gehobenen Bedarfs. Wenn man durch den Verkauf von Luxusgütern mehr verdient als mit Brot, Milch und Gemüse, dann wird umgesattelt.

Menschen, die jung und gesund sind und sich ein Auto leisten können, fahren in die Einkaufszentren am Stadtrand, wo alles ein wenig billiger ist. Menschen, die sich kein Auto leisten (können), müssen bei der Greißlerin ums Eck einkaufen. Diese macht immer weniger Umsatz und muß entweder die Preise anheben oder zusperren.

Der Zinsertrag [Reischer97]

Wenn GreißlerInnen, RechtsanwältInnen oder auch große UnternehmerInnen einen Kühlschrank, einen Computer oder eine Riesenmaschine auf Kredit kaufen, dann müssen sie die Zinsen dafür auf die Preise aufschlagen, also letztlich den KonsumentInnen anrechnen. Beim Staat heißt das Steuern. Alle NormalverbraucherInnen müssen also mit jedem Schilling, den sie ausgeben, etwa 30 - 40 Groschen Zinsen bezahlen. Stellt man diese Beträge dem persönlichen Zinsertrag gegenüber, dann muß man zirka 1 Million öS am gutverzinsten Sparbuch haben, um ausgeglichen davonzukommen. Das heißt: Alle, die weniger als 1 Million besitzen, zahlen an die, die mehr haben. Die Zinsen der Kredite müssen zudem alle Spesen der Banken bis zum Gehalt der DirektorInnen decken.

Die Steuern [Reischer97]

Die Einkommensteuer wird in Österreich nach Stufen berechnet, dieses Modell aus dem Jahr 1997 wird in den meisten westlichen Ländern angewandt, und verändert sich nur in Details. Die untersten 50.000,- pro Jahr bleiben steuerfrei, auch für jene, die mehrere Millionen verdienen. Der höchste Steuersatz von 50% wird nur auf die Einkommensteile über 700.000,- angewandt. Die Einkommensteuer auf Kapitalerträge, Zinsen und Dividenden beträgt immer 25%, egal, wie hoch der Ertrag auch ist.

Die Sozialversicherung wird durch Beiträge finanziert, ein fixer Prozentsatz von allen Einkommen über 3.740,- öS wird eingehoben. Bei Bruttolöhnen über 39.000,- öS wird dieser Prozentsatz immer geringer, weil der Betrag nicht weiter steigt. Der Beitrag vermindert die Einkommensteuer, die progressiv berechnet wird. Also hat jemand mit hohem Einkommen mehr Prozent Steuervorteil, obwohl er weniger Prozent Beiträge zahlt. Von diesen Beiträgen werden die Honorare der VertragsärztInnen, FachärztInnen, TherapeutInnen ... bezahlt, auch die Gehälter der Angestellten, Kontrollorgane und DirektorInnen. Durch die Steuerprogression ersparen sich Gutverdienende bis zu 50 %, Schlechtverdienende gar nichts, weil sie keine Steuern zahlen, also auch nichts absetzen können.

Langfristiges Resultat: Exponentielles Wachstum auf Kosten der Schwachen

Bei den zuvor erläuterten Rahmenbedingungen werden meist prozentual gleichbleibende Zuwachsraten angesetzt, z.B. beim Boden- und Kapitalzins.

Selbst ein Zinssatz von einem Prozent führt zu exponentiellem Wachstum, das uns zwar Anfangs vernünftig, weil langsam wachsend erscheint, aber nach einer leicht bestimmbaren Zeit eine explosionsartige Entwicklung nimmt. Eine Entwicklung die die menschliche Vorstellungskraft übersteigt: Bekanntlich wächst die Erdbevölkerung im Moment exponentiell, und in ein paar tausend Jahren wäre nicht nur unser Sonnensystem völlig mit Menschen angefüllt, auch nicht die gesamte Milchstraße, sondern bereits das gesamte Universum! Ein paar Schillinge zu Christi Geburt mit einem Zinssatz von fünf Prozent angelegt, müßten heute mit einer Goldkugel mit dem Gewicht eines Planeten Erde abgegolten werden. Daß die Ökonomie des letzten Jahrhunderts von derartig unsinnigen Annahmen ausgehen konnte, verstehen viele Menschen nicht, am allerwenigsten die darauf angesprochenen Nachwuchsökonomen. Einen Erklärungsansatz bietet die angeborene, und durch das heutige Ausbildungssystem unterstütze "Rechenschwäche" des Menschen, die darauf beruht, daß unbewußt lineare Zusammenhänge in jede Situation interpretiert werden, auch wenn dies offensichtlich nicht der Fall ist. Weitere psychologisch bedingte Quellen der Irrationalität habe ich in 1.4 beschrieben.

Das Ergebnis: Inflation

Natürlich kann ein solcher Ansatz auf Dauer nicht gutgehen, und jede bekannte Lenkungsmaßnahme gegen den Kollaps endet letztlich in der heimtückischen Geldentwertung der Inflation, die vor allem jene trifft, deren kleines Einkommen und Kapital größtenteils in lebensnotwendige Güter wie Kleidung und Nahrung investiert werden muß. Denn es wird zwar das Geld etwa durch eine Vermehrung der ausgegebenen Banknoten entwertet, nicht aber der Preis für die Güter. Was Kleinverdiener durch den gezügelten Sparzinssatz gewinnen, das frißt in etwa die Inflation wieder weg.

Durch diesen Effekt kommt es zu der bereits am Ende des 19. Jahrhunderts von Silvio Gesell und Karl Marx erkannten Konzentration des Kapitals, in dem die Arbeitsleistung eines Großteils der Bevölkerung nur zu zwei Drittel abgegolten wird, während das fehlende Drittel an die "Superreichen" geht. Der Mechanismus funktioniert etwas einfacher, als von Karl Marx ursprünglich beschrieben. In den Preisen aller Dienstleistungen ist ein großer Anteil an "Kapitalkosten" (Kapitalzins) versteckt, den wir bezahlen müssen, auch wenn wir selbst kein Geld, keinen Boden und kein Produktionsmittel ausleihen. Denn zur Bereitstellung jeder Dienstleistung, die wir konsumieren, müssen heute praktisch alle Klein- und Mittelbetriebe etwa zum Maschinenkauf Kredite aufnehmen. Bei jedem Einkauf und Friseurbesuch zahlen wir die Zinsen für eingesetztes Kapital zurück. Besonders beliebt sind vergleichbare Geschäfte im Atomkraft- und Rüstungsbereich, wo wir die Zinsen mit Hilfe unserer Steuergelder abstottern dürfen. Auch die Staatsdefizite steigen darum unaufhaltsam weiter, zum Teil auch aus anderen Gründen. So hat etwa die deutsche Staatsverschuldung die gesamte Auslandsschuld Lateinamerikas überholt [Albert92], obwohl die Dritte Welt Länder das Dreifache der zurücküberwiesenen "Entwicklungshilfe" als Zinsschuldendienst zu bezahlen haben, ohne daß sich dadurch ihre Schulden verringern!

Das gilt auch für den Mietzins, etwa zur Finanzierung des Baugrundes und der Maschinen der Baufirmen. Außerdem zahlen wir meist die volle Miete weiter, selbst wenn die Baukosten längst abgedeckt wurden. Stattdessen wäre es bloß angebracht, nur mehr die Instandhaltungskosten aufzuteilen, und langsam das Kapital zur Vorfinanzierung einer späteren Generalsanierung anzusparen, da Häuser bekanntlich nicht ewig genutzt werden können.

Zinsen sollen aber auch das Risiko beim Verleihen abdecken. Die Risiken von Verlusten sind in der Regel aber viel geringer als die zusätzlich eingenommenen Zinsen. Da Kapitaleigner nach einem erfolgreichen Verleihgeschäft noch mehr Kapital besitzen, wird das für Investitionen und Innovationen am Markt verfügbare Geld noch knapper, was den Druck zur Aufnahme von weiteren Krediten natürlich erhöht, und außerdem die Zinsen in die Höhe treibt. Die Reichen werden automatisch reicher, und die Regierung steuert eventuell durch die erwähnte "Inflation" kurzfristig entgegen, was am relativen "Reicher werden" natürlich nichts ändern kann und zudem die Situation der Normalverdiener verschärft. An anderer Stelle habe ich darauf hingewiesen, daß in der Praxis auch die erhoffte Exportsteigerung durch die relative Preissenkung für ausländische Einkäufer ausbleibt, bzw. die Nachteile nicht kompensiert (vgl. Frankreich vor der Währungsunion).

Alternative Modelle (siehe 5.3) versuchen diese Mechanismen zu entschärfen, z.B. durch sogenanntes neutrales Geld, bzw. Schwundgeld, dessen Wert mit der Zeit verfällt. Der beim Umtausch in neues Geld abgezogene Gewinn wird sozialen Zwecken und zur Verbesserung der Infrastruktur aufgewendet — siehe 5.3. Während die Reichen von einer stabilen Währung ohne teure Konsolidierungspolitk profitieren, gewinnen vor allem die Durchschnittsbürger von der ausbleibenden Umverteilung der erarbeiteten Gewinne zu den Kapitalgebern, die heute, wie bereits erwähnt, ca. ein Drittel unserer Arbeit entwertet.

Irreführend ist deshalb die klassische Erklärung der Inflation durch die sogenannte "Phillipskurve", die geringe Arbeitslosigkeit mit höherer Inflation in Zusammenhang bringt, weil dadurch die Gewerkschaften gestärkt werden, die höhere Löhne einfordern können, die jedoch von den Unternehmern in die Preise übergewälzt werden. Vielmehr muß die Regierung bei der Währungsstabilisierung durch Kapitalansammlungen der Wirtschaft entzogenes Geld ersetzen, um die Zinsen zu senken, und Investitionen zu fördern. Dabei wird die Währung entwertet, was vor allem die Arbeitnehmer trifft, die auf Geld als bloßes Tauschmittel für lebensnotwendige Güter angewiesen sind.

... und in weitere Folge: alles dreht sich und bewegt sich ... immer schneller

Freilich liegen die Gründe der Beschleunigung auch tiefer, etwa in der durch die kulturelle Evolution (3.1.5) enorm beschleunigten menschlichen Entwicklung mit Hilfe biologischer Informationsverarbeitung und Weitergabe.

Aus Platzmangel mußte an dieser Stelle eine kurze Diskussion des Bevölkerungsproblems ausgespart bleiben. Ich möchte nur darauf verweisen, daß eine wachsende Bevölkerung die Chancen für eine nachhaltige Wirtschaft vermindert, und sich so langfristig ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubt. Allerdings verlangt das zuvor skizzierte, auf Wachstum ausgerichtete Gesellschaftssystem einen steten Bevölkerungszuwachs, um z.B. die Pensionen zu sichern. Diese Entwicklungen sind deshalb keineswegs "zukunftsfähig" — Gegenmaßnahmen sind dringend erforderlich.

5.2.1 Die Wachstumsspirale der "Economics of Scale & Scope"

Während die zuvor erwähnten Nachteile des modernen Kapitalismus in der Regel nicht zur Kenntnis genommen — bzw. verdängt werden, ist man/frau sich der folgenden, diffizileren Probleme durchaus bewußt, freilich auch ohne tiefergreifende Lösungsvorschläge anbieten zu können. Die Evolution des industriellen Wirtschaftssystems führt trotz oder gerade wegen einer gesteigerten Produktinnovation zu steigendem Ressourcenverbrauch. Neue Technologien müssen finanziert werden, darum müssen materialintensive Prozesse zur Erhöhung des Gewinnes ausgeweitet werden, während neu dazugekommene informationsintensive Prozesse sie nicht ersetzen, sondern bloß ergänzen.

Wenden wir uns zunächst den "economics of scope" zu, die für sich genommen noch keine Garantie für eine verbesserte Berücksichtigung ökologischer Fragen in ökonomischen Entscheidungsprozessen garantieren können. "Economics of scope" könnte als "Flexibilitäts-Effizienz" umschrieben werden. Sie dient hauptsächlich dazu, Produktionsmittel effizienter einzusetzen. Die Effizienzsteigerung wird also nicht über die Wahl der Produktionsmenge sondern durch eine bestimmte Produktionsmethode erreicht. Dabei können auch Lagerkosten durch die Produktion nach "Bedarf" gespart werden, indem die öffentlichen Straßen von der Industrie ohne Entgelte als Zwischenlager mißbraucht werden.

Damit einher geht meist eine komplexere Technologie und erhöhte Investitionen sowie Entwicklungskosten, die durch den immer kürzer werdenden Lebenszyklus des Produktes nicht gedeckt werden.

Unter "economics of scale" verstehe ich schließlich das Ausloten einer zur Gewinnmaximierung optimalen Produktionsmenge, die nicht nur von den klassischen Faktoren der Arbeit und dem Kapital abhängt, sondern zunehmend von der Technologie bestimmt wird, die skalenneutral oder skalenerhöhend sein kann. Ist der technische Innovationsschritt skalenerhöhend, so muß nach einer Umstellung mehr produziert werden, um die Mehrausgaben z.B. wegen strenger Umweltauflagen und der eingangs erwähnten "Flexibilitätseffizienz" auszugleichen. Selten können die erhöhten Fixkosten (Investitionen) "skalenneutral" durch höhere Preise abgedeckt werden. Dieser Effekt verstärkt den Wachstumszwang der Kapitalzinsspirale, siehe 5.3. Der angesprochene Zwang, mehr produzieren zu müssen, führt verständlicherweise auch dazu, daß sich die Zahl der Unternehmen verringert, denn die Größe des Absatzmarktes wird durch solche Maßnahmen nicht verändert.

5.2.2 Der Wirtschaftskrieg: Blut für Öl

Die destabilisierende Wirkung des gerade erläuterten "globalen Kapitalismus" soll nun an ausgewählten Beispielen demonstriert werden. Ideale wie "Demokratie" und "Freier Markt" sind eine feine Sache, wenn die vorgegeben Kräfteverhältnisse in der Arena den "richtigen" Leuten zum Sieg verhelfen. Wenn der "gemeine Haufen" sein Haupt erhebt, muß er so oder so zur Unterordnung gezwungen werden, um die mit vielen Nachteilen behaftete ökonomische Ordnung zu erzwingen. In der dritten Welt genügt dazu oft der Einsatz direkter Gewalt. Noam Chomsky und Hans Kronberger untermauerten diese Vorgangsweise durch zahlreiche Beispiele, etwa am Beispiel des Golfkrieges und der Haitiintervention.

Hans Kronberger hat in [Kronberger97] die bekannte These durch akribisch recherchierte Fakten unterlegt, daß die Sicherung der weltweiten Erdölvorkommen Ursache der meisten militärischen Konflikte ist. Vom arabischen Golf bis Afghanistan, von Afrika bis Südamerika aber auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, überall fließt Blut für Öl, Erdgas und andere Rohstoffe. Geschickt werden Stammesfehden, ethnische Konflikte und Religionskämpfe von spezialisierten Kriegstreibern der Großmächte ausgenützt, um ein kooperatives Regime zu installieren, das den Zugang zu den Ressourcen gewährt. Der Dauerkrieg in Angola, der Stellvertreterkrieg in Zaire zwischen Stämmen, die jeweils amerikanischen (Kabila) oder französischen (Mobutu) Konzernen Konzessionen für den Kupferabbau gewähren, zeigen die häßliche Kehrseite der Medaille: ein großer Teil der Bevölkerung lebt in den Kriegswirren unter unvorstellbaren Bedingungen. In Nigeria wurde die politische Opposition eines Volksstammes, der Ogoni mit brutaler Gewalt unterdrückt. Die lecken Pipelines zerstörten ihre Lebensgrundlage, von der Wertschöpfung der Ölförderung wurden hingegen nur minimale Beträge an die Einheimischen weitergeben. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit richtete das Regime einen der Protestführer, Ken Saro Wiwa hin. Der involvierte Multi (Shell) leugnete jede Verantwortung, mußte aber wegen weltweiter Proteste finanzielle Einbußen hinnehmen.

Die erfolgreichen Taliban Rebellen konnten ihr Schreckensregime in Afghanistan mit Hilfe amerikanischer Firmen einrichten, ebenso wie die kuwaitischen Saudis. Als Gegenleistung garantieren sie den Konzernen die Sicherheit für Förderungs- und Transporteinrichtungen von einträglichen Ölquellen. Auch der Irak hatte einst sein militärisches Potential mit amerikanischer Unterstützung aufgebaut, damals freilich als Gegengewicht zur "arabischen Gefahr" der Revolution im Iran. Diese Rolle übernahmen die erwähnten Taliban Rebellen nach dem Golfkrieg. Allerdings hat sich diese Form der amerikanischen "Entwicklungshilfe" bis jetzt regelmäßig gegen die ehemaligen Auftraggeber gerichtet — was den US Militärs wahrscheinlich gar nicht so ungelegen kommt. Ein solcher Feind ist gut bekannt, und wird dann demonstrativ niedergeschlagen, um die eigene Machtposition der ganzen Welt zu demonstrieren. Bei solchen Gelgenheiten können zudem neue Waffensysteme relativ risikolos getestet werden, außerdem helfen derartige "Operationen", von anderen, ungelösten Problemen abzulenken.

Als Vermittler zwischen Geldgebern und Kriegsparteien traten wie auch in Bosnien nationale Söldner- und Waffenfirmen auf, die meist eng mit den jeweiligen nationalen Geheimdiensten kooperieren. Meist werden zusätzlich militärische Ausbildungskurse angeboten und in Anspruch genommen. Solche Organisationen existieren im Dunstkreis aller Großmächte wie den USA, Frankreich, England und der ehemaligen Sowjetunion. 1998 wurde ein Fall von Waffenschieberei in Großbritannien bekannt, von dem angeblich das Außenministerium informiert war. Es ging um die Vermittlung von kriegsentscheidender militärischer Ausrüstung in afrikanischen Konflikten und um britische Waffen für Indonesien.

Hans Kronberger zeigt aber auch einen Ausweg aus diesem mörderischen Sumpf [Kronberger97]: der totale Ausstieg aus der fossilen Verbrennung und der Einstieg in das solare Zeitalter mit dezentralen, solaren Energiequellen.

 

5.2.3 Das Märchen von der freien Marktwirtschaft (We-2)

Kurzfassung: Die "reine Lehre der freien Marktwirtschaft" gilt scheinbar immer nur für die Anderen. Es wird an einigen Beispielen aufgezeigt, wie die Wirtschaftspolitik erfolgreicher westlicher Staaten die selbst aufgestellten Spielregeln systematisch ignoriert, die aber den Ländern der dritten Welt und den GUS Staaten nicht ohne Hintergedanken aufgezwungen werden. Zudem können zwei sehr unterschiedliche Traditionen in der Anwendung der Marktwirtschaft unterschieden werden, die angelsächsische, auf völlige Deregulierung ausgelegte Richtung, und die rheinische, auf einen sozialen Kompromiß und Stabilität ausgelegte Richtung [Albert92]. Ich werde auch auf die philosophisch-ökonomischen Konsequenzen einer ernsthaft betriebenen freien Marktwirtschaft eingehen, wie sie die Freiwirtschaftstheorie Silvio Gesells darstellt.

Als philosophisch- ökonomische These stellt die sogenannte freie Marktwirtschaft ein elegantes Denkmodell dar, das einige Parallelen zu dem hier öfters angesprochenen Individualanarchismus zeigt. In meinen Rahmenbedingungen für ein neues Gesellschaftsmodell (5.5.3) wird der Bereich des ökonomischen (wirtschaftlichen) Lebens und des Verkehrswesen als Sphäre der Brüderlichkeit [Hegge92], der gegenseitigen Hilfe und der Selbstorganisation beschrieben. Das Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit zur Bedarfsdeckung und dem Geistesleben (Sphäre der Autonomie) um eine abwechslungsreiche Lebensgestaltung zu ermöglichen. Das ökonomische Leben beruht auf Zusammenarbeit, einer gesellschaftlich organisierten Evolution von Produktionsmethoden und gemeinsamer Forschung zum Wohle der Allgemeinheit.

Folglich scheinen basisdemokratische Werkzeuge das passende Mittel zum Abgleich von Einzelinteressen im Zuge der angesprochenen "Selbstorganisation", weil sie der freien Kauf- und Produktionsentscheidung am ehesten entsprechen. Derartige Modelle, wie etwa das von Proudhon, Gesell und Kennedy werden im Kapitel über Alternativen in der Ökonomie (5.3) noch genauer untersucht. Bekannte Ursachen für "Marktversagen", sogenannte "externe Effekte" und "öffentliche Güter" bespreche ich in 5.1.2.2. Das heute allgegenwärtige Märchen von der freien Marktwirtschaft wird aber mit ganz anderen Hintergedanken verbreitet, und ist weit entfernt von den gerade skizzierten idealen Bedingungen.

Ich habe bereits erwähnt, daß Noam Chomsky an Hand von zahlreichen, einleuchtenden Beispielen aufzeigte, daß die These der "freien Marktwirtschaft" in der Geschichte der Ökonomie nachgewiesenermaßen eher als ideologische Waffe zur Zerstörung von als gegnerisch betrachteten Wirtschaftsstrukturen eingesetzt wurde, denn als eigenes Erfolgsrezept. Keine Wirtschaftsnation erreichte ihre Blüte in der Befolgung der Regeln der Marktwirtschaft, sondern in der mit staatlicher Hilfe ermöglichten Umgehung der selben. Hingegen wurde mit der Anwendung dieser Theorie die ohnehin kränkelnde Wirtschaft zahlreicher südamerikanischer und osteuropäischer Staaten zu Grunde gerichtet, ich verweise auf Rußland, Polen und die neuen Bundesländer der BRD in den 90er Jahren.

Die Idee des freien Marktes war jeder zentral gelenkten Wirtschaft überlegen, denn nur das bereits ausführlich diskutierte Prinzip der Selbstorganisation kann der Komplexität wirtschaftlicher Aktivitäten in einer komplexen Welt gerecht werden. Selbst wenn wir vom bereits angedeuteten "Krebsgift" der Kapital- und Bodenverzinsung absehen, das jeden wirtschaftlichen Kreislauf längerfristig zerstört, muß andererseits die "unsichtbare Hand" Adam Smiths [Smith], dem Vater der "Marktwirtschaftsthese" keineswegs von selbst zu einem optimalen Zustand eines freien Wirtschaftssystems führen. Im Gegensatz zur Theorie gibt es in der Realität auch keine "reinen Märkte", die von anderen gesellschaftlichen Strukturen unbeeinflußt wären, und Smith Annahme des einzig auf seinen Vorteil bedachten Menschen sowie dessen volle Informiertheit sind völlig aus der Luft gegriffen.

Nur eine gewisse Freiheit zur Selbstorganisation, die um die Prinzipien der "Brüderlichkeit" und "gegenseitige Hilfe" ergänzt werden muß, bietet entsprechende Rahmenbedingungen für ein effizientes und humanes Wirtschaftssystem. Solche Tugenden sind sowohl dem Realsozialismus als auch dem angelsächsischen Kapitalismus völlig fremd. "Gegenseitige Hilfe" wertet Tätigkeiten jenseits der entfremdenen Lohnsklaverei auf, z.B. in Tauschkreisen und bei der nachbarschaftlichen und familiären Hilfeleistung.

Eine beliebte Umgehungsmöglichkeit der Marktgesetze stellen "nationale Interessen" dar, in dem ganze Branchen zu einem nationalen Hoffnungsträger hochstilisiert werden. Typische Beispiele von Branchen, die bis vor kurzem fast ausschließlich von staatlichen Aufträgen abhängig waren, sind der Rüstungs- und Hochtechnologiebereich (Pentagon: SDI, Gentechnik, Datenhighway). Ein Bauskandal im roten Wien hat deutlich gemacht, daß die Baubranche gut in Symbiose mit einer seit einem Jahrzehnt allein regierenden Stadtverwaltung leben kann. Nach der Aufdeckung von Preisabsprachen durch die grüne Opposition mußten 20 Firmen für weitere Aufträge gesperrt werden.

Selten wurden durch High-Tech Innovationen der erwähnten Branchen längerfristig Arbeitsplätze geschaffen, denn das technisierte Kapital vermag sich längst schon ohne menschliche Hilfe zu vermehren.

 

5.3 Krisenvermeidung durch neue ökonomische Modelle und "Subsistenz"

"Seit wir vor einigen Wochen beschlossen, das Blatt als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen, sind wir natürlich ungeheuer reich geworden." "Aber wir sind", fuhr der Unternehmensberater fort, "wegen der hohen Laubverfügbarkeitsrate in ein kleines Inflationsproblem geschlittert, was bedeutet, daß, wie ich gehört habe, der gegenwärtige Kurs ungefähr drei Laubwälder für eine Erdnuß aus dem Proviant beträgt." Erschrecktes Murmeln entstand in der Menge der Zuhörer. Der Unternehmensberater winkte ab.

"Um also dieses Problem zu beseitigen", fuhr er fort, "und das Blatt wirksam aufzuwerten, sind wir gerade dabei, eine umfassende Entlaubungskampagne zu starten und ... äh ... alle Wälder niederzubrennen. Ich denke, Sie werden mir zustimmen, daß das unter den obwaltenden Umständen ein vernünftiger Schritt ist." Die Menge schien eine oder zwei Sekunden ein bißchen unsicher zu sein, bis jemand darauf hinwies, wie sehr sich der Wert der Blätter in ihren Taschen steigern würde, worauf sie Entzückensschreie losließ und dem Unternehmensberater zujubelte. Die Buchhalter in der Menge sahen einem profitablen Herbst entgegen.

Zitiert aus : Das Restaurant am Ende des Universums [Douglas]

 

Die schon mehrmals angesprochene These der freien Marktwirtschaft fordert in Analogie zu dem unter St-3 angedeuteten Gesellschaftsmodell der humanökologischen Strömung, daß basisdemokratische Werkzeuge zum Abgleich der Einzelinteressen in einer, lokalen überschaubaren lokalen Wirtschaftsregion herangezogen werden müssen. Derartige, für einen ökonomischen Neuentwurf äußerst interessante Modelle wurden bereits von Proudhon, Peter Kropotkin, Silvio Gesell, Pierre Ramus und Leopold Kohr beschrieben. Auch die praktische Umsetzung gelang schon vor und während der Jahrhundertwende mit kurzem Erfolg, nämlich bis das herrschende System sich bedroht fühlte, und die Experimente gewaltsam beendete. Eigene "Nationalbankgesetze" kriminalisieren seitdem jeden derartigen Versuch.

Einen neuerlichen Boom erlebten diese Ideen in den "wilden 60ern" etwa im Freistaat Christiana, und bei der damals noch nicht kommerzialisierten Schweizer Konsumgenossenschaft Migros. Erfolgreichere Initiativen sind aber das in Kanada, Deutschland, der Schweiz und seit kurzem auch in Österreich praktizierte Local Trade and Exchange System (LETS: 5.3). Sie alle versuchen, die seit Marx bekannten systemeigenen ("immanenten") Nachteile des Kapitalismus zu umgehen, die ansonsten nur durch ständiges Wachstum kompensiert werden können. Da diesem Wachstum natürliche Grenzen gesetzt sind, kommt es in solchen Wirtschaftssystemen zu vorprogrammierten Krisen, von denen die nutznießenden Lobbies z.B. durch Kriege abzulenken versuchen. Schwere wirtschaftliche Probleme waren unter anderem Ursachen der letzten beiden Weltkriege. Nach dem zweiten Weltkrieg gelang es der Führungselite vieler deutscher Konzerne, den im Krieg durch die Ausbeutung von KZ-Häftlingen gewonnenen Marktvorsprung in den Frieden hinüberzuretten, wie etwa den IG-Farben, Svarovski und Daimler Benz. Auch österreichische Firmen wie Steyr Daimler Puch und die CA Kreditanstalt wurden 50 Jahre nach dem Holocaust von ihrer Vergangenheit eingeholt, als sich Geschädigte zu Sammelklagen wegen Zwangsarbeit und Enteignung durchringen konnten.

Wie ich im letzten Kapitel gezeigt habe, wirkt das kapitalistische System durch

drei Mechanismen destabilisierend (vgl. 5.2.1):

Ein klassisches Beispiel für die Seifenblase solcher Spekulationen stellt der Aufstieg und Fall des "japanischen Wirtschaftswunders" dar. Kurz vor dem Zusammenbruch hätte man/frau mit dem Kurswert der zehn teuersten japanischen Aktiengesellschaften die Börsen Deutschlands, der Schweiz, der Niederlande und Österreichs komplett kaufen können. Von 1987 an hatte Japan drei Jahre lang nur unter Zugrundelegung der Buchwertsteigerungen (Bewertung) von Immobilien und Aktien rund das Vierfache seines Bruttosozialproduktes gewonnen, d.h. ohne daß dafür Arbeit geleistet wurde. Die Krise nach den großen japanischen Pleiten hat 1998 den gesamten internationalen Kapitalmarkt erfaßt.

Alternative Modelle [Gesell], [Kennedy90] versuchen diese Mechanismen zu entschärfen, z.B. durch sogenanntes Schwundgeld, dessen Wert mit der Zeit verfällt. Der beim Umtausch in neues Geld abgezogene Gewinn (Mehrwertsverteilung) wird sozialen Zwecken und zur Verbesserung der Infrastruktur aufgewendet. Neben den erwähnten Faktoren darf auch die bereits erläuterte Wachstumsspirale der "Economics of Scale & Scope" nicht vernachlässigt werden, die aus wachsenden Investitionskosten für neue Technologien resultiert.

5.3.1 Eigenverantwortung, Selbstorganisation, vorsorgende Wirtschaft

Dieses Kapitel soll zeigen, daß wir es uns nicht mehr leisten können, auf bessere Zeiten zu warten, weder in den sogenannten "westlichen Demokratien" noch in offen autoritär regierten Staaten. Fehlentwicklungen, bzw. zu langsam voranschreitende Verbesserung in der "gesellschaftlichen Kommunikation", wie das gesellschaftliche Leben von Jürgen Habermas an der Schwelle zum Informationszeitalter umschrieben wurde, sind umso wahrscheinlicher, wenn der/die Einzelne weder in Entscheidungen von globaler Bedeutung, noch in Entscheidungen die die unmittelbare Umgebung betreffen, direkt eingebunden wird. Jede dazwischengeschaltete Elite von VertreterInnen, jedes Informationsmedium, das dazu dient, einer kleinen Elite die Möglichkeit zu bieten, sich an die "Massen" zu wenden, wodurch die Kommunikation in die umgekehrte Richtung größtenteils ausgeschaltet wird, korrumpiert eine gesellschaftliche Entwicklung zum "Wohle der Allgemeinheit". Heute müssen wir davon ausgehen, daß das "Wohl der Allgemeinheit" auch das Wohl unserer "Mitwelt" einschließt. Aber wie kann die Umwelt an der Kommunikation teilnehmen? Zum Beispiel durch die Stimme von naturnah wirtschaftenden Menschen, aber auch von Erholungsuchenden, die ein gutes Gespür für Veränderungen in ihrem Lebensraum haben. Ihre Einwände werden im Moment bestenfalls belächelt, sieht man/frau von sehr eingeschränkten "Nachbarschaftsrechten" ab. Ebenso wichtig ist die Vertretung von Umweltbelangen im politischen und wissenschaftlichen Bereich durch unabhängige, teilweise geförderte Institutionen (GO u. NGO!) wie z.B. die Wiener "Umweltanwaltschaft".

Wir müssen den Horizont aber auch auf strukturelle Probleme wie den "ökologischen Fußabdruck" großer Ballungszentren ausdehnen, die weit über den nationalen Rahmen hinausreichen.

Ich zitiere zunächst noch einmal Alexander Langers Beitrag zu den Toblacher Gesprächen 1994: Ökologisch sinnvolle Selbstbeschränkung ist dann überzeugend, wenn man sich in ein Partnerschaftsverhältnis eingebunden sieht, das etwas von der weltweiten Interdependenz widerspiegelt, die in der Realität ja vorhanden und letztlich ausschlaggebend für unser ganzes Ökosystem ist. Angesichts der heutigen Weltlage bieten sich insbesondere "Dreiecks- Partnerschaften" zwischen Nord, Süd und Ost an, die vermitteln können, wie sehr beispielsweise Verschmutzung, Müll und Tropenwald bei uns, in der Dritten Welt und in Osteuropa zusammenhängen und gemeinsam überwunden werden können (siehe z.B. "Klimabündnis").

Es folgt eine kritische Abhandlung Albert Schweitzers, die sich mit den Gründen für die Verdrängung der dringend notwendigen Aufklärung in der heutigen Realpolitik auseinandersetzt. Er geht dabei auch auf mögliche Auswege ein, die ich anschließend an Hand von praktischen Beispielen illustrieren werde.

"Die Saat des Skeptizismus ist aufgegangen. Tatsächlich besitzt der moderne Mensch kein geistiges Selbstvertrauen mehr. Hinter einem selbstsicheren Auftreten verbirgt er eine große geistige Unsicherheit. (Anm: 1998 kämpfte jeder 4. Österreicher einmal mit schweren Depressionen.) Trotz seiner großen materiellen Leistungsfähigkeit ist er ein in Verkümmerung begriffener Mensch, weil er von seiner Fähigkeit zu denken keinen Gebrauch macht. Es wird unbegreiflich bleiben, daß unser durch Errungenschaften des Wissens und Könnens so groß dastehendes Geschlecht geistig so herunterkommen konnte, auf das Denken zu verzichten.

Verzicht auf Denken ist geistige Bankrotterklärung. Wo die Überzeugung aufhört, daß die Menschen die Wahrheit durch ihr Denken erkennen können, beginnt der Skeptizismus. Diejenigen, die daran arbeiten, unsere Zeit in dieser Art skeptisch zu machen, tun dies in der Erwartung, daß die Menschen durch Verzicht auf selbsterkannte Wahrheit zur Annahme dessen, was ihnen autoritativ und durch Propaganda als Wahrheit aufgedrängt werden soll, gelangen werden.

Die übernommene Wahrheit des gläubig gewordenen Skeptizismus hat nicht die geistigen Qualitäten der im Denken entstandenen. Sie ist veräußerlicht und erstarrt. Sie bekommt Einfluß auf den Menschen, aber sie vermag nicht, sich mit seinem Wesen von innen her zu verbinden. Lebendige Wahrheit ist nur die, die im Denken entsteht." — Albert Schweitzer.

Schweitzer lehnte als Theologe den Skeptizismus ab, bzw. definierte ihn ausschließlich negativ. Wenn ich im 2. Abschnitt von "Skepsis" spreche, so beziehe ich mich hingegen auf die von Schweitzer geforderte "lebendige Wahrheit, die im Denken entsteht". Es stellt sich also die Frage, ob die geforderte zukunftsverträgliche Entwicklung als "lebendige Wahrheit" vermittelt werden kann. In dieser Frage lasse ich zunächst wieder den viel zitierten Alexander Langer zu Wort kommen: "Angesichts der Sackgassen, in denen wir uns offensichtlich befinden, mag es dann und wann passieren, daß extreme Auswege gesucht werden. Vielleicht trifft das Schicksal des Aussterbens diesmal den Menschen ohne daß dieser etwas dagegen tun kann, vielleicht wird unser Planet überhaupt unbewohnbar? Das entgegengesetzte Extrem könnte man in der Forderung nach einem ökologisch-ethischen Staat, vielleicht sogar nach einer weisen weltweiten Öko-Diktatur sehen: da die Menschheit mit ihrer Freiheit Schindluder getrieben und ihr eigenes Überleben — zusammen mit der gesamten Umwelt — aufs Spiel gesetzt hat, braucht sie die fachkompetente und ethisch fundierte Bevormundung durch eine ökologische Obrigkeit, die der Anarchie umweltzerstörender Verhaltensweisen endlich den Garaus macht.

Mit diesen beiden Extremen ist Politik nicht zu machen — jedenfalls keine demokratische. So oft der "ethische Staat" als Alternative zum - gewiß abzulehnenden — "unethischen" Zustand oder gar Staat versucht wurde, war die ethische Bilanz der Freiheitsberaubung fürchterlich. Und fürs Warten auf die reinigende Katastrophe braucht es gar keine Politik - bezeichnet dieser Begriff doch gerade das Gegenteil des schlichten Hinnehmens einer Auslese durch Katastrophen und Kraftproben.

Also wird man gerade für eine ökologisch verpflichtete Politik den Schlüssel anderswo suchen müssen — sosehr man die Verzweiflung verstehen kann, die manchmal aus den Befürwortern solcher Extreme spricht. Unweigerlich wird man sich der Mühe einer äußerst behutsamen und komplexen Vernetzung von sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, gesetzgeberischen, administrativen, wissenschaftlichen und umwelttechnischen Schritten stellen müssen. Den wuchtigen Befreiungsschlag der mit einem revolutionären Akt den Weg für die Umkehr eröffnet, den gibt es nicht, Kompromisse und Zwischenschritte sind unumgänglich, geduldige Überzeugungsarbeit wird zu leisten sein.

Nach dem Aufruf, notwendige Reformen behutsam aber konsequent anzugehen, und sich der damit verbundenen Eigenverantwortung zu stellen, werde ich mich der mehrfach angesprochenen "sozialen Selbstorganisation" zuwenden.

Subsistenz- oder die Entwicklung selbst in die Hand nehmen ...

Die Entwicklung selbst in die Hand nehmen umschreibt gut die Idee der "Subsistenz," nämlich hauptsächlich das zu tun, was unmittelbar zum Leben benötigt wird [Werlhof96]. Je nach Möglichkeiten handelt es sich um Dienstleistungen oder die Eigenproduktion von Lebensmitteln, Toilettenartikeln usw., die nicht für einen anonymen Markt, sondern für den Eigenbedarf und Freundeskreis bestimmt sind. "Subsistenz ist kein Programm, es ist eine immer neue und alltägliche und möglicherweise mehrmals am Tag zu treffende Entscheidung, die jeder und jede letztlich mit sich selber auszumachen hat" [Werlhof96] zitiert nach K. Standler und I. Strutzmann in "Die Bergbauern 7-8/98". Wichtige Prinzipien sind die "gute Versorgung", d.h. selbst herauszufinden, was an einem bestimmten Ort wie angebaut werden kann, das Prinzip der Vielfalt, d.h. sich immer auch etwas besonderes einfallen zu lassen, was die Gemeinschaft bereichert, und das Risiko eines "Totalausfalls" vermindert, und schließlich die erwähnte lokale/regionale Vermarktung. Es folgt daraus, daß sich "Subsistenz" sehr gut mit der an anderer Stelle vorgestellten "Individualanarchie" bzw. mit Selbstbestimmung ergänzt, wenn ich mich dazu entschließe, die Bedürfnisse im engeren Freundeskreis selbst zu befriedigen.

Als interessantes Beispiel sei weiters die "Planungszelle" von Professor Dienel erwähnt, die zur Durchführung umweltpolitische Entscheidungen mit gut organisierter Bürgerbeteiligung dienen soll. In Österreich gelang es, ein Herzeigeprojekt im wirtschaftlichen Bereich zu installieren, die "Ökozelle" Feldbach in der Steiermark.

In den USA schaffte es Gail Cincotta von der "National People’s Action", sogar den scheinbar unantastbaren Banken Geschäftspolitik vorzuschreiben. Nach geschickt geführten Verhandlungen und Massenprotesten z.B. mit einem fliegenden Riesenhai über der Bundesbank, sicherten die scheinbar allmächtigen Banken schließlich zu, einen Teil ihrer Einnahmen dort zu investieren, wo ihre Kunden wohnen. So kann z.B. der Slumbildung entgegengewirkt werden. Zusätzlich wurden 1,6 Milliarden Us$ an Reinvestitionen für verfallene Städte zugesagt.

Eine ähnlich schillernde Persönlichkeit wie Gail Cincotta war Saul Alinsky, der sich sein Soziologiestudium selbst finanzieren mußte und bald als Begründer der "Graswurzelrevolution" gefeiert wurde. Er gründete zahlreiche Bürger Gewerkschaften (Community Organizations), die durch eine breite Unterstützung in der Bevölkerung soziale Mißstände bekämpfen konnten. So gelang es ihm z.B., den als Hardliner bekannten Bürgermeister von Chicago durch die Androhung eines "Flughafen Shit Ins" Zugeständnisse für Obdachlose abzuringen. Sein Widerstandsmodell wurde in vielen amerikanischen Städten kopiert und von Tom Gaudette schließlich sogar nach Asien exportiert. Der Nachfolger Alinsky’s, Ed Chambers sorgte für Aufsehen, als er drohte, daß sämtliche Kirchen mit Aktienbesitz ihr Stimmrecht an Afroafrikaner vergeben sollten, wenn die betreffenden Firmen sich weiterhin weigern sollten, keine Schwarzen anzustellen. Die Drohung wirkte.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf die in 4.4 präsentiere Idee der "mehrstufigen" Zivilisation hinweisen, wobei alle Mitglieder einer Gesellschaft ihre Lebenswelt mit Hilfe gemeinschaftlicher Experimente gestalten. Jedoch wird dafür Sorge getragen, daß der "Schritt zurück" immer offen bleibt, falls die Erfahrungen mit dem Experiment hinter den Erwartungen zurückbleiben.

An Beispielen für die Bewegkraft gesellschaftlicher Selbstorganisation mangelt es wahrlich nicht, ich habe bereits auf Aristides und Gandhis stille Revolutionen hingewiesen. Obwohl die überrumpelten Gegner fast panisch mit nackter Gewalt reagierten, wurden sie letztlich zu großen Eingeständnissen gezwungen. Auch die praktische Erprobung alternativer Geldmodelle wird uns vor Augen führen, was kleine, überschaubare soziale Organisationen aus eigenen Stücken zu bewegen vermögen.

An einem weiteren Beispiel für erfolgreiche "Selbstorganisation" ("sanfter Weg") in einem Südtiroler Tal soll hier die Idee des "Vorsorgenden Wirtschaftens" illustriert werden. Ich beziehe mich dabei auf einen Bericht von Astrid Schönweger in der Zeitschrift der österreichischen Bergbauernvereinigung [Schönweger96]. Zuvor möchte ich bei dieser Gelegenheit noch einmal darauf hinweisen, daß in der Land- und Energiewirtschaft ein Effizienzsteigerungspotential von 300% bei einer gleichzeitigen enormen Steigerung der Nachhaltigkeit als möglich angesehen wird. Mit Hilfe von sorgfältig ausgewählten, tlw. frei herumlaufenden Nutztieren in gemischten Pflanzengesellschaften kann der Arbeitsaufwand in sogenannten "Permakulturen" gegenüber herkömmlicher Monokulturen extrem vermindert werden, so daß z.B. Zeit für die wesentlich effizientere händische Ernte bleibt. Die Tiernutzung beschränkt sich übrigens nicht bloß auf Milch-, Wolle- und Fleischproduktion. Enten und Hühner fressen z.B. große Mengen von Schadinsekten und lockern den Boden. Zur Bodenverbesserung können auch geförderte Wurmkulturen eingesetzt werden. Wühlmäuse werden zu Partnern statt Feinden. Da in solchen Betrieben die Bodenbearbeitung größtenteils von der erwähnten Kleintieren übernommen wird, muß viel seltener gepflügt werden — oft reicht auch die händische Bearbeitung mit dem "Sauzahn". Darum findet der Bauer/die Bäurin mit Pferden und Kleintraktoren das auslangen, die sich auch zur Holzgewinnung für den Eigenbedarf eignen. Die benötigten, relativ bescheidenen Mengen an Biodiesel und Pferdefutter stehen in der eigenen Produktion als nachwachsende Rohstoffe zur Verfügung.

Soviel zur Utopie. Sie ist allerdings schon in greifbare Nähe gerückt, da wir heute sehr viel mehr ökologisch-biologisches, aber auch physikalisch-(bio)chemisches Know How zur Verfügung haben. Dieses Wissen kann uns die Mühsal unserer Vorfahren ersparen. Andererseits müssen wir mit einer wieder zu gewinnenden Nähe zur Natur der Monotonie und Ausweglosigkeit der Industriegesellschaft begegnen. Auch vielen Zivilisationskrankheiten läßt sich auf diese Weise beikommen, besser jedenfalls als mit der nächsten Generation von Pharmazeutika. Die Ursachen einer überwiegenden Zahl aller Leiden in der Konsumgesellschaft liegen nämlich in Bewegungs- und Lichtmangel sowie in unzureichender Ernährung begründet.

In einer Wirtschaft, die für die Zukunft Vorsorge trägt, kommen notwendigerweise andere Prinzipien des Umgangs mit Mensch und Natur zum Tragen, als in einer Wirtschaft, die ihre eigenen Lebensgrundlagen aufbraucht. Kurz zusammengefaßt könnten diese Prinzipien so lauten [Maren94]:

 

Wie sich diese Ideen praktisch umsetzen lassen, soll jetzt das zuvor angekündigte Beispiel zeigen. Die Region Ulten hat Probleme, wie sie in ganz Südtirol auftauchen, so wird z.B. die Milch zu Schleuderpreisen verkauft, und anschließend im Tal wieder teuer eingekauft. Mit dem europäischen Produktionsniveau kann ohnehin kein Bergbauernbetrieb mehr mithalten. Wenn die Landwirtschaft zum Überleben nicht mehr ausreicht, beginnt das Pendeln. Damit verbunden ist die Vernachlässigung des Hofes, und eine Mehrbelastung der zurückbleibenden Frauen.

Waltraud Schwienbacher, die acht Jahre lang die Rolle der Ortsbäurin ausübte, setzte als einzige Gemeinderätin eine Befragung im Tal durch, "wo denn der Schuh drücke".

Danach wurden Arbeitsgruppen zu Schwerpunktthemen gebildet. Auf die Frage "Was dabei herausschaue", wußte zu diesem Zeitpunkt aber niemand eine Antwort. Schließlich wurde eine Genossenschaft "Lebenswertes Ulten" gegründet, in der 300 landwirtschaftliche Betriebe, aber auch Kaufleute, Gastbetriebe, Handwerker, Hausfrauen, Rentner und Behinderte vereinigt wurden. Heute laufen viele soziale, wirtschaftliche und ökologische Projekte. Manche wurden bereits umgesetzt, manche sind in Planung. Eine wichtige Erkenntnis war, auf das zu schauen, was zur Verfügung steht, wie etwa das Holz, und nicht auf die Rahmenbedingungen des Marktes, der schlicht und einfach zur Massenproduktion zwingt. Für die herkömmliche Holzwirtschaft wird der beste Baum gefällt, das "Ausputzende" jedoch gelassen.

Ulten konzentriert sich auf vier Holzqualitäten, für Möbel, Bauholz, Holz für die Produktion von Riemen und die unterste Qualität für ein Holzkraftwerk mit Bruchholz und Hackschnitzel. Hier könnte auch der Müll verbrannt werden, wenn auf bedenkliche Abfallprodukte verzichtet werden würde.

Ein weiterer Rohstoff, den es zu nutzen gilt, ist die Wolle, die bis vor kurzem einfach weggeschmissen wurde. Mittlerweile wurden erfolgreiche Spinn- und Färbkurse abgehalten. Wolle, Angora und Kaschmir werden zu Pullovern, Socken aber auch Matratzen, Teppichen und Bettzeug auf Nachfrage größtenteils in Handarbeit gefertigt. Dazu sind eigens Angora und Kaschmirziegen importiert worden. Es gibt auch Bestrebungen Wildseidenspinner im Zuge eines EU-Projektes zu kultivieren, um Seide zu gewinnen.

Natürlich werden auch Nahrungsmittel aus biologischem Anbau angeboten, allerdings nur zur Abdeckung des Eigenbedarfes, ebenso wie die Kooperation mit einem lokalen Fleischhauer, der dafür sorgt, daß die hochwertigen Rohstoffe für die im Tal konsumierten Produkte verwendet werden. Er hat sich von der Kreativität anstecken lassen, und bietet den Gasthäusern Spezialitäten wie Lamm- und Wildwürste an. Die Gastbetriebe sind wiederum in ein Mülltrennungsprojekt eingebunden, die Abfälle werden von den Höfen zur Kompostierung übernommen, denen sie ihre Produkte für den Restaurantbetrieb abnehmen.

Obwohl die Nachfrage nach dem selbstproduzierten Kräutertee im "Ultner Bauernladen" mittlerweile zu groß ist, denkt niemand an Massenproduktion. Der Laden ist vor allem für die lokale Bevölkerung gedacht.

In einer geplanten "Winterschule" soll gelehrt werden, in welcher Mondphase Holz zu schlagen ist, aber auch einfache Tischlerarbeiten wie das Drechseln und das traditionelle Schindeldachdecken.

In der Zwischenzeit wurden auch Projekte zur Alten- und Kinderbetreuung sowie zur Umwelterziehung gestartet. Auffällig ist die Notwendigkeit eines "sozialen Katalysators", meist einer engagierten Person, bis solche Projekte ins laufen kommen, bzw. sich von selbst ausweiten.

Die Einleitungssätze zu den folgenden Unterkapitel sind wiederum dem eingangs erwähnten Beitrag Alexander Langers zu den Toblacher Gesprächen 1994 entnommen worden.

5.3.2 Dauerhafter Wohlstand und ein neuer Arbeitsbegriff

Zitat-Langer (bearb.): "Die (...in der Folgen vorgestellten) notwendigen Schritte mögen zu denen gehören, die heute — untereinander vernetzt und möglichst gleichzeitig aktiviert — dazu beitragen könnten, einen Kurswechsel zu einzuleiten und die Voraussetzung für (möglicherweise auch den Wunsch auf) weitere Änderungen zu schaffen. Natürlich wird auch hier in Teilschritten vorzugehen sein. Die Geschichte der sozialen Reformen zeigt, daß am ehesten der spürbare Erfolg von Maßnahmen den Konsens schaffen kann, die nächsten Etappen anzugehen. Allerdings müssen diese Teilschritte eindeutig in die richtige Richtung weisen — also gegen den derzeitigen Strom."

Der Sozialkritiker Jeremy Rifkin [Rifkin95] hat sich als einer der Ersten mit seiner Prophezeiung vom "Ende der (herkömmlichen) Arbeit" dieses brisanten Themas angenommen. Er kam zu dem Schluß, daß in naher Zukunft weder in der Industrie, noch im Dienstleistungssektor, noch im öffentlichen Dienst neue Jobs geschaffen werden können. Die Prämisse der Effizienz und die jüngste technische Revolution hat diese Entwicklung eingeleitet. Es folgt nun ein überarbeiteter Auszug aus dem genialen "Mußemanifest" von Christian Schütze, das unter anderem in der alternativen österreichischen Zeitschrift "Uhudler" veröffentlicht wurde. Dem Manifest ist nichts hinzuzufügen, außer das es trotz seiner etwas provokanten Formulierungen klarer und einleuchtender erscheint, als die Gegenargumente der konservatistischen Strömung. Manchmal frage ich mich, ob hierbei überhaupt von Argumenten gesprochen werden kann, eigentlich handelt es sich um Gehirnwäsche: "Du mußt arbeiten, um zu leben. Wenn wir die Schmarotzer nicht hätten. .. Du mußt arbeiten ... im Schweiße deines Angesichts usw."

Der Zweck des Arbeitens ist, daß die Arbeit gemacht wird. Erst hat man Arbeit, dann arbeitet man, dann ist die Arbeit getan. Zwar kommt immer wieder Arbeit nach, weil Brot aufgegessen wurde, ein Auto verrostet oder ein Knopf abgerissen ist. Das Leben will erhalten sein, und die Zeit zerstört die Dinge, wie es das Entropiegesetz befiehlt.

Doch war die bisherige Geschichte der Arbeit — außer dem Bemühen, das Leben zu erhalten — auch ein Kampf um die Erleichterung des Arbeitens. Dieser Kampf ist bei uns gewonnen worden. Eiserne Sklaven verrichten die Knochenarbeit, Sklaven aus Silizium die formalisierbare Denkarbeit. Arbeit für Menschen wird knapp.

Die revolutionäre Wende von der Arbeitsfron zum Mangel an Arbeit ist eine Rückwende. Der dem Menschen von Natur aus angemessene Zustand ist nicht der Achtstundentag, dem Johann Gottlieb Fichte sogar einen sittlichen Rechtsanspruch andichtete, sondern die Nicht-Arbeit. Die Ausbreitung des heutigen Typs von Homo sapiens über die Erde begann vor etwa 40 000 Jahren, der Arbeitszwang ist erst 4000 Jahre alt — eine Folge unkluger Vermehrung und die Unfähigkeit der sozialen Organisation ohne Ausbeutungsverhältnisse.

Peter Kropotkin hat übrigens in seinen Naturstudien darauf hingewiesen, daß viele Tiere einen Großteil ihrer Zeit mit lustvollen Tätigkeiten wie der Pflege sozialer Kontakte und dem Spielen zubringen. "Wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen." Hitler und Stalin waren von diesem Paulus-Wort sehr angetan. In Diktaturen, zumal wenn sie wie die sozialistischen ökonomisch fehlkonstruiert sind, wird mit dem Apostelgedanken, der auch dem Bürger unmittelbar einleuchtet, zur Arbeit angetrieben.

Die Unlust an der gewonnenen Freiheit rührt von der ungleichmäßigen Verteilung her und daher, daß Politik von Doktrinen geleitet wird und nicht vom Denken. So ist das nationalökonomische Dogma von der Unendlichkeit der menschlichen Wünsche offensichtlich Unsinn, wie die Existenz von Werbung beweist. Bedarf kann sehr wohl gesättigt und muß deshalb neu geweckt werden.

Ein neuer Arbeitsplatz macht drei alte überflüssig, drei neue machen neun alte hinfällig. Wirtschaftswachstum soll die unvermeidlichen Folgen dieser Logik gegen alle Logik überwinden und mehr Menschen Arbeit schaffen, als der Fortschritt kostet. Das kann nicht gelingen, weil der Sinn des technischen Fortschritts eben darin besteht, die Menschen von Arbeit zu entlasten.

Es ist an der Zeit, das hektische Gerede über Arbeitsplätze einzustellen und über Menschenarbeit neu nachzudenken. Der Versuch, sie durch Arbeitszeitverkürzung besser zu verteilen, ist nötig. Aber die Verteilung wird in einer Welt der spezialisierten Berufe immer nur unvollständig gelingen und geht schließlich auch an menschlichen Bedürfnissen vorbei.

Wir sehen drei Gruppen:

Es ist unsinnig und erzeugt soziale Spannung, wenn in einer Gesellschaft, in der die lästige Arbeit endlich knapp wird, die alten Urteile über die Arbeitspflicht und die Verwerflichkeit des Nichtstuns weiterleben, als gäbe es viel zu schaffen und als ob der Faule von der Plackerei des Fleißigen lebe. Die sogenannte Faulheit ist heute vielmehr ein Beitrag zum sozialen Frieden.

Allerdings ist es nicht damit getan, daß man dem, der nicht arbeiten darf, kann oder will, in Zukunft etwas freundlicher begegnet als in der Vergangenheit. Jeder Frieden hat seinen Preis, auch der soziale. Er besteht darin, daß das Nichtstun ausreichend honoriert wird.

Fassen wir einen neuen Gedanken! Hat nicht jeder Mensch einen Rentenanspruch, der auf das Erbe der ungezählten Generationen gegründet ist, die unendlich viel gearbeitet haben?

Und ist Eigenleistung in der maschinengetriebenen Überflußwirtschaft wirklich so wichtig? Oft scheint es, als habe die Forderung nach Eigenleistung vor allem pädagogische Bedeutung: Es gehört sich, zu arbeiten, andernfalls darfst du nicht leben. Die Aufforderung an den Unwilligen, auch er müsse arbeiten, ist unzeitgemäß. Wo Arbeit knapp ist und Arbeitslose auf Beschäftigung warten, darf jener nicht verachtet werden, der nicht arbeitet.

Da kann Faulheit kein Makel mehr sein, wie ja auch die einstmals unmoralische Verschwendungssucht heute als Konsumorientierung eine erwünschte Tugend ist.

Ich werde in 5.3.6 die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse demonstrieren. Erich Fromm weist in [Fromm76] darauf hin, daß das allgemein akzeptierte Dogma des von Natur aus faulen und passiven Menschen, der nur durch materielle Anreize oder aus Hunger bzw. Angst vor Bestrafung angetrieben werden kann, nur einen Aspekt der menschlichen Natur hervorhebt, der biologisch leicht begründbar ist. Diese "kluge Faulheit" lenkt uns auf den Weg des geringsten Widerstandes um mit begrenzten Ressourcen wie Nahrung und Energie sorgsam umzugehen. Es ist aber ebenso eine jedem Menschen einleuchtende Erfahrung, die z.B. Kinder beim Spielen beobachtet haben, daß es eine Lust an der Aktivität, der Bewegung, am Erforschen usw. ebenso wie eine Abscheu vor Langeweile gibt, die wir übrigens nicht nur beim Menschen, sondern auch bei allen höheren Tieren vorfinden.

5.3.3 Ökologische Alternativen zum Bruttonationalprodukt, Energiesteuern

Zitat-Langer: "Die bisherigen Haushaltsrechnungen sind allesamt auf Geld und einer mehr oder weniger nationalökonomischen Ökonomie aufgebaut. Solange nicht in allen Bereichen (Gemeinde, Land, Region, Staat, EU ...) eine sorgfältige Umweltbilanz Auskunft über echte Gewinne und Verluste gibt, lassen sich die derzeit gängige Wirtschaftsweise und die darauf basierenden sozialen Wünsche nicht entthronen und ersetzen."

In den letzten Jahren wurde vielfach versucht, ökologische Gesichtspunkte in die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung einzubauen. Im Zentrum steht dabei aber leider immer noch die Jahresproduktion, also eine nicht auf Nachhaltigkeit basierende. Die Einen versuchen die konventionelle Input-Output-Analyse mit ökologischen Daten aufzuwerten. Andere wiederum korrigieren die herkömmlichen BNP-Werte etwa um Verluste an Naturkapital und um Umweltverschmutzung. Die moderne Ökonomie ist in viele Schulen gespalten, wie zum Beispiel die österreichische Schule der Nationalökonomie und die einflußreiche Chicago Schule, die mit einem zeitgeistigen Modell einer evolutionären versuchs- und irrtumsbasierten Anpassung der "geeignetsten Anbieter" an die Gegebenheiten eines Marktes staatliche Interventionen weitgehend ablehnen. Ihre Anlehnung an den verheerenden Sozialdarwinismus findet bei den herrschenden Eliten großen Zuspruch. Aus diesem Kreis stammt das Coase Theorem zur Internalisierung von externen Kosten, d.h. zum Ausgleich von Schäden (z.B. Umweltschäden) und Belastungen ohne zentrale Vermittlung z.B. staatlicher Wirtschaftspolitik [Hinterberger96]. Dieser Idee ist in der Praxis im Moment eher bedeutungslos, was sich allerdings ändern könnte, wenn es gelingt, kleine überschaubare Wirtschaftseinheiten zu etablieren. Alle genannten Schulen haben sich bis jetzt der ökologischen Krise nicht gestellt und ignorieren zudem die Kardinalprobleme des modernen Kapitalismus, die ich im fünften Abschnitt ausführlich diskutieren werde. Meines Erachtens ist deshalb die Bezeichnung der Wirtschafts-"Wissenschaften" wirklich fehl am Platz.

Herman Dalys Modell einer modernen Ökonomie [Daly89] wendet sich von der an der Unternehmenspraxis orientierten Volkseinkommensrechnung mittels Bruttosozialprodukt ab und stellt "Bestände" in den Mittelpunkt ökonomischer Überlegungen, durch die Energie- und Materialströme unter einem gewissen Arbeitsaufwand geschleust werden. Ein großer Unterschied zur neoklassischen Wachstumstheorie liegt darin, daß diese "Ströme" nicht akkumuliert, d.h. gehortet werden können. "Bestände" sind nach ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen zu stabilisieren, ständig wachsen soll nur die Effizienz der Wohlfahrtsleistung eines dabei nicht verbrauchten Bestandes. Er schlägt als neue bestimmende Wohlstandsparameter Leistungs-, bzw. Wohlfahrtseffizienz des Durchflusses und der Vermögensbestände sowie die "Bestandserhaltungseffizienz" des Durchflusses vor. Herman Daly und der griechische Homöopath George Vithoulkas, der über Jahrzehnte erfolgreich Homöopathen ausgebildet und so zum gewachsenen Ansehen der Naturheilkunde beigetragen hat, waren 1996 die männlichen Preisträger des umstrittenen alternativen Nobelpreises "Right Livelihood Award".

Unter dem Stichwort "Marktversagen" haben Ökonomen all jene Mechanismen zusammengefaßt, die mit Hilfe klassischer Werkzeuge der Ökonomie und ihrer verkürzten Sichtweise vom "ökonomischen, egoistischen Menschen" (siehe z.B. 2.3) nicht zufriedenstellend berücksichtigt werden können. Eiens dieser Phänomene sind "öffentliche Güter", für die aus technisch-organisatorischen, oder sozialen Gründen kein Preis ermittelt werden kann. Für sogenannte "externe Effekte", die etwa durch Umweltverschmutzung anfallen, muß der Verursacher nicht aufkommen. In diesem Zusammenhang sind verschiedene Lösungsvorschläge und politische Strategien erwogen worden, wie die "Internalisierung externer Kosten" bzw. Kostenwahrheit für den motorisierten Individualverkehr durch Umweltsteuern oder durch gezielte Förderungsmaßnahmen umweltfreundlicher Technologien.

Eine besondere Form des Marktversagens läßt sich im Sozialwesen beobachten. Auch wenn eine Mehrheit soziale Maßnahmen begrüßt, kommt es doch regelmäßig zu finanziellen Engpässen. Es scheint als würde eine Art "schlechtes Gewissen" der Wirtschaftslobby gegenüber darüber wachen, daß Sozialausgaben ständig beschnitten werden. Eine Alternative zur heutigen Steuerpolitik wäre deshalb eine Budgeterstellung nach der Einnahmenserhebung, wobei die tatsächlichen Einnahmen auf die entsprechenden Ressorts im Nachhinein aufgeteilt werden. Politische Garantien für Wohlfahrt usw. werden von der Bevölkerung ohnehin nicht mehr ernst genommen. Reichen die Gelder z.B. im Spitalsbereich nicht aus, so ist der Spitalsbetrieb an die verringerten Mittel im Sinne des genannten "Least-Effort Plannings" anzupassen (kleinster Arbeits- und Kostenaufwand) und eventuell durch Selbstbehalte abzudecken. Gleichzeitig sollen Betroffene Personen in einer öffentlichen Diskussion die Möglichkeit haben, auf ihren Notstand hinzuweisen, der entweder durch eine sofortige Steuer- oder Beitragserhöhung oder durch Umverteilung der schon gesammelten Einnahmen behoben werden kann. In diesem Zusammenhang muß eine bürgernahe Informationsoffensive über die Folgekosten von niedrigen sozialen Standards, etwa für den Repressionsapparat (Polizei, Alarmanlagen, ...) zusammen mit der Berücksichtigung der Standpunkte etwaiger Betroffener gestartet werden, um den Sinn von Sozialabgaben zu verdeutlichen.

Ich möchte diesen Streifzug durch Alternativen zu der "Selbstvernichtungsökonomie" des 20. Jahrhunderts mit einer sehr vielversprechenden Idee abschließen, die eigentlich nur das einfordert, was Ökonomen ohnehin schon immer bewegt hat: Effizienz.

Das Prinzip läßt sich am "Least-Cost-Planning" in der Energiewirtschaft verdeutlichen, das bereits in 5.1.3.4 vorgestellt worden ist. So kann zum Beispiel die Dienstleistung der Energieversorgung zwei gleichberechtigte Wege beinhalten, den des Ausbaus energieerzeugender Infrastruktur, oder den Weg des Energiesparens (Wärmedämmung, verbesserte Logistik, ..). Beide Wege müssen in der politischen Praxis als gleichberechtigt angesehen werden, wobei jeweils der kostengünstigste und ressourcenschonenste Weg einzuschlagen ist. Dazu muß von Förderungsinstitutionen der Einsparungsseite genau soviel Aufmerksamkeit und Unterstützung gewidmet werden, wie der Seite der Energieerzeugung.

In der Region Feldbach (Steiermark) wurde durch eine Initiative der österreichischen Unternehmensberatungsfirma STENUM GmbH (Graz) eine regionalbezogene, branchenübergreifende "Ökozelle" eingerichtet und schrittweise verbessert. Fairerweise muß aber erwähnt werden, daß sowohl von österreichischer Seite aber auch Seitens der EU Förderungen zur Verfügung standen. Diese Initiative hat gezeigt, daß sich nachhaltiges Wirtschaften sogar ohne die angesprochenen begleitenden umweltpolitischen Maßnahmen wie Energiebesteuerung lohnt. Die Zusammenarbeit erfolgte von Anfang an auf freiwilliger Basis. Würde nun z.B. eine ökologische Besteuerung von Energieträgern eingeführt, dann hätten alle am Projekt beteiligten Firmen einen deutlichen Vorteil gegenüber den Konkurrenten.

Wie müßten aber Energiesteuern gestaltet werden, um solche Bemühungen zu unterstützen? Einmal in ein Wirtschaftssystem eingeschleuste fossile Energieträger sind empfindlich hoch zu besteuern, außer sie werden im öffentlichen Interesse eingesetzt, und vermeiden dadurch noch höhere Verbräuche. Deshalb wäre der öffentliche Verkehr von solchen Abgaben zu befreien. Die Wiener Grünen schlagen in ihrem Konzept "Anders Steuern" vor, die hohe steuerliche Belastung von menschlicher Arbeitskraft in den Energiebereich umzulagern. Das hätte den Vorteil, daß in Summe keine Mehrausgaben für die Gesellschaft anfallen, daß aber zukünftige Effizienzsteigerungen in der Wirtschaft durch die Einsparung von Energie und nicht durch den Abbau von Arbeitsplätzen möglich sind. In den letzten vierzig Jahren hat sich nämlich das Verhältnis von Energie- zu Arbeitskosten versechsfacht, d.h. die Lohnkosten und Lohnnebenkosten haben im Vergleich zu den Energiepreisen stark zugelegt. Die rot-grüne Koalition in Deutschland hat sich auf einen knieweichen Kompromiß geeinigt, der dieses Mißverhältnis nur um Nuancen verschiebt, und deshalb kaum die gewünschte Effekte zeigen wird.

5.3.4 Haushalte kürzen statt steigern, Umverteilung der Arbeit

Zitat-Langer: "Alles Gerede um eine Wende bleibt sinnlos, solange Wachstum das Wirtschaftsziel schlechthin bleibt und öffentliche wie private Haushalte auf Steigerung der verfügbaren Geldmenge setzen. Der industrialisierte Teil der Welt muß endlich mit dem Nullwachstum und einer gewissen Kürzung Ernst machen — was natürlich behutsam und graduell zu erfolgen hat, um keine sozialen und ökonomischen Zusammenbrüche auszulösen."

G. Moewes: "Die ganze Recycling-Profit-Wirtschaft, die schönen "Ausgleichsmaßnahmen", Umweltverträglichkeitsprüfungen, Pseudo-Kreislaufmodelle haben alle einen Fehler: Umwelt soll möglichst beschäftigungsintensiv geschont werden — ein Widerspruch in sich. Eine Wirtschaft, die auf Beschäftigung angelegt ist, kann prinzipiell nicht Vermeidung betreiben. Wirkliche Vermeidung von Umweltzerstörung ist immer auch Arbeitsvermeidung."

Weltweit sind Ende des 20. Jahrhunderts 800 Millionen Menschen ohne bezahlte Arbeit einem System ausgeliefert, das Arbeitslosigkeit bewußt durch Entzug lebensnotwendiger Güter bestraft, obwohl sie größtenteils verfügbar wären. Populär wurde das Thema "Arbeit" durch Jeremy Rifkins Buch "Das Ende der Arbeit" [Rifkin95], wo deutlich gemacht wird, daß die sogenannte "dritte industrielle Revolution" auch in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs dafür sorgen wird, daß sich die Situation am Arbeitsmarkt kontinuierlich verschlechtern wird. Er fordert eindringlich, einen "Dritten Sektor" auszubauen, der heute schon durch die Tätigkeit zahlreicher non-Profit Organisationen in zarter Blüte steht. Dieser Sektor muß allerdings vom verhängnisvollen Mechanismus der Zinsspirale ausgenommen werden, die im nächsten Unterkapitel zusammen mit derartigen Alternativen behandelt wird.

Zitat-Langer: "Nur eine umfassende Umverteilung der Arbeit (und damit auch der gesellschaftlich anerkannten und honorierten "Arbeitsplätze") kann die notwendige Kurskorrektur erlauben. Die soziale Abfederung von schmerzlichen Umrüstungsprozessen (ganz gleich, ob man energieverschlingende oder umweltverschmutzende Fabriken schließt oder Waffenbetriebe) ist genauso notwendig und lohnend wie andere langfristige soziale Investitionen: es ist nicht einzusehen, warum Grundeigentümer entschädigt werden, die einer Straße Platz machen, und nicht auch Arbeiter die der ökologischen Umstellung weichen müssen."

Die in letzter Zeit vielbeschworenen Theorien von Vollbeschäftigung bzw. dem "Recht auf Arbeit" nach Johann Gottlieb Fichte, die unsere "Beschäftigungsgesellschaft" charakterisieren, wurden unter anderem von Günther Moewes treffend kritisiert, der sich der bereits auf Marx zurückgehenden Forderung nach "Existenzsicherung auch bei Nichtarbeit" anschließt:

"Geld verliert immer mehr seine Funktion als Maß für Arbeit und reale Werte. Es wird zum bloßen Vorwand für private Besitz- und Machtoperationen." Die verhängnisvolle Rolle des Geldes wird im nächsten Unterkapitel durchleuchtet. "Anstatt die Befreiung von Arbeit (infolge von durch Maschineneinsatz erhöhter Produktivität; man müßte den freigesetzten Arbeitern weiterhin ihren Lohn bezahlen und sie zur Nichtarbeit verpflichten ...) zu begrüßen, die ökologiefeindlichen Material- und Energieströme aber zu drosseln, verfahren die Volkswirtschaften genau umgekehrt: sie versuchen den Material- und Energieumsatz zu steigern und das Verschwinden von Arbeit zu bremsen" [Heimel95].

5.3.5 Neutrales Geld: der dritte Weg zwischen Tausch- und Produktionssozialismus

Schon 1916 legte Silvio Gesell seine Gedanken über eine gerechtere Wirtschaftsordnung mit "Freigeld" nieder. Die Gesellanhänger verteidigen seine Theorie der Ökonomie heute als "Dritten Weg" zur Lösung der sozialen Frage, nämlich als "Staatskapitalismus" zwischen Proudhons "Tauschsozialismus" und dem "Produktionssozialismus" von Karl Marx. Geld wird zu einer staatlichen Dienstleistung. Der Geldfluß wird gesichert, indem die Nutzer eine geringe Nutzungsgebühr zahlen, die der Allgemeinheit zugute kommt.

Aus der Sicht einer ökologischen Langzeitverantwortung (Daly) ist es von höchster Aktualität, Modelle einer zinslosen Geldwirtschaft zu diskutieren und zu erproben.

Erste praktische Modellversuche mit "Zinsfreiem Geld" fanden in Wörgl in der Depression der dreißiger Jahre statt, und verliefen zu erfolgreich, als das sie von den nationalen Notenbanken geduldet werden konnten. Die Grundidee solcher Experimente ist einfach: Die eigentliche Lebensgrundlage des Menschen, das "ökologische Kapital" einer Region befindet sich ja keineswegs in einer Krise zu Zeiten weltweiter wirtschaftlicher Repression.

In jüngster Zeit wurde diese Problematik von Magrit Kennedy [Kennedy90], in Zusammenhang mit der Umweltfrage verständlich dargestellt. Magrit Kennedy beschäftigt sich neben ökonomischen Alternativen auch mit neuen, effizienteren Formen der Land- und Stadtwirtschaft in Deutschland.

 

 

 

Sie beschreibt die folgenden Vorteile, die sich für eine Region oder ein Land ergeben, das die Geldreform in Angriff nimmt:

Mit neutralem Geld getätigte Investitionen (etwa in die derzeit noch "unrentable" Solarenergie) sowie der Kauf "ökologischer" Produkte oder künstlerischer Leistungen müssen nicht — wie heute — mit der Verzinsung des Kapitals konkurrieren (vgl. auch Isard). Der angesprochene Wandel zu einer dezentral strukturierten Wirtschaft mit kleinen Einheiten wird begünstigt, im Gegensatz zu heute, wo die Kleinen der Konkurrenz seitens der Großen (und immer größer werdenden) nicht standhalten können.

Die verhängnisvolle Dynamik der Kapital- und Bodenverzinsung habe ich schon im Zusammenhang mit der von Karl Marx kritisierten Mehrwertabschöpfung durch Kapitalkonzentration angesprochen, ebenso die Innovationsspirale der High-Tech Industrie, die zu immer größeren Zusammenschlüssen und Investitionen zwingt. Ich empfehle außerdem das kurze, leicht verständliche Buch Magrit Kennedys "Geld ohne Zinsen und Inflation" das wegen seiner Klarheit bei den Verteidigern der heutigen Verhältnisse panische Angst vor einer weiteren Verbreitung ausgelöst hat.

5.3.6 Flüssiges Schwundgeld und staatlich geregeltes Versicherungswesen

Eine Lösung für die in 5.2 ausführlich diskutierten Probleme könnte etwa so aussehen: statt das Anhäufen von dringend benötigtem Kapital mit Zinsen zu belohnen, sollten "Lager- bzw. Vorenthaltungskosten" eingehoben werden. Solche Kosten fallen übrigens bei allen gehorteten materiellen Gütern, insbesondere bei Lebensmitteln an, aber auch bei "geistigen Produkten" wie Patenten, die schnell veralten können.

Jemand, der einen Geldbetrag so anlegen will, daß er kurzfristig verfügbar sein soll, hat dafür hohe Entschädigungen zu bezahlen, d.h. die Geldanlage verschafft keinen Gewinn, sondern empfindliche Verluste! Wer sein Geld in einer sehr langfristigen Sparform anlegt, bekommt zwar keine Zinsen, muß aber auch keine Gebühren entrichten. Längerfristige Sparformen dienen ja auch heute dazu, das Geld in der Zwischenzeit am Markt verfügbar zu machen. Statt der Umverteilung zu den Reichen können die Einnahmen gerecht verteilt und stattdessen andere Steuern abgeschafft werden. Die Ausgaben insgesamt sind für alle Konsumenten geringer, da keine "Kapitalkosten" mitfinanziert werden müssen. Auf der Seite der Kreditnehmer steht Kapital hingegen (fast) kostenlos zur Verfügung, da das unproduktive Horten von Geld Kosten verursachen würde. Dadurch werden zudem dauerhafte Naturalien als Geldanlage wieder aufgewertet, was qualitatives Wachstum begünstigt.

Freilich gibt es auch einen legitimen Grund, von einem Kreditnehmer Kapitalzinsen zu verlangen, nämlich als Kompensation für mögliche Ausfälle [Albert92]. Wie bereits erwähnt, muß der Kreditnehmer etwas mit dem Geld unternehmen, um nicht für das Horten von Kapital bezahlen zu müssen. Jede Investition birgt aber ein mehr und weniger kalkulierbares Risiko, und nicht immer wird der Verleiher nach einer Pleite und nach einem Ausgleich den geliehenen Betrag zurückerhalten. Andererseits stellt ein gewisser Wertverlust keinen Nachteil gegenüber der Verweigerung des Kredites dar, weil der Verleiher ansonsten die Entschädigung für das Horten von Kapital entrichten hätte müssen. Diese Maßnahme vermindert somit den Verlust durch Fehlinvestitionen bereits enorm, denn heute muß der Verleiher nicht nur die verlorene Leihgabe, sondern auch noch den möglichen Gewinn aus Zinsen als Verlust werten.

Natürlich bleibt damit immer noch das Restrisiko bestehen, daß durch das erfolglose Verleihen eine größere Wertminderung in Kauf genommen werden muß, als wenn bloß die Entschädigung für das Kapitalhorten beglichen worden wäre. Aber nicht nur der Verleiher geht Risken ein, in allen Lebensbereichen können jedem Menschen im Zuge eines unvorhersehbaren Ereignisses plötzlich große Kosten erwachsen. Es wäre deshalb sinnvoller, statt pauschal einen überhöhten Kreditzins zu fordern, jedes Verleihgeschäft zu versichern, und bloß die konkreten Versicherungskosten zwischen Kreditnehmer und Geber aufzuteilen. Um diesem Problem zu begegnen, brauchen wir uns nur auf dieselben Überlegungen zu besinnen, die wir bereits erfolgreich zur Überwindung der Zinsspirale angestellt haben. Zuvor möchte ich noch klar stellen, daß sich diese Vorschläge nur auf den Ausgleich von Verlusten beziehen, die nicht durch Fahrlässigkeit oder durch persönliche Bereicherung entstanden sind. In einem solchen Fall ist selbstverständlich zu aller erst der Verursacher zu belangen.

Gemeinschaftlich organisierte Versicherungssysteme zur gerechten Risikoaufteilung

Prinzipiell können zwei Versicherungssysteme unterschieden werden [Albert92]. Eine Philosophie beruht darauf, in einem völlig deregulierten "Markt" mit Versicherungsgeschäften Gewinn zu machen. Dazu ist es notwendig, mit statistischen Mitteln und möglichst detaillierten Informationen über das Versicherungsgeschäft eine Versicherungsrate zu errechnen, so daß diese einerseits bei der überwiegenden Zahl der Kunden möglichst niedrig liegt, um die Konkurrenz zu unterbieten. Andererseits sollte die Zufriedenheit eines Großteils der Kunden durch die Auszahlung eines entsprechenden Schadenersatzes gewährleistet sein, und zusätzlich sollte entsprechender Gewinn abfallen. Dummerweise führt nun die Maximierung des Gewinnes keinesfalls zu dem gewünschten Ergebnis eines fairen Versicherungssystems: akzeptable Preise werden nur in den Bereichen angeboten, wo selten Unfälle passieren, bzw. wo das abgeschätzte Risiko gering ist. Manche Versicherungen werden sich überhaupt nur auf solche Bereiche konzentrieren. Dort, wo tatsächlich Risiko besteht, werden die Prämien so angesetzt, als würde man ohnehin von einem Scheitern ausgehen. Außerdem lohnt sich die Verwaltung solcher Sonderfälle nicht, da die Risikoabschätzung ja für das Unternehmen hohe Kosten verursacht.

Ein weiterer Nachteil des deregulierten Versicherungsmarktes ist die Explosion der notwendigen Informationsverarbeitung [Albert92]. Da Kundentreue nicht belohnt wird, werden möglichst kurzfristige Verträge abgeschlossen, um möglichst schnell zu noch billigeren Anbietern wechseln zu können, die dann nicht selten bei einer ungewöhnlichen Häufung von Schadensfällen den Konkurs anmelden müssen. Beim Versicherungsunternehmen bedingt diese Kundenuntreue den Zwang, immer rascher, immer spezialisiertere Angebote für einträgliche Schichten von Versicherungskunden zu erstellen. Es müssen also ständig neue Verträge abgeschlossen werden, und gleichzeitig neue, meist unsichere Angebote erstellt werden, denen Abschätzungen zu Grunde liegen, welche auf statistischen Schätzungen für einen längeren Zeitraum beruhen. Diese hektischen Tätigkeiten aller Versicherungsanbieter müssen natürlich von allen Kunden bezahlt werden.

Es hat sich darum bei langfristigen Vergleichen herausgestellt, daß der deregulierte Versicherungsmarkt das Versicherungsgeschäft stark verkompliziert, und dadurch auch zu einem relativ hohen Preisniveau führt, ganz entgegen der ursprünglichen Annahme, daß die freie Preisentwicklung die Preise senken würde [Albert92].

Die Alternative ist schnell umschrieben. Es geht darum, die Effizienz einer sozialen Dienstleistung zu erhöhen, offensichtlich ein gemeinschaftlicher Gewinn, und nicht der eines privaten Unternehmens. Es ist unmittelbar einsichtig, daß die Risikoverminderung aller Mitglieder einer Gemeinschaft eine Aufgabe ist, von der die Gemeinschaft profitiert, und die nur gemeinschaftlich gelöst werden kann. Unvorhersehbare hohe Ausgaben, die dafür selten auftreten, werden von allen Gemeinschaftsmitgliedern durch ständig zu entrichtende kleine Raten vorfinanziert. Bei der möglichst gerechten Ermittlung dieser Raten geht es darum, Wahrscheinlichkeiten für Fehlinvestitionen abzuschätzen und sie, wenn möglich, überhaupt zu vermeiden. D.h. wer nach dem derzeitigen Wissensstand mehr riskiert, soll auch einen größeren Beitrag zur allgemeinen Risikoverminderung leisten. Da die Beratung von Kunden zur Vermeidung von Schadensfällen ein wichtiger Bestandteil dieses Versicherungssystems ist, das ja auf einer gemeinschaftlichen Aufgabe, und somit auch auf dem gegenseitigen Vertrauen beruht, wird der Kunde enger an die Gesellschaft gebunden, und wechselt nicht wegen kleiner Preisvorteile zu anderen Anbietern. Staatliche Vorgaben wie z.B. Mindestprämien, aber auch die damit verbundene gemeinsame Ermittlung von statistischen Risikofaktoren helfen, im gesamten Versicherungssystem große Kosten zu sparen. Auch unter diesen Rahmenbedingungen können sich verschiedene Unternehmen etablieren, nur haben sie mehr Auflagen einzuhalten, die aber für alle Seiten von Vorteil sind. Im hier skizzierten Modell sind vor allem die Versicherungen Nutzer der erwähnten längerfristigen Anlageformen, die zwar keine Gewinne einbringen, aber auch nur geringe Entschädigungen zum Horten von Kapital verursachen sollten.

Die in der Folge vorgestellten zinsfreien Tauschmittel hätten auch im Versicherungsbereich eine positive Auswirkung. So liegen die heute geleisteten Versicherungsprämien weit über den tatsächlich anfallenden Ersatzkosten, da zum Beispiel die Kapitalbereitstellung teuer bezahlt werden muß, hinzu kommen etwa 40% Verwaltungskosten. Das später angesprochene Prinzip der "Autonomie" bzw. "Subsistenz" kann helfen, den letztgenannten Kostenfaktor zu eliminieren, indem "überschaubare Verwaltungseinheiten" die Zahl der ohnehin selten auftretenden Schadensfälle begrenzen. Seit hunderten von Jahren bestehen im Alpenraum sogenannte genossenschaftliche Selbsthilfe-Brandschaden Versicherungen, die nach diesem Prinzip organisiert sind (Die Bergbauern, 7-8/98).

 

Abb: siehe beigelegte Ausdrucke!

 

 

Abbildung 39: Instandsetzung einer Holzhütte, ÖBV Archiv

Um die erwähnten Währungsprobleme und Kapitalkosten zu vermeiden, haben sich Regelungen über anteilsmäßige "Naturalabgaben" bis heute gehalten. Dabei wird z.B. die Bereitstellung des Bauholzes nach einem Großbrand unter den Mitgliedern (einige Hundert bis Tausend) aufgeteilt. Je nach Größe des versicherten Objektes muß ein größerer Anteil abgeliefert werden, und zwar unmittelbar nach dem Schadensfall. Wegen der Seltenheit der Schadensfälle ist diese Hilfsleistung mehr oder weniger eine Lappalie. Wer keinen Wald oder Baustoffe besitzt, wird zu Arbeitsschichten eingeteilt. Meist leisten die Bekannten und Nachbarn wesentlich mehr Hilfe, als nach dem Übereinkommen festgelegt wäre, so daß die Wiederherstellung eines Gebäudes sehr rasch und effizient erfolgt. Die erwähnte Arbeitsteilung wird über "Selbsthilfegruppen" organisiert und abgewickelt.

In Summe leistet jedes Mitglied einer solchen Gemeinschaft wenige Stunden Arbeit und einen geringen Geldbetrag pro Jahr zur vollständigen Versicherung der eigenen Gebäude, die im Schadensfall in wenigen Wochen wieder errichtet werden. Allerdings gibt es meist Obergrenzen für die Zahl und Größe der Gebäude. Ein weiterer Vorteil ist, daß sich die meisten Mitglieder gegenseitig kennen, daß keine Abhängigkeit von Behörden und der wirtschaftlichen Situation besteht und daß durch Schadensfälle kaum die Produktivkraft geschmälert wird, während die Gemeinschaft enger zusammenwächst. Leider gelingt es den großen Versicherungsunternehmen immer wieder mit Hilfe der Finanzbehörde, solche Vereine unter Druck zu setzen, und deren Auflösung zu bewirken.

Besitzreform, Steuerreform, und ein zinsfreies Tauschmittel

FinanzexpertInnen fordern schon seit längerer Zeit die erwähnte Umschichtung der Steuerbelastung weg von der menschlichen Arbeit hin zu materiellem Aufwand wie Energie- und Rohstoffnutzung und Bodenverbrauch. Das erklärte Ziel ist die "Dematerialisierung" der Wirtschaft. Das bedeutet natürlich nicht, daß die Konsumenten von der "Luft" leben sollen, sondern, daß der unvorstellbare materiell- energetische Aufwand zur Bereitstellung einer im Vergleich dazu winzigen Menge an Produkten durch effizientere Verfahren reduziert wird, ohne daß es zu einer Verknappung der lebensnotwendigen Güter kommen darf. Diese Einsparpotentiale sind heute beachtlich.

Zusammen mit einer zugegebenermaßen schwer durchsetzbaren Bodenreform sieht Kennedy in der gerade skizzierten Reform der Geldwirtschaft ein wichtiges Instrument für eine vom Wachstum unabhängige und damit zukunftsverträgliche Wirtschaft. Der Bodenzins führt zu einer vergleichbaren Entwicklung wie der Kapitalzins, und kann auf eine einfache, und effektive Weise bereinigt werden: Zunächst wird es nur mehr den Gemeinden und anderen Institutionen im Interesse des Allgemeinwohls gestattet, Bodenzins einzuheben. Privatgrund wird mit ständig steigenden Steuern belastet. Mit Hilfe dieses Einnahmensvorteils kauft die Gemeinde Schritt für Schritt den gesamten Gemeindegrund zurück, der schließlich gemäß einem leicht durchschaubaren Pachtsystem an Bestbieter annähernd kostenlos verpachtet wird.

Eine solche Reform ist natürlich nur durchführbar, wenn den ehemaligen Grundbesitzern Vorrechte auf diese freie Pacht eingeräumt werden, wobei aber gewisse Obergrenzen nicht überschritten werden sollten. Alle bestehenden Vererbungsrechte bleiben unangetastet, sie beziehen sich aber auf die Pachtvorrechte statt auf den Besitz. Es handelt sich eigentlich um einen symbolischen Akt, der Begriff "Besitz" wird durch den Begriff eines "Pachtvorrechtes" abgelöst. Gepachtet kann aber nur mehr zur direkten Nutzung werden, bei konkurrierenden Angeboten ist die ökologisch und gesellschaftlich vorteilhaftere Nutzung zu bevorzugen. Diese Form der gesellschaftlichen Organisation hat sich übrigens Jahrtausende lang bewährt, bevor mit dem römischen Recht die imperialistischen Ideale einer Großmacht durchgesetzt wurden. Zuvor war nur in Ausnahmefällen, und auch nur auf beschränkte Zeit Privatbesitz an Boden bekannt, da ein Großteil der Arbeit von einer Dorf- oder Nomadengemeinschaft gemeinsam verrichtet wurde.

Die stark reduzierten Einnahmen aus der Pacht im zuvor skizzierten alternativen System sammeln sich nicht mehr bei den Großgrundbesitzern, wo sie heute wie beim Kapital zu einem Anwachsen des Einflusses von "Bodenreichen" ohne Gegenleistung führen, während den "Bodenarmen" unbezahlte Arbeit abverlangt wird. Die Gemeinde muß die Einnahmen zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen, was nur in lokalen, durchschaubaren Verwaltungseinheiten durchsetzbar und kontrollierbar sein dürfte.

Wie Silvio Gesell sieht Magrit Kennedy z.B. eine wichtige Verwendung solcher Einnahmen in der Förderung von erziehenden Müttern und Vätern, deren Mehrarbeit mit Hilfe eines sozial gerecht ermittelten Anteils vom Gewinn aus der "Bodennutzung" bezahlt wird, um eine neue Generation von "Bodenveredlern" zu unterstützen. Die Pachtnutzungspreise (ehem. Bodenpreise) sind zwar weiterhin lokalen Veränderungen gemäß der Nachfrage unterworfen, aber nicht mehr dem zinsbedingten unnatürlichen Dauerwachstum und den dadurch bedingten Krisen bzw. Schwankungen. Der Handel mit dem Pachtnutzungsrecht ist außerdem nicht frei, da die ökologisch und gesellschaftlich vorteilhaftere Nutzung zu bevorzugen ist. Derartige Entscheidungen sind in öffentlichen Verfahren zu treffen.

Alle LeserInnen, die diese Vorschläge für Spinnereien und Utopien halten, sollten bedenken, daß heute Millionen Menschen an zinslosen Geldsystemen beteiligt sind, wie z.B. dem kanadischen und australischen LETS-System, der Schweizer Wirtschafts-Genossenschaft WIR und dem dänisch-schwedischen JAK System. Die zinslose Bereitstellung und Gegenrechnung von Geldäquivalenten kann auch in ein kapitalistisches System eingebettet werden, womit allerdings Probleme wie Steuerhinterziehung und das Anhäufen von zu hohen Wertbeträgen auftreten. Um die Umschichtung von Kapitalanhäufungen aus den verhängnisvollen Wachstumswirtschaften zu vermeiden, ist es meist verboten, sich mit "Bargeld" über eine bestimmte Summe einzukaufen, oder auf diese Weise finanzierte Produktionsmittel einzusetzen. Auf eine Besteuerung von "Wertanhäufungen" wurde meist verzichtet. Allerdings hat es sich bewährt, eine Obergrenze festzusetzen. Die Besonderheit solcher in allen europäischen Ländern verbreiteten, kleinen Wirtschaftssysteme (LETS: z.B. auch in Wien) liegt in der aktuellen Information über Angebote in elektronischen Medien (Mailbox, Telefonsystem, Rundbrief), aber auch in der Aufteilung der Risken. Wenn ein neuer Teilnehmer z.B. alle ausnützt, und dann aussteigt, muß seine Bringschuld aufgeteilt werden. Es ist deshalb ein gewisses Vertrauen und Kennenlernen untereinander notwendig. Ohne den persönlichen Kontakt stagniert zudem die Zahl der Tauschvorgänge, da es zu viele "BeobachterInnen" und zu wenig Aktive gibt. Erst durch die Kontakte fühlen sich die TeilnehmerInnen angespornt, neue Angebote zu machen, liebgewonnene Tätigkeiten auszuweiten, aber auch Dienste in Anspruch zu nehmen, die vielleicht nur aus Angst vor dem Kontakt mit Unbekannten abgelehnt wurden. In einer gut eingespielten Gemeinschaft, in der gegenseitige Vertrauen herrscht, kann schließlich die entfremdende, anonyme und unpersönliche Kontoführung gänzlich abgeschafft werden. In 5.5.3 werde ich diese Idee im Zusammenhang mit einem idealisierten gesellschaftlichen Modell als "Basisebene" eines zweistufigen Zivilisationsmodells präsentieren.

In Deutschland haben sich seit 1994 über 60 Tauschgemeinschaften gebildet, in England gibt es deren 200 mit bis zu 5000 Mitgliedern bei den größten Gemeinschaften. Menschen, die aus der herkömmlichen Erwerbsstruktur herausfallen, finden im Talente-System Möglichkeiten einer sinnvollen Beschäftigung und Verbesserung ihrer Lebensqualität. Eng damit verbunden ist die bereits angesprochene Idee der "Subsistenz," nämlich hauptsächlich das zu tun, was unmittelbar zum Leben benötigt wird [Werlhof96].

Ökologische Landwirtschaft, Biodiesel, der Faktor Vier

Kurzfassung: Die vorgestellte Geldreform sollte von einer Reihe einschneidender, wirtschaftlicher und technisch-sozialer Innovationen begleitet werden, um die Zukunftsfähigkeit des resultierenden Gesellschaftssystems im Vergleich zur heutigen Situation deutlich zu steigern. Ohne die unabdingbare Geldreform können die folgenden Maßnahmen alleine jedoch nicht zu einer langfristigen Verbesserung beitragen, da vorprogrammierte ökonomische und soziale Krisen jede derartige Innovation in kürzester Zeit zunichte machen würden. Eine einfache Formel lautet: Durch eine Vervierfachung der Ressourcenproduktivität können Industriegesellschaften ihren Ressourceneinsatz halbieren, und dennoch ihren Wohlstand verdoppeln. Inzwischen sind zahlreiche Publikationen erschienen, die sogar mit quantitativen Studien über einen möglichen Technologiesprung für eine zukunftsfähige Entwicklung aufwarten. Auch politische und soziale Fragen wurden dabei, wenn auch zaghaft, berücksichtigt. Im Umweltbereich wird der Umstieg von der heute alltäglichen "End of Pipe" Technologie auf vorsorgeorientiertes Wirtschaften thematisiert. Statt die Umwelt zunächst durch bloße Orientierung am Profit zu zerstören, und im Nachhinein z.B. durch teure Sanierungsmaßnahmen zu reparieren bzw. durch aufwendige Filtertechnik zu schützen, sollten von Beginn an ökologische Produkte entwickelt, produziert und verbessert werden. Der entscheidende Impuls für eine Richtungsänderung ist aber bis jetzt leider ausgeblieben.

Ich zitiere August Raggam vom Forschungszentrum für alternative Energienutzung in Graz (1996): "Wollen wir überleben, brauchen wir uns nur wieder in die Kreisläufe der Natur einzufügen. Die Biomasse als gespeicherte Sonnenenergie ist universell einsetzbar. Da die Klimaprobleme schwerpunktmäßig von der Landwirtschaft mitverursacht werden, liegt die Lösung im Übergang auf eine flächendeckende ökologische Landwirtschaft, die den CO2 Ausstoß der konventionellen Landwirtschaft vermeidet und darüber hinaus in der Lage ist, neben gesunden Lebensmitteln und Textilien auch ausreichend Biomasse zur Verfügung zu stellen, um Öl, Gas, Kohle und Kernenergie zu verdrängen." Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf die heute weitgehend ungenützten Potentiale der direkten Solar- und Windenergienutzung hinweisen, die z.B. auch Biodiesel und Hackschnitzel einschließen. Zitat-Fortsetzung: "Mit den derzeit ungenutzten Nutzpflanzen (z.B. Stroh) der Erde könnte der Weltenergiebedarf ca. 10 mal abgedeckt werden. Die chemische Landwirtschaft hat in den letzten 50 Jahren zu einem Humusverlust von 0,1% pro Jahr im Intensivackerbau geführt. Die ökologische Landwirtschaft könnten bis zu 1% Humus pro Jahr wieder aufbauen, wodurch das überschüssige, gefährliche CO2 dort gespeichet werden könnten, bis sich die Klimaverhältnisse wieder normalisieren. Wenn wir alle Mittel in eine neue Landwirtschaft fließen lassen, sind innerhalb von 10 Jahren gewaltige Erfolge zu erzielen. 1991 gab es in Österreich 2000 ökologisch wirtschaftende Betriebe- 1995 waren es bereits 23000".

 

5.4 Eine Neubewertung der Information zur Erhaltung politischer Handlungsfähigkeit

Neben dem zuvor diskutierten Reformbedarf der ökonomischen Verhältnisse ist ein weiteres Hindernis zu beseitigen: die weitgehende Blockade der gesellschaftlichen Kommunikation. Am Informationsbeschaffungsprozeß sollte im Idealfall jedermann/frau mitwirken. Es gilt zu vermeiden, daß kommerzielle und politische Interessen die Beschaffung, Aufarbeitung und Verbreitung der angebotenen Informationen leiten [Hermann97]. Vielmehr muß jeder/jede die Chance wahrnehmen, seine/ihre Ansichten in das von der Gemeinschaft akzeptierte Modell von der sogenannten "Realität" (Weltbild) einzubringen.

Ich habe mich in der Einleitung bereits sehr intensiv mit dem Begriff der "Realität" auseinandergesetzt, der meiner Meinung nach einen wichtigen Eckpfeiler einer zeitgemäßen Ethik bildet. Mit der überkommenen Vorstellung einer "objektiven" Realität hat es die im zweiten Abschnitt diskutierte "konservatistische" Elite seit Jahrhunderten geschafft, eine hörige Masse an Befehlsempfängern davon zu überzeugen, daß die ungerechten politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen bloß das Resultat unveränderlicher Sachzwänge seien. Mit dem von mir formulierten "erweiterten, dialektischen Materialismus/Strukturalismus" soll dieses Hemmnis überwunden werden, und gleichzeitig ein besseres Verständnis für die Bedeutung gesellschaftlicher Kommunikation und Information im allgemeinen gewonnen werden.

5.4.1 Materialismus/Strukturalismus und Kommunikation im 21 Jahrhundert

Die Bedeutung des "erweiterten, dialektischen Materialismus" und seine Stellung in der modernen Philosophie habe ich bereits in 2.3 am Beispiel der Zeichenerkennung skizziert. Grundlage dieser Diskussion ist die durch eine bestimmte Form (Struktur, Gestalt, Ordnung) der Materie bzw. Raumzeit repräsentierte "Seele" bzw. der "Geist" des Menschen, bestehend aus Sinnesorganen und einem damit verbundenen Netzwerk von Neuronen (Nervenzellen) [Minsky86], [Chomsky81], [Dudel96]. Auf das Phänomen des "Selbst" bzw. das der "Ich-Erfahrung bin ich schon in der Einleitung eingegangen (v.g.l. das Kinderbuch "Das kleine Ich bin Ich"). Hier soll zunächst die Jahrhunderte lang vernachlässigte Bedeutung der Information und Kommunikation offengelegt werden.

Unter Materie (Raumzeit, Multiversum) im Sinne des "erweiterten Materialismus/Strukturalismus" (2.3) verstehe ich einen vom Menschen zur Welterklärung erdachten Träger von Veränderungen (Dynamik) einer Struktur (Form, Komplexität).

In dieser Weltsicht gibt es keine "Substanz", d.h. es wird hingenommen, daß sich die Frage nach dem "woraus besteht etwas?" nicht erschöpfend beantworten läßt. Einstein hat bereits 1905 subatomaren Wechselwirkungen als Wechselwirkungen von Energien zwischen Energien formuliert [Zukav79], [Hogan97]. D.h. die Frage nach dem "woraus?" wird ab einer gewissen Tiefe immer mit der selben Antwort beantwortet. So besteht ein Proton aus drei Quarks, deren "Aufbau" nicht von belang ist [Hawking97], [Deutsch97] — sehr wohl aber deren Wechselwirkungen (Quarkstrings). Für die menschliche Alltagserfahrung reicht es, eine überschaubare Zahl von Abstraktionsebenen festzulegen. Bauwerke können mit Hilfe von Holz errichtet werden, Holz besteht aus Zellen [Nultsch91], diese sind aus organischen Bausteinen aufgebaut, die in Moleküle zerlegt werden können.

Auf der subatomaren Ebene werden noch weitere Stufen unterschieden, die sich aber nicht auf einen Baustoff, sondern auf eine "Vermittlung" von Wechselwirkungen, oder abstrakt ausgedrückt, auf einen Informationsverarbeitungsprozeß beziehen. Anhänger der "alten" Schule haben aber die Suche nach tieferen Ebenen nicht aufgegeben, sie erforschen heute z.B. mögliche Strukturen von Quarks. Die Mehrheit der PhysikerInnen strebt eine tiefergreifende Erklärung in einer "allumfassenden Theorie" (z.B. Ed Wittens "M-Theorie") an, da sich bereits die Frage abzeichnet, welche Ebene unter der der "Quarks" liegen mag [Hawking97]. Ein derartiger Ansatz ist die String- und Scattering Matrixtheorie, aus der die Superstringtheorie abgeleitet wurde, da sich die Mathematik der Strings als sehr schlecht beherrschbar herausgestellt hat. Eine Scattering Matrix beschreibt die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen zwischen kollidierenden Partikel, d.h. es werden nur mehr Zusammenhänge zwischen Partikel als elementare Ereignisse untersucht. Strings beschreiben spezielle Wechselwirkungen und Schwingungen in einem Partikelverbund. Im Falle des angesprochenen Protons reichen zur Erklärung seiner Wechselwirkungen drei Quarks, deren Beziehungen in einem "Quarkstring" beschrieben werden.

Allerdings kann auch dort, wo nichts ist, etwas entstehen und wieder verschwinden. Solche Transformationen treten ständig auf, und sind nur durch die Unschärferelation, durch eine statistische Wahrscheinlichkeit und durch Erhaltungssätze beschränkt, die restriktiver werden, je größer die Energien im Spiel sind. Die Quantentheorie beschreibt also bloß die Wahrscheinlichkeiten der Möglichkeiten, die bestimmte "Erhaltungssätze" zulassen. Und selbst diese Wahrscheinlichkeiten, bzw. Tendenzen zu existieren sind nur im Zusammenhang mit einer Messung festgelegt, was zwischen, bzw. um Messungen passiert, ist nicht Gegenstand der Physik, folgt man/frau der unbefriedigenden Diktion des "Instrumentalismus". Eine kurze Zusammenfassung über die Grenzen der Vorhersagbarkeit in der modernen Physik gibt David Deutsch im 8. Kapitel von [Deutsch97].

Folgende zwölf "klassische" Erhaltungssätze wurden aufgestellt, es gibt heute aber zahlreiche Erweiterungen und Abwandlungen.

 

Energie

Impuls

Spinnmoment

Ladung

Elektronenzahl

Myonenzahl

Baryonenzahl

Zeitumkehrung

Rauminversion

Ladungskonjugation und ihre Kombination

Seltsamkeit

Isospinn

Tabelle 15: Die klassischen Erhaltungssätze der Quantenphysik [Zukav79]

Erhaltungssätze und Invarianzprinzipien (... d.h. das Umfeld des Experiments spielt keine Rolle) basieren auf dem, was PhysikerInnen "Symmetrien" nennen. Die Annahme, daß der Raum in allen Richtungen (isotrop) und an allen Orten (homogen) gleich ist, ist ein Beispiel für Symmetrie [Zukav79]. Diese Sätze sind typischerweise ein Produkt menschlicher Denkökonomie, d.h. sie sind dadurch bestimmt, unsere Erfahrungen möglichst verständlich und unseren Denkschemen angepaßt zu erklären. Damit will ich sagen, daß wir uns unter diesen Erhaltungssätzen keine "Naturgesetze" sondern bloß möglichst einfache "Erklärungsversuche" im Sinne des erweiterten popperschen Wahrheitsbegriffes nach [Deutsch97] vorstellen sollten. Was hier aber alles in Einklang gebracht werden mußte, hat keineswegs zu einer wirklich verständlichen Theorie der Physik geführt, die aber heute, zumindest unter Fachleuten, als relativ leicht handhabbar und schlüssig gilt.

Eine großartige Einführung in die Quantenphysik für Laien geben [Zukav79], [Hogan97], während [Hawking97] sich mit der Astrophysik und der Urknalltheorie beschäftigt. Die Autoren setzen kaum besondere mathematische Kenntnisse voraus, und nähern sich sehr humorvoll der schwierigen und zugleich spannenden Materie.

5.4.2 Die Rolle der Information in offenen und geschlossenen Systemen

Die Parabel vom Maxwell Dämon (J. C. Maxwell 1831-1879) in der Physik lehrt uns, daß das Wissen um die Bewegung von Gasteilchen, also abstrakte Information, mit purer Energie gleichgesetzt werden kann, da durch das rechtzeitige Öffnen und Schließen einer Klappe z.B. Teilchen mit einer bestimmten Flugrichtung in einen anderen Raum geleitet werden könnten, so daß sich dort der Druck, und somit die gesamte Energie des Systems erhöht. Etwas einfacher ausgedrückt, wir können Information in Energie verwandeln, bzw. Information hat eine reale, physische Dimension.

Um aber diese Information über die Gasteilchen zu gewinnen, etwa durch direkte Beobachtung von Wechselwirkungen mit anderen Teilchen, wird allerdings zumindest die gleiche Energiemenge verbraucht. Äußerst wichtig ist außerdem die Tatsache, daß der "erweiterte Materialismus" jeder Information eine energetische bzw. materielle Repräsentation im Sinne des "Strukturalismus" zuschreibt, und somit die kartesische Trennung von Geist und Materie überwindet. Informationsverarbeitung (Geist) wird als zielgerichtete Formänderung von Materie (Energie) interpretiert. Eng damit verwandt ist die von Rudolf Clausius (1822-1888) eingeführte Idee der Entropie. Die im Universum herrschende Unordnung kann niemals abnehmen, wenn wir es als ein abgeschlossenes System beschreiben. Dazu sei angemerkt, daß dieses Postulat der Unmöglichkeit einer "Ordnung aus dem Nichts" auf wesentlich wackeligeren Beinen steht, als der Satz der Energieerhaltung, die beide von Wissenschaftstheoretikern verdächtigt werden, der "schöneren Theorie" wegen eingeführt worden zu sein. Ein anderes Problem ist die Idee des "abgeschlossenen" Systems selbst, eine notwendige Voraussetzung für die Gültigkeit der Erhaltungssätze von der Energie, dem Impuls aber auch der Zeitsymmetrie. Abgeschlossene Systeme sind gemäß der Quantenmechanik eigentlich gar nicht beobachtbar, da ansonsten Wechselwirkungen bzw. Eingriffe von "Außen" auftreten würden. Deshalb haben wir es in der Praxis ausschließlich mit offenen Systemen zu tun, auch wenn die Wechselwirkungen mit der Umwelt oft sehr schwach sind.

Wir können zusammenfassend sagen, Information muß durch Verschlüsselung für einen bestimmten Zeitraum konservierbar sein, das heißt "repräsentiert" sein, und durch Entschlüsselung reproduzierbar sein. Sie muß aber nach ihrer Entschlüsselung zusätzlich produktive Wirkung, etwa durch Selbstorganisation, zeigen. Das heißt, sie muß bei dem/der EmpfängerIn zu mehr Erkenntnis führen, als durch bloßes "Abspulen" gewonnen werden kann (Vgl. Auswendiglernen"), was nur in offenen Systemen möglich ist [Grechenig91]. Lernen verknüpft deshalb das Reproduzieren und daraus Neuproduzieren. Für Verwirrung hat die mathematische Informationstheorie von Claude Shannon gesorgt, da sie bloß von geschlossenen Systemen ausgeht, und deshalb eigentlich keine Information gemäß dieser Definition beschreibt.

In der Philosophie definierte Weizsäcker Information als Struktur, bzw. Ordnung, die in einem empfangenden System Eigenaktivität auslöst. Objektive Information ist also die Bedingung subjektiver Information, sie ermöglicht die Aufnahme individueller Erkenntnisse als Form, bzw. Ordnung, die im angesprochenen inneren "Mitweltmodell" bzw. der "Sinnwelt" repräsentiert sein muß [Grechenig91].

 

 

5.4.3 Vorteile und Gefahren moderner Kommunikationstechniken

In 2.2 habe ich bereits auf den Kulturkritiker Neil Postman hingewiesen, der sich mit dem Einfluß der Massenmedien und der Schulen des 20 Jahrhunderts auseinander gesetzt hat. Sein Satz [Postman95] "Als Fragezeichen betreten unsere Kinder die Schule, als Punkt verlassen sie sie" kann auf die Medienwelt des 20. Jahrhunderts ausgedehnt werden, die das Interesse an selbstständigem Erarbeiten von Erfahrungen lähmen soll, dafür aber eine vorgefertigte "Konsum-, Politik- und Arbeitnehmerwissensausstattung" zu transportieren hat. Besonders anfällig dafür sind die HalbschlafleserInnen in den Morgenzügen. Deren biologischer Rhythmus wird durch unmenschliche Arbeitszeiten vergewaltigt, da sie vor dem natürlichen Aufwachimpuls der beginnenden Dämmerung aus dem Schlaf gerissen werden. In diesem apathischen Zustand gönnen sie sich "leichte mediale Kost", wobei deren unbewußt-manipulative Kraft vervielfacht wird. Was dann am Stammtisch ausgetauscht wird, erinnert mehr an eine Zeitungscollage als an ein Gespräch. Ein Entrinnen ohne größere Veränderungen solcher Verhältnisse ist für den kritischen Informationskonsumenten kaum mehr möglich, da Fernseh- und Verlagsgesellschaften einen einheitlichen, in den wesentlichen Fragen sorgfältig aufeinander abgestimmten Propagandabrei verbreiten.

Ich glaube aber nicht, daß diese Entwicklungen sorgfältig in die Wege geleitet wurden. Die Korruption der Informationsgesellschaft wird oft von den Machern selbst nicht bemerkt. Mittels der vielzitierten Selbstorganisation und der bestehenden Finanz- und Machtmonopole hat diese Manipulation eine erschreckende Eigendynamik entwickelt. Der "Große Bruder" ist uns näher, als wir glauben wollen. Die hysterischen Rufe aus dem konservatistischen Lager nach einem Medienrecht für das Internet, einer "Rasterfahndung", EUropol, erweiterter Kameraüberwachung, verdeckter Fahndung, genauerer Volkszählung, nach einer Krankenhaus- Chipkarte und so weiter verheißen nichts Gutes. Die Ausrede mit dem Kampf gegen das organisierte Verbrechen ist insoferne zynisch, als die lautesten Rufer meist selbst in zwielichtige Geschäfte verstrickt sind, wie die Bauskandale in Wien nach einem Jahrzehnt der großen Koalition (SP, VP) gezeigt haben. Zwar wurden die Ende der 90er abgewählten konservativen Parteien Deutschland stutzig, als bekannt wurde, daß der amerikanische Geheimdienst bereits eifrig von solchen Methoden auch in Deutschland Gebrauch macht, und dabei vor Industriespionage nicht zurückschreckt, doch man einigte sich bloß auf die Forderung, daß deshalb eigene europäische Kontroll- und Lauschtechnologien forciert werden müssen.

Es gibt aber auch noch ganz andere Auswirkungen der modernen Informationstechnologien. In manchen Bereichen der industriellen Produktion werden sogenannte "flexible Fertigungssysteme" (FFS - Verknüpfung mehrerer Fertigungseinheiten durch automatische Verkettung des Materialfluß sowie der Prozeßsteuerung [Brodner88]) gebildet, und einer relativ autonomen Arbeitsgruppe unterstellt. Ihr wird die Betreuung der von dieser Komponente produzierten Produktpalette übertragen. Sie verfügen über alle notwendigen Planungs- und Entscheidungskompetenzen. Die Arbeit soll dadurch abwechslungsreicher und interessanter werden, der gesteigerte Kommunikationsaufwand kann durch verbesserte EDV ausgeglichen werden. Anstelle der "linear arbeitsteiligen" Fertigung würde die "mengenteilige Gruppenfertigung" treten.

Aber auch der Büroarbeitsplatz ist von dieser Entwicklung betroffen. Dem/der ArbeitnehmerIn stehen Datenbankverbindungen zu den benötigten betrieblichen Daten, ein Text- und Layoutsystem und ein Graphiksystem z.B. für Präsentationen zur Verfügung. Es gibt einfache Möglichkeiten mit allen relevanten AnsprechpartnerInnen im Betrieb zu kommunizieren, das Hantieren mit Dokumenten aus Papier wird langsam durch eine elektronisch standardisierte Geschäftsabwicklung abgelöst. Derartige autonome Arbeitsplätze sind für Verwaltungsaufgaben sowohl innerhalb des Betriebs als auch über diesen hinaus zuständig, den längst schon benutzen viele große Unternehmen tragbare Computer (Laptops, PAs), z.B. im Außendienst. Die vernetzte Arbeitswelt gerne mit Hilfe des "Stadt"-Metaphers in lokalen und globalen Informationsnetzwerken veranschaulicht, wo elektronische Briefe von einem simulierten Büro in ein anderes geschickt werden können. Ein ähnliches Modell bietet sich für Behördeninformationssysteme an, mit deren Hilfe sich Behördenformulare zu Hause am Bildschirm ausfüllen lassen.

Diese auf den erste Blick vielleicht faszinierenden Möglichkeiten sollen aber nicht von den realen Verhältnissen ablenken. Die erhoffte Dezentralisation durch die vielzitierten "Telearbeitsplätze" bleibt in der Praxis vielfach aus. ExpertInnen erwarten eher eine weitere Zentralisation von Verwaltungsstrukturen, die mit Hilfe der Telekommunikation erst im großen Stil verwirklicht werden kann. So läßt sich der gesamte Arbeitsprozeß heute noch viel leichter von den urbanen Zentren aus delegieren. Die Außenstellen werden über lokale und internationale Computernetze miteinander verbunden. Auch im Kundendienst führte diese Technologie zu einer verstärkten Zentralisierung. In großen Telefonservicezentren arbeiten Teilzeitkräfte rund um die Uhr an einem Computerarbeitsplatz, der jeden Arbeitsschritt exakt registiert. Diesem Arbeitsdruck, verbunden mit Nachtarbeit, halten die wenigsten GelgenheitsarbeiterInnen länger als zwei Jahre stand.

Mit dem Abbau von Lagerhaltung ist die "Produktion nach Bedarf" (on demand) verknüpft, die Produktionsstätten auf der grünen Wiese nahe von LKW Hauptrouten bedingt, um rasch genug die Güter zum Abnehmer bringen zu können. Lagerkosten werden beim Produzenten gespart, dafür muß die Allgemeinheit für ein ständig überfülltes Zwischenlager aufkommen: die Autobahnen und Hauptverkehrsrouten. Der Verkehr wird also noch mehr ansteigen, und die Produktions- und Energieeffizienz sinken, weil der Effizienz der Produktionsmittel und der Produkte ("economics of scope") in der Informationsgesellschaft eine bedeutendere Rolle zukommen wird, als sparsam zu Produzieren. Als Freiheit wird die nächste Generation empfinden, wenn ein extra angefertigter Pullover aus einer Roboterfabrik noch am selben Tag im Päckchen vor der Haustüre liegt. Woher die Rohstoffe kommen, was für ein "ökologischer Rucksack" im Produkt steckt, läßt sich dann überhaupt nicht mehr feststellen, denn welche Information im Informationszeitalter dokumentiert wird und welche nicht, das bestimmt in einem immer größeren Ausmaß eine immer kleinere Elite, siehe 5.4.

5.4.3.1 Medienmacht und Gewalt

Der Religionsphilosoph Georg Picht stellte fest: "Ist man in irrationalen Strukturen gefesselt, so bleibt für die vernunftmäßige Verwaltung von Macht nur ein geringer Spielraum. Es gälte also, die politischen Strukturen selbst zu verändern, und dadurch allererst die Möglichkeit für eine sachgemäße Politik zu eröffnen."

In 5.5.3 wird Hjalmar Hegges Konzept der "Dreigliederung der Gesellschaft" [Hegge92] vorgestellt, das von einer funktionsfähigen "politischen Öffentlichkeit" ausgeht. Sie muß durch selbstorganisierte Medien und basisnahe Entscheidungsfindung gestützt werden, um dem Prinzip der Gleichheit bzw. Gleichwertigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Was aber passiert, wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt werden? Noam Chomsky und Edward Hermann haben als schwerwiegende Folgen dieser "Zerschlagung der Öffentlichkeit" die Unterminierung demokratischer Strukturen und letztlich die Blockade jeglicher gesellschaftlicher Kommunikation prophezeit, wenn z.B. die großen amerikanischen Nachrichtenagenturen Hill and Knowlton, Ruder Finn, Watermann and Ass. internationale Propaganda bzw. PR gegen Entgelt [Beham96] anbieten. So wurde etwa Geld dafür flüssig gemacht, um wichtige Verbündete der USA positiv darzustellen, auch wenn der Alltag in diesen Ländern von Menschenrechtsverletzungen und sogar wirtschaftlichen Repressionen geprägt ist: die Türkei, Indonesien, China und Kuweit werden in den letzten Jahren bewußt herausgeputzt. Mitarbeiter der Agentur "Ruder Finn" gaben zum Besten, wie sie ihre preisgekrönte Kampagne für ein unabhängiges Bosnien und Kroatien gestalteten, daß nur durch ein Bombardement serbischer Stellungen zu erreichen war. Dabei mußten skeptische jüdische Kreise in den USA überzeugt werden, da beide Präsidenten bekannt für ihre antisemitische Einstellung waren. Unterhändler der Agentur nahmen schlecht recherchierte Berichte britischer Journalisten über serbische Kriegsgefangenenlager zum Anlaß, jüdische Organisationen auf diese "KZs" aufmerksam zu machen, um sie zu Protestkundgebungen anzuregen. Dabei wurde z.B. ein Foto eines total abgemagerten Mannes hinter Stacheldraht eingesetzt. Sein Zustand rührte nicht von der schlechten Behandlung her, er litt bereits lange vor dem Kriegsausbruch an einer schweren Krankheit, wie spätere Recherchen ergaben. Ich möchte aber anmerken, daß hiermit in keiner Weise die brutale Vorgehensweise der serbischen Militärs und Paramilitärs verharmlost werden soll, ich möchte vielmehr zeigen, wie durch gezielte Selektion und Verfälschung Freund- und Feindbilder konstruiert werden. Mit dieser Kampagne gelang es der Agentur, die Ziele ihrer Auftraggeber zu den Zielen einer Nation zu machen — seit diesem Zeitpunkt wurden "die Serben" mit "den Nazis" gleichgestellt, gegen die "etwas unternommen werden müsse" [Beham96]. Die Agentur "Hill & Knowlton" übernahm diese Rolle im Golfkrieg. Die korrupte, Menschenrechtsverachtende Elite Kuweits mußte zu "ehrenhaften Opfern" einer "Bestie" (Saddam) stilisiert werden. Das gelang hervorragend mit einem dilettantisch gefälschten Video. Das darin gezeigte Mädchen "Nairah" entpuppte sich später als die Tochter des kuweitischen Botschafters in den USA. Die gezielt abgesetzte Meldung eines mehrfachen Kindermordes zu einem taktischen günstigen Zeitpunkt machte die amerikanische Öffentlichkeit dann reif für den "Wüstensturm". Die erwähnten Agenturen arbeiteten eng mit Organisationen der unterstützten Länder wie Kroatien und Kuweit zusammen, etwa um publikumswirksame öffentliche Protestkundegbungen und Diskussionsforen in die Wege zu leiten [Beham96].

5.4.4 Politische Erneuerung und Verbesserung gesellschaftlicher Kommunikation

Ich zitiere zunächst noch einmal Hermann Scheers "Sonnenstrategie": "Politik, in der originären Bedeutung dieses Begriffs, ist Gesellschaftsgestaltung nach Wertvorstellungen, die für alle Menschen gelten können. In der griechischen Philosophie bedeutete politisches Handeln nicht nur Handeln für die Allgemeinheit, im Gegensatz zu privatem, selbstbezogenem und eigennützigem Handeln. Der Begriff Politik drückte auch gleichzeitig eine besondere Form der Gesellschaftsgestaltung aus — er bedeutete ebenso auf Gleichheit und Freiheit bezogenes Handeln, im Gegensatz zu Despotie oder Tyrannei. Diese Rückbesinnung ist bei politischen Erörterungen generell geboten — in einer Zeit, in der nahezu jedes Handeln politisch genannt wird, auch wenn es keinerlei positiven Bezug auf die Allgemeinheit hat. Wir hören Begriffe wie Interessenpolitik, Unternehmenspolitik, Verbandspolitik, alles strenggenommen Widersprüche in sich selbst. Die Verluderung des Begriffs des Politischen geht einher mit dem zunehmenden Versagen der Politik gegenüber den Erfordernissen humaner Gesellschaftsgestaltung.

Dazu gehört vor allem, die Gesellschaft vor existentiellen Bedrohungen zu schützen. Deshalb spielte Sicherheitspolitik immer eine so herausragende Rolle und ist selbst in vielen demokratischen Staatsgesellschaften kein Thema innenpolitischer Kontroversen. Deshalb wurde die klassische Außenpolitik, (Anm.: in der der Mann von der Straße praktisch nichts mitzureden hat) gar als "Königsweg des Politischen" bezeichnet. Erstmals in der Menschheitsgeschichte, auch für die von Naturkatastrophen bisher noch nicht heimgesuchten Gesellschaften, ist die Frage der Erhaltung der natürlichen — und damit der sozialen — Lebensgrundlagen die Sicherheitspolitik der Zukunft geworden. Erstmals kann klassische Außen- und Sicherheitspolitik keinen Beitrag mehr gegen die hauptsächlichen Gefährdungen leisten. "Was nützt uns die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen?", fragte in den 50er Jahren der deutsche Bundeskanzler Adenauer, um den Vorrang einer westlichen militärischen Politik der Stärke zu begründen. Heute müssen wir fragen: Was nützt uns die militärische Sicherheit, wenn das Flächenfeuer unseres Energieverbrauchs alles verbrennt, ausdörrt, fortfegt und verstrahlt, was lebt oder zum Leben gebraucht wird?

Vor dieser Herausforderung bewegen sich diejenigen, die "Realpolitik" für sich reklamieren, auf einer irreal gewordenen Grundlage. Denn mit den herrschenden Paradigmen von Politik und Wirtschaft werden nicht nur großen Teilen der Menschheit die elementaren Lebensgrundlagen vorenthalten, sondern auch diejenigen der entwickelten Gesellschaften werden immer zerbrechlicher. Die gegenwärtig hauptverantwortlichen Akteure können nicht einmal ein problemgerechtes Konzept dagegen vorweisen, weshalb ihre Praxis versagen muß. Ein "Realismus", der nicht imstande ist, die wesentlichen Gefahren für das Gesellschaftsgefüge abzuwenden, kann auch nicht mehr als politisch bezeichnet werden. Allenfalls ist es ein persönlicher Realismus, ausgerichtet darauf, sich individuell einen Platz unter den Eliten zu erkämpfen, die — vielleicht — das zweifelhafte Privileg haben werden, als letzte niedergeschlagen zu werden. Was wir an dieser "Realpolitik" kritisieren, ist nicht ihr Moment des Realistischen, sondern daß sie imaginär, realitätslos ist."

Ob ein neuer politischer Entwurf im Sinne der originären inhaltlichen Bedeutung von Politik realistisch ist, entscheidet sich nach zwei Kriterien:

Wenn ein Konzept jedoch diesen beiden Kriterien entspricht, dann ist es realistisch. Gemäß diesem Prinzip von Hans Jonas ist in der Realpolitik die Tatsache zu akzeptieren, daß der im Moment bequemere Weg in den sicheren Untergang nicht akzeptabel ist. Das Argument des Sachzwanges usw. führt die Idee von Politik dann ad absurdum, wenn sie sich nur mehr als Verwalterin des Untergangs sieht.

Mögliche Auswege werden ich in 5.5 ansprechen, es folgt ein kleiner Überblick wichtiger Schlagworte, die hier auch als "sanfter Weg" umschrieben wird:

Flexibleres Welt- u. Menschenbild ohne esoterisch- religiöse Verklärungen, die letztlich davon ausgehen, daß die materielle Existenz schlecht oder begrenzt ist, so daß eine Verbesserung der Lebensumstände aus eigener Kraft von vornherein als undurchführbar angesehen wird.

Wertewandel: Zukunft in Bescheidenheit, neuer sozialer, ökologischer Wohlstandsbegriff

Bedürfnisse, Ansprüche hinterfragen

Wider dem Wärmetod des Gefühls, die Anonymisierung und Entfremdung

Saure Wochen, frohe Feste

Überschaubare Verwaltungs- und Wirtschaftseinheiten

Rahmenbedingungen für Verantwortung und Selbstorganisation

Tabelle 16: Der "Sanfte Weg"

5.4.4.1 Prinzipien einer politischen Erneuerung

Es folgt eine detailliertere Zusammenfassung wichtiger Prinzipien einer politischen Erneuerung aus [Kanatschnik92] (gekürzt):

Als positive Ansätze einer politischen Erneuerung in Österreich nennt Dietmar Kanatschnik z.B. die Einführung einer EU-konformen Umweltverträglichkeitsprüfung, weiters Maßnahmen zur Abfallvermeidung, Energiesparmaßnahmen (alternative Energiequellen, Wärmedämmung und Energiebuchhaltung) sowie gezielte Forschungsförderungen für integrierte umweltgerechte Technologien.

Das Kommunikationszeitalter: der Staat als Überwacher ...

Aus den zuvor genannten Punkten folgt die schon öfter angesprochene Aufgabe der Politik als "Moderatorin" der gesellschaftlichen Kommunikation, die im Moment aber kaum mehr wahrgenommen wird. Damit sich eben doch nichts ändert, aber daß es andererseits auch nicht heißt, es gebe Redeverbot, werden wir mit scheinbar "objektiver Information" immer nur dann bombardiert, wenn wir sie am wenigsten brauchen können. Neil Postmans These des "sich zu Tode informierens" scheint sich also auf den ersten Blick zu bewahrheiten [Postman]: Millionen von Zeitschriften, Fernsehkanälen und Postwurfsendungen überschütten uns mit unvorstellbaren Mengen an meist nutzlosen Informationen. Mehrmals täglich werden wir mit den selben Nachrichten und Kaufbotschaften gequält, die wir in wenigen Tagen aber trotzdem wieder vergessen haben werden. Der große Lauschangriff, bereits heute über Stimmerkennungssysteme teilautomatisiert, das Digitaltelefon mit Nummerndisplay beim Empfänger, von dem hauptsächlich Firmen mit Telefoncomputern profitieren, die Konto- und Krankenversicherungskarte, Star Wars und Kampfroboter:... die Informationsgesellschaft riecht nach Machterweiterung für die heute bereits mächtigsten Lobbies. Gezielt werden zudem die letzten Fragmente einer funktionierenden Öffentlichkeit (z.B. Alternativmedien) kommerzialisiert [Herman97]. Für die nahe Zukunft hat man sich auf eine noch weiter gehende Strategie geeinigt: amerikanische Firmen (AOL, Apple, DEC, IBM, Toshiba) unterstützen eine "Key recovery" Technologie (KRA), die dem FBI und dem NSA Zugang zu verschlüsselten Daten erlauben sollen. Die Firma Intel überlegt, so eine Hintertüre sogar in ihre Chips einzubauen. Seit in Deutschland ein Fall von Industriespionage bei der Firma Enercon bekannt wurde, die eine Neuentwicklung auf dem Gebiet der Windenergie nicht zum Patent anmelden konnte, weil kurz zuvor eine amerikanische Firma "genau die selbe Idee" hatte, geht die Diskussion in Europa in eine andere Richtung. Sogar CDU und CSU überlegen nun, ihr gefordertes Verschlüsselungsverbot bzw. die staatliche Verschlüsselungskontrolle (e-mail, Internet, Telefon) anders zu organisieren. In den USA können Neuentwicklungen großer Firmen, dazu zählt natürlich auch Microsoft, nur mehr unter Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Nachrichtendienst NSA durchgeführt werden. Da die Produkte weltweit den Markt dominieren, eröffnet sich so eine ungeahnte Spionagespielwiese für die amerikanischen Geheimdienste.

Doch noch ist die letzte Entscheidung nicht gefallen. Die jetzige Entwicklung könnte genausogut durch die Ausbildung einer kritischen öffentlichen Meinung im positiven Sinne beeinflußt werden.

... oder schöne neue Basisdemokratie bzw. der Staat als Dienstleistung

Demokratische Kultur wird bestimmt durch den freien Zugang zu Entscheidungsgrundlagen (Information) und durch die Schaffung der Voraussetzungen zur individuellen Meinungsbildung (Bildung, Politische Kultur, Medienvielfalt) und Meinungserhebung. Meinungserhebung umfaßt die Organisation von Wahlen, Infrastruktur für (elektronische) Umfragen, und einen direkten Draht zu den Behörden, etwa in Form eines rund um die Uhr erreichbaren Bürgerdienstes (Telefon, E-Mail).

Die Schaffung kleiner überschaubarer Verwaltungseinheiten mit möglichst wenig Wechselwirkungen nach Außen im Sinne Schumachers erhöht die Transparenz und erleichtert die Realisierung von umfassenden Mitbestimmungsmöglichkeiten. Autonome, sich weitgehend selbstversorgende Regionen sind anzustreben, d.h. mehr Kompetenzen für Bezirke und Gemeinden sowie die lokale Förderung des Agrarsektors und der Direktvermarktung. Solche Kommunen könnten freiwirtschaftliche Experimente im Sinne Proudhons vorantreiben [Proudhon87], um neue Formen der ökonomischen Kommunikation zu entwickeln. Ein weiterer Vorteil solcher Strukturen ist die Abkoppelung vom riskanten Pokerspiel auf den internationalen Märkten. Der ständig wachsende Zahl von "Ausgestoßenen" des kapitalistisch-plutokratischen Systems, also dem "Heer der Arbeitslosen" könnte auf diese Weise eine alternative Form der Existenzsicherung angeboten werden, die langfristig gesehen eine effizientere Investition als das Aufrüsten des Repressionsapparates (Polizei, Heer) wäre. Das Prinzip der kleinen autonomen Einheiten sollte auch in der Energiewirtschaft und Kommunikationstechnik angewendet werden. Außerdem empfehle ich eine engere Kooperation mit technischen Fachschulen und Universitäten in diesem Bereich. Solange die benötigte Infrastruktur von öffentlichem Interesse ist, können und sollen Planungsaufgaben und die Einführung alternativer Technologien von den Steuermitteln für die Hoch- und Fachschulausbildung mitfinanziert werden, z.B. durch Praktika, Diplomarbeiten, Dissertationen und geförderte Projekte.

Arbeitsabläufe, Projekte und Organisationen der Verwaltung und der politischen Parteien sind anschaulich zu dokumentieren und öffentlich zugänglich zu machen, wenn möglich nach Namen-, Arbeitsbereichen und nach Projekten sortiert. Über ein unbürokratisches Telefonservice, Mailboxen oder öffentliche Terminals kann eine kostenlose, zielgerichtete schnelle Suche rund um die Uhr ermöglicht werden. Erste Schritte in diese Richtung stellt das Wiener "Citynetz" dar, das aber für meinen Geschmack etwas zu tief im Dunstkreis der Wiener "Einheitspartei" angesiedelt wurde. Der Wiener SPÖ (Sozialdemokratische Partei) ist es bis zuletzt gelungen, ihre Vormachtstellung in allen wesentlichen Bereichen des urbanen Lebens abzusichern.

Jedenfalls könnten damit verantwortliche Personen und Institutionen leicht gefunden und bequem erreicht werden (Stichwort E-Mail). Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsabläufe sind schneller erfaßbar, jede(r) Betroffene kann sich äußern. Änderungen lassen sich rascher umsetzen. Zu jedem Behördenweg sollte ein anschauliches Diagramm der beteiligten Stellen, zusammen mit allen benötigten Formularen und unterlagen veröffentlicht werden. Elektronische Formulare haben beim Ausfüllen aktiv Hilfe zu leisten und finden anschließend den Weg zur zuständigen Stelle automatisch.

Die rasche Verbreitung von Informationen im Internet hat schon erste konkrete Auswirkungen in der "Realpolitik" wie ein vorläufig verhindertes weltweites Abkommen über "Rechte von Investoren" (MAI) gezeigt hat. Dabei wollten sich Konzerne die Möglichkeit sichern, nationale Regierungen für jede entgangene Profitmöglichkeit zu klagen, z.B. wegen einer Änderung von Umwelt- und Arbeitsschutzbestimmungen. Allerdings gelangte einer der Entwürfe durch Indiskretion sehr rasch an die Öffentlichkeit, er wurde nämlich im Internet publiziert, von wo ihn alternative Organisationen rund um die Welt an die Öffentlichkeit brachten. Die von der Industie abhängigen Massenmedien hingegen haben diese Informationen zunächst ignoriert.

Für einen Rechtsstaat selbstverständlich sollte eine Rechtsberatung mit Hilfe von frei zugänglichen und einfach zu bedienende Rechtsdatenbanken sein, aber auch die Förderung institutioneller Rechtsberatungen (z.B. Mietervereinigung). Das Bundeskanzleramt stellt seit einiger Zeit eine Online-Datenbank für Rechtsfragen zur Verfügung.

Eine in der MacWorld 10/94 erschienene Umfrage zum Data Highway scheint den Trend zu mehr direkter Demokratie bei gewisser Teilen der Bevölkerung zu bestätigen. Die Umfrage war eine klare Absage an Pay-TV (Hundert tausende Wunschfilmkanäle) sowie Pizza-bestellen-übers-Netzwerk. Es führen: "Elektronische Wahlen, Informationsbibliotheken, Fernuniversitäten, und Schulinformationssysteme", dann u.a. "Teilnahme an Meinungsumfragen, öffentlichen Gesprächsforen, und das Abrufen von Regierungsinformationen." "Wunschvideo" kommt erst an 10ter Stelle von 26 Punkten. Der große Hit des Jahres 1998 waren Online-Chats, z.B. der "IRC" (Internet Relay Chat), eine Einrichtung, die erlaubt, einen ausgewählten Kreis von Gesprächspartnern jeder Zeit im Internet aufzuspüren und "anzureden". Die Lust des Menschen am Kommunizieren und Schwätzen hat ihren Niederschlag in der modernen Technologie gefunden.

Seitens der BürgerInnen ist neben dem Konsum seichter, passiver Unterhaltung, selbständiges Informieren von Nöten. Die tägliche Arbeit sollte niemandem die Kraft nehmen, sein Bild über die Welt ständig zu erweitern, was nicht nur durch den passiven Genuß von vorgefertigten Massenprogrammen bewerkstelligt werden kann.

Für ein produktives Nebeneinander von Informationen unterschiedlicher Qualität

Nicht die Freiheit der Entscheidung, und somit auch zur Fehlentscheidung, sondern vor allem der Zugang zu ausreichender Information bilden die Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft. Breiter Informationszugang kann durch die zahlreichen kommerziellen und politischen Interessen der Massenmedien heute aber nicht mehr gewährleistet werden. Ausnahmen bilden hochstehende Publikationen für wissenschaftlich orientiertes Publikum, bzw. Dokumentationen, welche von professionell arbeitenden Non-Government Organisationen (NGO: Nicht-Regierungsorganisationen) publiziert werden. Kommerzielle Medien besitzen allerdings einen gewissen Unterhaltungswert, und decken unpolitische Fakten rasch und effizient ab. Riecht ein Thema nach Einschaltquoten, dann wird rund um die Uhr darüber berichtet, auch wenn die KonsumentInnen längst schon übersättigt sind.

Die erwähnten Medien vermögen aber die InformationskonsumentInnen nicht aus ihrer passiven Haltung zu befreien — bzw. haben daran kein Interesse. Aus diesem Grund müßte neben den angesprochenen "professionellen" Medien eine breite, alternative, basisnahe Medienlandschaft gefördert werden, welche an Stelle des verbreiteten Rundfunkmonopols treten könnte, um das Angebot kommerzieller Unternehmungen zu ergänzen.

Hin und wieder ist es nämlich unumgänglich, sich durch persönliche Anwesenheit und Kontakte ein Bild von Situationen zu machen. Aktive Teilnahme am Mediengeschehen setzt voraus, Journalisten, und journalistisch tätige Gruppen nicht nur persönlich zu kennen, sondern diese auch bei ihrer Arbeit zumindest kurzzeitig vor Ort zu unterstützen, oder noch besser von Zeit zu Zeit selbst journalistisch tätig zu sein. Deshalb sollte jede(r) BürgerIn, wenn auch nur für kurze Zeit, z.B. im Rahmen des Schulunterrichts, in seinem/ihrem Interessensgebiet publizieren.

Die gehaltvollsten, am wenigsten verfälschten Information sind immer die selbstständig erarbeiteten. Als wertvoll anzusehen sind außerdem Nachrichten aus erster Hand, die von persönlich bekannten Personen recherchiert wurden. Eine tiefere Stufe stellen Informationen aus einem Netzwerk von kooperierenden Medien dar, die zwar nicht vollständig bzw. direkt, aber zumindest teilweise bzw. indirekt durch persönliche Kontakte verbunden sind. Wenig wert bis nutzlos sind Informationen kommerzieller Dienste, deren ökonomische und politische Hintergründe und Motivationen nicht nachvollziehbar sind. Besonders kritisch sind sogenannte "unabhängige" Institutionen zu bewerten, denn eine solche vorgeschobene "Unabhängigkeit" gibt es in der Praxis nicht. Vielmehr deutet eine derartige Deklaration darauf hin, daß Eigeninteressen verschleiert werden sollen.

"Direkte Beteiligung" kann auch in anderen Gesellschaftsbereichen von großem Nutzen sein. Das Rollenspiel zur Erhöhung des Vertrauens in bestimmte Institutionen bzw. Arbeitsprozesse hat sich sowohl im Personalmanagement als auch in der Rechtsprechung bewährt. Das Schöffengericht versetzt theoretisch jeden Staatsbürger einmal in die Lage, selbst an einer Urteilsfindung teilzunehmen. Mitarbeiter des mittleren Management im Ikeakonzern müssen zumindest kurzzeitig alle Rollen in der Firma übernehmen, und erhalten einen guten Einblick in die tatsächlichen Arbeitsabläufe. Leider bleibt dabei die Rolle der BilligstarbeiterInnen in ehemaligen Ostblockländern wie Rumänien ausgespart, die einen Großteil des Ikeasortiments für Hungerlöhne produzieren. Tischdecken aus Malaysia, Tassen aus China, so sichert das "unmögliche Möbelhaus" seine Profite.

 

5.4.4.2 Schutz der Privatsphäre als politisch-ethisches Prinzip

Die Idee der Transparenz und der demokratischen Entscheidung ist nur auf öffentliche Unternehmungen anzuwenden, wobei jede Maßnahme möglichst wenig in die Privatsphäre de(s/r) Einzelnen eingreifen soll. Auch das systematische Sammeln von Informationen über Personen hat prinzipiell als Eingriff zu gelten. Bei geeigneten Verfahren der Beschaffung notwendiger Informationen, z.B. für politische Entscheidungen, sind von vornherein nur sehr beschränkt Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich, ganz auszuschließen sind sie aus technischen Gründen aber nie.

Wenn immer ich in vorangegangenen und späteren Kapiteln von gemeinschaftlichen Lebensexperimenten, der Theorie des kommunikativen Handelns, und dem herrschaftsfreien Dialog spreche, müssen wir im Hinterkopf behalten, daß damit der gleichberechtigte Zugang zu gemeinschaftlich genutzter Information untrennbar verbunden ist, freilich auch das Recht, sich diesem Informationsangebot zu verweigern.

Die folgenden notwendige Maßnahmen und Forderungen können aus dem Gesagten unmittelbar abgeleitet werden, ich zitiere Andreas Müller-Maguhn vom erwähnten "Computer Chaos Club Berlin" [Müller95]: "Die elektronischen Netzwerke werden schon bald ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens in der Informationsgesellschaft sein. Mit der Entwicklung der Datenautobahnen durch Industrieunternehmen ist es aber nicht getan. Voraussetzung für eine demokratische Informationsgesellschaft und somit Pflicht der staatlichen Organe ist die Einrichtung von Daten-"Gehsteigen," die als niederschwellige Netzwerkzugänge einen freien Zugang für alle BürgerInnen erlauben."

Bevor "elektronische Demokratie" als konkretes Projekt angedacht werden kann, ist eine demokratische Informationsgesellschaft Voraussetzung.

 

5.5 Die Suche nach dem gemeinsamen und persönlichen Glück

Während sich die Ethik mit der Beziehung der Menschen und "Mitwelt" untereinander beschäftigt, zielt die Moral eher auf individuelle Einsichten und Verhaltensweisen bzw. auf konkrete Umsetzungen ethischer Prinzipien ab. Ich werde als Zusammenfassung der vorangegangenen Diskussionen einen ethischen und moralischen Appell an die geneigte Leserin bzw. den geneigten Leser richten, und hoffe, daß dieser Überblick nach dem bereits gesagten nicht als "Katechismus" oder "ethisch-moralische Normen" bzw. Verhaltensregeln fehlinterpretiert wird.

Ich habe in den folgenden Unterkapiteln bewußt auf Literatur- und Querverweise verzichtet, um nicht vom Wesentlichen abzulenken. Es werden praktisch alle vorangegangenen Kapitel einbezogen.

5.5.1 Vielfalt und Gemächlichkeit - Die Kunst des Wohlbefindens

Alexander Langer: "Wenn sich nicht die Überzeugung von der sozialen Wünschbarkeit des "langsamer, tiefer, freundlicher (Lentius, profundius, suavius) durchsetzt und als neues Wohlstandskonzept um sich greift, wird keine Einzelmaßnahme vor der Mißachtung, dem Unterlaufen oder Austricksen sicher sein.

Insofern kann ökologische Politik nur auf der Grundlage neuer (oder vielleicht alter?) kultureller und zivilisatorischer Einsichten wirksam werden, deren Herausarbeitung natürlich vor allem außerhalb der Politik im strikten Sinne vor sich geht. Dazu können religiöse und ethische, soziale und ästhetische, traditionsgebundene und auch ethnische (d.h. in der Geschichte und Identität eines Volkes begründete) Motivationen ausschlaggebende Impulse liefern. Von der Politik wird man erwarten müssen, daß sie Schritte setzt, die gleichzeitig Ansätze zu einem Kurswechsel enthalten und Lust machen auf die Wende: eine bloß bestrafende Ökologie-Politik, die mit Sack und Asche wirbt und pauperistische Ideale (Verzicht, ...) beim Publikum voraussetzt, wird im demokratischen Wettbewerb chancenlos dastehen."

Die Forderung nach Gemächlichkeit, also einem angemessenen Zeitmaß für verschiedene Lebensprozesse kann aus der Analyse dieser Prozesse und ihrer Evolution gewonnen werden, wie ich im dritten und fünften Abschnitt erläutert habe.

Neben der politischen und biologischen Dimension hat die Forderung nach Gemächlichkeit auch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für das Individuum. Erich Fromm führt drei Eigenschaften an, die zum Erlernen jeder Kunst, also auch der des "sich Wohlfühlens" notwendig sind. Vor allem erfordert die Ausübung einer Kunst Disziplin. Der moderne Mensch zeigt außerhalb der Sphäre seiner Berufsarbeit kaum mehr Selbstdisziplin. Unsere Großväter hätten uns empfohlen, morgens früh aufzustehen, keinen Luxus zu treiben und hart zu arbeiten. Diese Art von Disziplin war starr und autoritär, und war in vieler Hinsicht lebensfeindlich. Einen ausgewogenen Schlafrhythmus finden, Zeit zum meditieren, Lesen, Musik hören und Spazieren gehen nehmen, nicht zu viel Ablenkung suchen und übermäßig Essen und Trinken wären einige auf der Hand liegende Grundregeln. Fruchtbare Selbstdisziplinierung wird nicht als Einschränkung wahrgenommen, wenn sie in "Fleisch und Blut" übergegangen ist.

Ohne Disziplin fehlt es an Konzentration. Daß diese Konzentration eine unumgängliche Vorbedingung jeder Meisterschaft in einer Kunst ist, wird jedem/jeder aus eigener Erfahrung bekannt sein. Trotzdem ist Konzentration in unserer Kultur sogar noch seltener als die Selbstdisziplin. Man tut vieles gleichzeitig, und pflegt eine zerstreuende Lebensweise. Das zuvor angesprochene Rauchen ist eines dieser Symptome des Mangels an Konzentrationsfähigkeit; es beschäftigt Hände, Mund, Augen und Nase zugleich. Eine dritte Voraussetzung ist Geduld. Wiederum weiß jeder, der jemals eine Kunst zu meistern versuchte, daß man/frau Geduld haben muß, wenn man/frau etwas erreichen will. Unser gesamtes Industriesystem ist genau dem Gegenteil förderlich: der Geschwindigkeit. Der Mensch meint, er würde etwas verlieren — nämlich Zeit —, wenn er nicht alles schnell erledigt; und dann weiß er nicht, was er mit der gewonnen Zeit anfangen soll — und er schlägt sie tot. Diese Tugenden sind nun in jeder Phase des Lebens praktisch zu üben, sie stellen sich nicht von selbst ein. Es folgt nun der angekündigte moralische und ethische Appell.

 

5.5.2 Moralischer Appell (We-4)

Nimm die Suche nach deinem persönlichen Wohlbefinden ernst, und nimm sie vor allem selbst in die Hand. Dazu mußt du "persönliche Erfahrung" sammeln, die nicht nur aus Kontoständen, sondern auch aus einer jährlichen "Gefühlsernte" besteht.

Zum Zeitpunkt deiner Zeugung warst du ein genetisch programmierter, biologischer Roboter, dem von Geburt an das Lieblingsprogramm der gerade herrschenden Elite einprogrammiert wurde. Sieh dich als einzigartige Ausformung von ständig ausgetauschter Materie bzw. Energie, und respektiere die materiellen Bedürfnisse dieses sich ständig wandelnden Wesens. Denke zum Beispiel daran, daß deine Hülle, die Haut, sich jeden Monat fast vollständig erneuert. Dein Körper ist kein starres Ding, er fließt und verändert sich ständig. Er formt sich nach den Anforderungen, die du an ihn stellst.

Apropos "Bedürfnisse", hüte dich davor, Wünsche anderer zu deinen eigenen Bedürfnissen zu machen. Allerdings mußt du das erwähnte Gesellschaftsprogramm kennen, das, wie gesagt jedem Neugeborenen aufgezwungen wird, um deine Mitmenschen zu verstehen, die sich von diesen Vorgaben nicht befreien konnten. Um "persönliche Erfahrung" zu sammeln mußt du aber über dieses Programm hinausgehen, denn es wurde nicht zu deinem Wohl geschaffen, wie man/frau dir ständig einredet. Es ist vielmehr ein Sammelsurium aus Kompromissen der Mächtigsten und irgendwelchen historischen Zufälligkeiten. "Persönliche Erfahrung" sammeln heißt, sich eine eigene Welt zurechtzulegen, aber nicht irgendeine, z.B. aus Protest, aus Angst und Ärger. In dieser, deiner Welt mußt du dich wohl fühlen können, du mußt in dieser Welt mit dir und deinen Taten zufrieden sein können, dich und andere lieben können, und du mußt sie deinen Mitmenschen erklären, und schmackhaft machen können.

Du wirst schnell bemerken, daß du trotz deiner "Verselbstständigung" keine freie Wahl hast, wenn du deine Erlebnisse ordnest, dir Wörter zurechtlegst, und sie mit Eigenschaften, Gefühlen und Werten belegst.

Andere Menschen wollen in deiner Welt berücksichtigt werden, und so wie du dir wünscht, daß sie dir das mitteilen, so solltest du dich selbst mitteilen. Glaube nicht an das personifizierte Böse und Gute, daß irgendjemanden verführen oder beglücken will. Gut ist, was du als gut empfindest, schlecht ist bloß, passiv auf ein Wunder zu warten. Gestehe diese Erfahrung auch allen anderen Lebewesen zu, und versuche sie zu verstehen, statt sie zu bekämpfen oder zu kontrollieren. Aggressives und von Angst getriebenes Kämpfen bedeutet, auf den Mund, das Gefühl und die Vernunft zu vergessen. Hände können töten und helfen, sie "müssen" selten etwas .

Egal ob es diese anderen Menschen, diese Welt nun wirklich gibt, darüber sind sich nicht einmal die weisesten PhilosophInnen und TheologInnen einig, du weißt genau, daß du die Folgen deiner Vorstellungen und deiner darauf aufbauenden Handlungen präsentiert bekommen wirst. Und zwar nicht zu irgendeinem jüngsten Gericht, sondern noch heute, und morgen früh schon die nächsten.

Nimm dir Zeit für diese Abrechnung! Höre auf deine Gefühle, Stimmungen und Träume, lerne sie zu verstehen, und so weit das möglich ist, zu kontrollieren. Versuche nicht, die Augen vor diesen Rechnungen zu verschließen, in dem du dich betäubst! Vergiß nicht, daß du zu einem großen Teil ein biologischer Roboter mit einem begrenzten Programm bist! Du kannst dich esoterischen Künsten hingeben, von großartigen Geheimnissen anderer Dimensionen träumen, aber letztlich kannst du nicht aus deiner Haut fahren. Dafür wird dir diese wertvolle Haut nach solchen Träumereien vielleicht als schäbiges Gefängnis erscheinen. Sie ist aber genau das Gegenteil, nämlich deine Garantie zu leben!

Vergiß nicht, daß das angesprochene genetische Programm dort draußen entstanden ist, jenseits unserer Häuser, außerhalb der gemütlichen Wohnzimmer und Fernsehsofas. Dort waren unsere Vorfahren jeden Tag viele Kilometer zu Fuß unterwegs, ohne Straßen, Fahrräder und Autos. Sie haben den Funken des menschlichen Lebens auf diese Weise Millionen von Jahren erhalten. Glaube nicht, daß du dich über diese Erfahrungen und Prägungen so leicht hinwegsetzen kannst, nur weil die "Revolution der Technik" in den letzten lächerlichen hundert Jahren aufsehenerregende Veränderungen nach sich zog. Das, was dich am Leben erhält, was dein Leben ausmacht, hat sich dadurch kaum geändert. Im Maßstab der biologischen Evolution sind seit diesen zweifelhaften Errungenschaften bloß ein paar Sekunden vergangen.

Um zwei wesentliche Bedürfnisse deiner "Seelen-Wohnung", deines Körpers also, wirst du dich nicht herumdrücken können, wie das viele Menschen des anbrechenden 21 Jahrhunderts versuchen. Dein Körper will gefordert werden und sucht Ergänzung. Das soll heißen, du brauchst Bewegung, du brauchst Herausforderung. Mit Ergänzung ist gemeint, daß du es nicht alleine schaffen wirst. Du brauchst Gemeinschaft, aber auch Liebe und Trost. Das Erbe der Jahrmillionen alte Menschheitsgeschichte wird es dir auch nicht leicht machen, dich einfach vor der "Fortpflanzung", bzw. "Reproduktion" zu drücken. Dein genetisches Programm hat deshalb einen Sexualtrieb vorgesehen, ein diffiziles Hormonsystem und Gefühlsleben, daß dich immer wieder in eine Stimmung bringt, die dich auf die Suche nach "dem Richtigen" oder nach "der Richtigen" treibt.

Ich möchte noch einmal die Erkenntnis Erich Fromms in Erinnerung rufen, daß menschliche Fähigkeiten durch ihre Anwendung nicht "abgenutzt" werden, ganz im Gegenteil, sie wachsen! Das gilt ganz besonders für die "Liebe" und damit verwandte Fähigkeiten. Da hier eine materialistische Philosophie vertreten wird, sollten wir uns bewußt machen, daß Liebe als Gefühl, bzw. Stimmung durch "Arbeit" unserer "Seelenwohnung", des Körpers also, bereitgestellt werden muß [Picard97]. Du brauchst also deinen Körper, um überhaupt etwas empfinden zu können. Wie immer das im Detail funktionieren mag, ist eigentlich unwichtig, außer vielleicht für Pharmamultis, die auf Riesengeschäfte mit Wunderpillen hoffen. Aber ihre Bemühungen gehen sicherlich ins Leere, denn das angesprochene "Wohlbefinden" stellt sich durch ein abwechslungsreiches Auf und Ab und nicht durch ein gekauftes "Superhoch" ein.

Wenn sich körperliche, aber auch die "geistige" Liebe als Gefühl nur durch "Arbeit" unseres Körpers realisieren läßt, kannst du nicht erwarten, immerwährend und intensiv lieben zu können, denn dein Körper braucht auch Erholung und Abwechslung. Wer die ewige Liebe sucht wird deshalb sicherlich enttäuscht, er/sie kann sie weder finden noch geben. Ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, daß dein Körper ein komplexer, in Veränderung befindlicher "Prozeß" ist, deshalb muß auch die Liebe immer wieder neu erarbeitet werden, bei dir, wie bei deiner Familie, deinen Freunden, bei deinem Partner usw. Genauso wie du nicht ständig Liebe ernten kannst, solltest du die Saat nicht ewig für den "großen Moment" bewahren, denn deine Fähigkeiten wachsen nur durch ihre Anwendung. Für das angestrebte Wohlbefinden mußt du regelmäßig säen, andere säen lassen, ein passendes Klima schaffen, die jungen Pflänzchen pflegen. Du solltest aber auch nicht vergessen, immer wieder deinen Teil der Ernte zu sichern.

Lerne deshalb den Rhythmus und die Zusammenhänge in deinem Körpers, in deinen Empfindungen und Stimmungen zu verstehen! In gleicher Weise kannst und sollst du das auch für die Welt um dich herum tun. Dann wird es dir leichter fallen, etwas gegen schlimme, ängstigende, existenzgefährdende oder langweilige "Rechnungsabschlüsse des Gefühls" zu unternehmen, und dafür viel öfters gute, spannende, lustige, aufregende "Gefühlsernten" einzufahren. Sei dabei flexibel, vertraue auf die Methode des Experimentes. Glaube aber niemals daran, daß dir nach dem ersten Erfolg in diesem Spiel "Gesetze" mit allgemeiner oder gar ewiger "Gültigkeit" geoffenbart wurden. Die gibt es nicht, meinen zumindest die weisen Philosophen ausnahmsweise in trauter Einigkeit. Dein Wesen beruht, wie zuvor erwähnt, auf der Erfahrung von Millionen Jahren der Evolution. Es ist deshalb wohl am ehesten das gut, was du als gut empfindest, und das kann niemand für dich planen, oder errechnen. Aber du kannst es erleben, bzw. erfahren! Laß dich nicht von Fragestellungen überfahren, in denen von falschen Annahmen, bzw. Voraussetzungen ausgegangen worden ist. Erlaube dir, die Fragen neu zu formulieren, sobald du alle Seiten sorgfältig gehört hast.

Wenn du die Wahl hast, prüfe zuerst den "inneren" Pfad (Reise in/Hören auf - sich selbst), und vergiß nicht, daß die Alternative der "physischen Weltveränderung" auf Grund der Komplexität und Rückkoppelung biologischer, sozialer und ökonomischer Systeme meist mehr unliebsame Überraschungen als langfristige Erfolge beschert. Wenn du meinst, keine Wahl zu haben, dann wähle die dritte, die andere, nicht bedachte Alternative. Wenn dir jemand von realen oder mystischen Sachzwängen, Einschränkungen oder Notstandsparagraphen erzählt, laufe nicht ängstlich mit. Sammle deine Kräfte, und öffne dir und solchen falschen Propheten die Augen. Lerne dich zu konzentrieren, und im rechten Moment zu entspannen und zu zerstreuen. Menschliche Kraft kommt nicht bloß vom Essen oder der größeren stärkeren Maschine. Kraft gewinnst du durch Routine, Entspannung und Freude — und wenn es sein muß auch durch Zorn. Vertraue nicht auf eines dieser Extreme, oder gar einem anzustrebenden "Mittelmaß", sondern auf ein harmonisches Wechselspiel.

Verwechsle nicht Langsamkeit oder Beschleunigung mit der natürlichen Zeitlichkeit der Dinge. Gut Ding braucht Weile, aber nicht unbedingt Langeweile. Langeweile verwechsle nicht mit Sicherheit. Wie kann es im Zeitalter der Quantenphysik und des "Multiversums" Sicherheit geben? Spaß, Freude, Liebe und gegenseitige Achtung sind die Ernte einer passenden, persönlichen Moral.

5.5.3 Ethischer Appell mit einem entsprechenden Gesellschaftsmodell (We-4)

Mit dem folgenden Ethikentwurf will ich aufzeigen, wie dem vorangegangenen moralischen Appell der Weg geebnet werden kann, bzw. welche Rahmenbedingungen und Auswirkungen damit verbunden sind. Mein Ethikkonzept konzentriert sich deshalb auf eine kritische Durchleuchtung des "äußeren Weges der Weltveränderung", und bietet Ansatzpunkte einer Neuorientierung am erwähnten "inneren Weg", des "in sich Gehens", des "sich selbst Beobachtens" und des immerwährenden Experimentierens.

Zunächst soll die Erkenntnis vorangegangener Kapitel in einem Diagramm zusammengefaßt werden, das auf Hjalmar Hegges Konzept der "Dreigliederung der Gesellschaft" beruht [Hegge92]. Ich bitte allerdings, auch meine Bemerkung zu dieser nicht unumstrittenen Persönlichkeit in 2.1.4 zu lesen.

 

Bereich des Geistes und Kulturlebens [Hegge92]

Sphäre der Vielfalt und Autonomie

Ziel: Entfaltung individueller Fähigkeiten und Überzeugungen, z.B. in Schule, Forschung, Kunst, Religion und in einem pluralistischen Parteiensystem

Abbildung 40: Bereich des Geistes- und Kulturlebens

Das Verständnis dieser Zusammenhänge hilft, sowohl bei der Gestaltung des äußeren Weges, als auch bei der Entfaltung im "Inneren" (seelischen Bereich) der Mitglieder einer derart organisierten Gesellschaft. Es handelt sich dabei natürlich nur um einen Entwurf, der in der schrittweisen Umsetzung durch ständige Rekapitulation und politische Diskussion verfeinert, vielleicht auch abgeändert werden muß.

Eine Vermischung der Sphären und eine Anwendung falscher Prinzipien in den einzelnen Bereichen kann fatale Folgen nach sich ziehen, die ich am Beispiel des "Doppelstaates" im dritten Reich (siehe 3.1.5) und am Beispiel der kommunistischen und faschistischen "Kulturrevolution" erläutert habe.

 

Politisches und rechtliches Leben, Gesundheit- u. Versicherung [Hegge92]

Sphäre der Gleichheit

Ziel: basisdemokratischer Entscheidungsprozeß, Motivation durch persönliche Anteilnahme an der Entstehung gesellschaftlicher Regeln und Kompromisse zum Wohle der Allgemeinheit, Flexibilität bewahren. Gesundheitliche und finanzielle Risken sollten nach einem fairen Gesellschaftsvertrag nach dem Verursacher- und Gleichheitsprinzip aufgeteilt werden. In diesem Bereich ist ein deregulierter Markt ineffizient.

Abbildung 41: Bereich des Politischen und rechtlichen Lebens

Bereich des ökonomischen (wirtschaftlichen) Lebens, Verkehrswesen [Hegge92]

Sphäre der Brüderlichkeit, der gegenseitigen Hilfe und der Selbstorganisation

Ziel: Arbeit zur Bedarfsdeckung und Geistesleben (Sphäre der Freiheit) sollen durch Kooperation eine abwechslungsreiche Lebensgestaltung ermöglichen. Das ökonomische Leben beruht auf Zusammenarbeit, einer gesellschaftlich organisierten Evolution von Produktionsmethoden und gemeinsamer Forschung zum Wohle der Allgemeinheit. Freie Preisbildung unter Berücksichtigung ökologischer und gesellschaftlicher Vorgaben soll die nötige Flexibilität gewährleisten. Langfristig sollen aber die Kontoführung von Schuld und Überfluß sowie Eigentumsrechte durch Nutzungsrechte und gegenseitiges Vertrauen ersetzt werden. Destabilisierende Faktoren wie Kapital- und Bodenzins sind zu eliminieren.

Abbildung 42: Bereich des ökonomischen Lebens

Das angedeutete "Nutzungsrecht" zur Bedarfsdeckung sichert die persönliche Freiheit bzw. Entfaltungsmöglichkeit im ökonomischen Bereich, ähnlich wie die freie Meinungsäußerung im privaten und politischen Bereich. Beide sichern die individuelle Einsicht, Initiative und die Entfaltung individueller Fähigkeiten nachhaltiger als irgendwelche Förderungsprogramme. In diesem Modell wird auch deutlich, daß sich Politik und Wirtschaft nicht in die Privatsphäre und das Kulturleben einmischen dürfen, andererseits ihren Beitrag zur Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen leisten müssen. Die Politik ist zu verstehen als vermittelnde, moderierende und organisierende Instanz z.B. bei der Schaffung von Infrastruktur wie Schulen, Theater usw.

Politische "Führung" hat sich, wie ich bereits mehrfach erwähnt habe, generell als vermittelnde Kompetenz (kompetente Autorität) und durch die Moderation einer partizipativen Entscheidungsfindung (eigentlich "Realitätserfindung") zu äußern, um trotz beschränkter Zeit und Menge an kommunizierbaren Inhalten rasch auf notwendige Änderungen reagieren zu können.

Das zu Grunde gelegte Prinzip der Gleichheit gilt aber nicht nur für politische Fragestellungen, sondern auch in der Rechtsprechung, sowie im Gesundheits- und Versicherungswesen. Folglich sind die wichtigsten Rahmenbedingungen dieser Bereiche gemeinschaftlich zu organisieren. Die Wirtschaft, in diesem Modell sind damit aber nicht bloß UnternehmerInnen, sondern alle tätigen Gesellschaftsmitglieder in ihrer "wirtschaftlichen Funktion" gemeint, sichert die Finanzierung des Geistes- und Kulturlebens aber auch des politischen Lebens, ohne daß daran Bedingungen wie Werbeeinschaltungen und dergleichen gehängt werden dürfen. Da jeder Mensch in alle der genannten Bereiche eingebunden ist, profitiert er/sie auch von Maßnahmen in allen Bereichen.

Um dem Problem des unterschiedlichen Engagements z.B. bei der Bedarfsdeckung zu begegnen, schlage ich ein zweistufiges System der modernen Zivilisation vor. Vorrangig ist eine Basisebene zu schaffen, die einzig auf die nachhaltige Bedarfsdeckung ausgerichtet ist. Diese Basisebene stellt übrigens eine Erweiterung des von Jeremy Rifkin vorgeschlagenen "Dritten Sektors" dar, der alle bezahlten und unbezahlten Beiträge zum kulturellen Leben umfaßt.

Das Diagramm auf der nächsten Seite veranschaulicht die Koordinierung dieser Sphären. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung von Hegge’s Gesellschaftsmodell [Hegge92].

 

wirkt auf:

Geistes u. Kulturleben

(Vielfalt, Autonomie)

Politisches Leben

(Gleichheit)

Ökonomisches Leben

(gegenseitige Hilfe, Sub-sistenz, Selbstorganisation)

Geistes u. Kulturleben

Selbstentfaltung, innere Harmonie, Selbstbestätigung

zwei Ebenen: Leben lernen mit einfachsten Mitteln, Orientierung am "Sein" und nicht am "Haben" als Ideal, Entfaltung im Talentemodell - sowie in der "Luxusebene" (Industriegesellschaft), falls verfügbar

Parteienvielfalt, Garantie gleicher Rechte, z.B. Nutzungsrecht an Produktionsmitteln, Organisation einer Infrastruktur zur individuellen Entfaltung, z.B. Schulen mit selbst bestimmten Lernen, Wohngemeinschaften, Versicherungs- und Gesundheitswesen, Privatsphäre...

Fördert das kulturelle Leben durch bedingungslose Geschenke, (nicht durch Werbepropaganda), fördert Forschung zum Wohle der Allgemeinheit durch bedingungslos zur Verfügung gestellte Infrastruktur, Forschung ist nicht zweckgebunden, aber zumindest thematisch gebunden, Patenteinnahmen nur zur Kostendeckung

Politisches Leben, Rechtsprechung, Gesundheits- u. Versicherungswesen

Politische Öffentlichkeit mit Rahmenbedingungen zum herrschaftsfreien Dialog, freie, selbstorganisierte Medien, Fachgremien, Kulturrat, Erziehung zum selbstbestimmten Leben mit gegenseitiger Rücksichtnahme

Anteilnahme und Akzeptanz bei der Schaffung einer gemeinsamen Realität, Normen, Institutionen

zwei Ebenen: Schaffung einer Infrastruktur zur Grundsicherung (nachhaltige Lebensmittelproduktion, Wohnraum, einfache Energieversorgung) - sowie weiterentwickelte Infrastruktur für die "Luxusebene" falls verfügbar

Sichert mit bestimmten Anteil an tatsächlichen Einnahmen durch ökologisch - sozial gestaltetes Steueraufkommen die Rahmenbedingungen für einen herrschaftsfreien Dialog in der politischen Öffentlichkeit.

Technische Innovationen eröffnen neue politische Handlungsmöglichkeiten. Dienstleistungen zur Sicherung des politischen Lebens, der Versicherung und des Gesundheitswesens schaffen regelmäßige Aufträge unter gut kalkulierbaren Rahmenbedingungen.

Ökonomisches Leben, Verkehrswesen, Rohstoffgewinnung,

Finanzierung

Kraft eines Nutzungsrechtes an Produktionsmitteln, Kapital und Boden (und nicht an fertigen Gütern oder bloßem Konsum, bzw. einem Grundeinkommen) sowie der Möglichkeit zur Forschung zum Wohle der Allgemeinheit wird die kreative Auseinandersetzung mit der Bedarfsdeckung gefördert: Selbstentfaltung ...

Sicherung des gleichen Rechtes auf Bedarfsdeckung und Ressourcen, über ein nach ökologischen und sozialen Kriterien gestaltetes Steuer- und Versicherungssystem sollen Rahmenbedingungen für eine weitgehend selbstorganisierte Wirtschaft nach dem Prinzip der Kooperation geschaffen werden, die gleichzeitig ökologische Kriterien berücksichtigen.

Anregende Mischung aus gemeinsamer Arbeit zur Bedarfsdeckung und Selbstentfaltung, Selbstbestätigung und Absicherung durch gegenseitige Hilfe

zwei Ebenen: Grundsicherung durch Talentemodell mit Schwundgeld sowie "Luxusebene" mit Währung, die Spekulation und Kapitalakkumulation zuläßt, aber ohne Gefährdung der Grundsicherung

Abbildung 43: Gegenseitige Beeinflussung der drei gesellschaftlichen Sphären

Ich spreche in diesem Zusammenhang absichtlich nicht von einem "Basiseinkommen" oder bloßer Bedarfsdeckung. Ohne Raubbau an regionalen Ressourcen kann nur einer bestimmten Zahl von Menschen entsprechende Bedarfssicherung gewährt werden. Ein Überschreiten dieser Grenze kann langfristig auch vom sozialen Standpunkt nicht akzeptiert werden, denn für eine kurzfristige Phase der Übernutzung wird ein noch größeres soziales Problem in der Zukunft in Kauf genommen, wenn nämlich das übernutzte Versorgungssystem zusammenbricht. Nachhaltiges Wirtschaften kann deshalb nie ein Gegensatz zum sozialen Wirtschaften sein. Es ist deshalb unrealistisch, ein unbegrenztes "Basiseinkommen" ohne die Berücksichtigung ökologischer Limitierungen zu versprechen.

Im ökonomischen Bereich darf diese Ebene der Grundsicherung nicht durch ein unsicheres nationalökonomisches Währungssystem ad absurdum geführt werden, dessen Nachteile ausführlich in 5.2 behandelt wurden. Es muß vorerst parallel zum heute verbreiteten kapitalistischen System schrittweise ein Talentemodell (z.B. LETS) eingeführt werden, das Kapitalakkumulation durch Kapital- und Bodenzins sowie unsozialen Mehrwertabzug ausschaltet. Dazu ist es notwendig, kurzfristig verfügbare Anlageformen von Kapital durch eine hohe Entschädigung für das Horten von Kapital zu belasten, statt sie mit Zinsen zu belohnen, wie bisher — weitere Details in 5.3. Im kulturellen Bereich ist neben der Weiterführung heutiger Entwicklungen die Rückbesinnung auf eine "einfache" Lebensweise unbedingt erforderlich, denn diese Ebene kann z.B. kein milliardenschweres Gesundheitssystem und keine High-Tech Freizeitindustrie anbieten.

Es ist damit aber keineswegs ein Verlust an subjektivem Lebensstandard oder eine Entwicklung "zurück zur Steinzeit" gemeint. Heute steht z.B. im Bereich der Selbstversorgung mit Hilfe von Permakulturen unschätzbares Know How zur Verfügung, das hilft, auch mit einfachen Mitteln ohne übermäßigen Arbeitsaufwand Selbstversorgung zu betreiben. Dazu kommen die Vorteile moderner Informationstechnologie und alternativer Energienutzung.

Selbst Kartoffel zu pflanzen oder eigenes Brot zu backen, mit einfachen Mitteln Musi, Kleidung und Bilder zu machen, befriedigt zudem mehr als eine Gehaltserhöhung nach 15 Jahren Fabriks- oder Büroarbeit. Akzeptanzprobleme lassen sich vermeiden, wenn bereits in der Schule und später statt einem überflüssigen Militärdienst eine Art freiwilliger "Abenteuerferienwochen" angeboten werden. Es geht nicht an, daß die Schule zum Beispiel nur mehr standardisierte Arbeitnehmer produziert, denen jegliche geistige und ökonomische Autonomie völlig fremd ist. Junge Menschen müssen sich ein Leben jenseits der hochriskanten Industriegesellschaft zumindest wieder vorstellen können. Genausowenig geht es an, daß Steuergelder ausschließlich zur Förderung der Infrastruktur für die Industriegesellschaft bzw. zu deren direkten Förderung durch High-Tech im Gesundheits- Freizeit- und Rüstungsbereich verwendet werden, während die politische Elite alle Voraussetzungen zur Selbstversorgung und Autarkie demontiert und zudem die gesellschaftliche Kommunikation durch Medienmanipulation und Massenverdummung sabotiert.

Wer sich selbst genügt, bzw. keine Ambitionen hat, irgendwelche außergewöhnlichen Leistungen zu erbringen, soll mit einem Mindestmaß an persönlicher Gegenleistung im ökonomischen Bereich ein geachtetes, befriedigendes Leben auf dieser unteren Stufe leben können. Wer hingegen seine Zeit für Lohnarbeit verkauft, soll auch die Vorteile einer Industriegesellschaft genießen können, allerdings nur solange sie nicht in die vorprogrammierte Krise (Zinsspirale, ...) gerät. Dann muß sich jede/r Arbeitslose wieder auf die einfachere Stufe zurückziehen, bis sich die Situation gebessert hat.

Um diesen Rückweg offenzuhalten, darf die als "Luxusebene" bezeichnete Industriegesellschaft jedoch keine Beeinträchtigungen der Ressourcen- und Naturpotentiale für die Grundsicherungsebene verursachen. Eine doppelte Nutzung von Ressourcen auf beiden Ebenen ist nur zulässig, wenn die Besitzverhältnisse gewährleisten, daß diese jederzeit wieder zur Bedarfsdeckung auf der Grundsicherungsebene akquiriert werden können. Dazu muß im politischen Bereich eine basisnahe Entscheidungsfindung etabliert sein, da sonst ökonomische Interessen von Lobbies der Industriegesellschaft mehr wiegen als die berechtigten Interessen von einzelnen BürgerInnen zur Bedarfsdeckung. Wir kennen dieses Problem nicht nur von Ländern der dritten Welt, seit einigen Jahren ist auch Europa mit einem riesigen "Heer" von Arbeitslosen konfrontiert, denen jede Möglichkeit zur Selbstentfaltung außerhalb der Lohnarbeit vorenthalten wird.

Die Angelpunkte einer gesellschaftlichen Erneuerung sind somit die Aufwertung des politischen Dialogs mit direkter Anteilnahme der einzelnen Menschen, eine damit einhergehende Medien- und Schulreform (z.B. Förderung der Massenmedien einstellen) sowie der langsame Aufbau eines selbstorganisierten Basiswirtschaftssystems, das auf dem Talentemodell fußt. Im Idealfall kann auch auf einen Währungsersatz wie Talente verzichtet werden, wenn in kleingestaltigen Gemeinschaften die Preisbildung und Kontenführung durch gegenseitiges Vertrauen ersetzt werden kann. "Schuld" und "Haben" verlieren ihre Bedeutung im gesellschaftlichen Leben, Besitzrechte werden durch Nutzungsrechte abgelöst, die dann aber keine Einnahmen mehr ohne Gegenleistung bieten (vgl. Pacht- und Kreditzinsen).

Nach diesen konkreten Forderungen können wir uns nun der darauf aufbauenden Ethik widmen. Ich habe mich bereits ausführlich mit Erich Fromms entgegengesetzten Konzepten vom (Besitz) "Haben" und (tätig) "Sein" beschäftigt. Er benutzt zur Charakterisierung der überlegenen Existenzweise des "Seins" (innerer Weg) ein Gleichnis von Max Hunzinger: "Ein blaues Glas erscheint blau, weil es alle anderen Farben absorbiert. Wir nennen das Glas blau, weil es gerade das Blau nicht in sich behält. Es ist nicht danach benannt, was es besitzt, sondern was es hergibt.

Nur in dem Maße, in dem wir die Existenzweise des Habens bzw. des Nichtseins abbauen (das heißt aufhören, Sicherheit und Identität suchen, indem wir uns an das anklammern, was wir haben, indem wir es "be-sitzen", in dem wir an unserem Ich und dessen Besitz festhalten) kann die Existenzweise des Seins verwirklicht werden."

Gleichzeitig möchte ich noch einmal auf die Bedeutung der "paradoxen Logik" hinweisen, die lehrt, Widersprüche und Unsicherheiten als grundlegende Aspekte der Natur zu akzeptieren. Darum handelt es sich bei der angesprochenen Übereinstimmung des ethischem und moralischen Appells nicht um eine "mathematisch-logische Beziehung", sondern bloß um ein Bestreben, Ungereimtheiten zu begegnen, und sie eventuell auch zu akzeptieren. Diese Methodik ist übrigens auf alle Lebensbereiche und wissenschaftliche Disziplinen auszudehnen. Statt formale Kriterien für Wissenschaftlichkeit zu suchen, ist ein dem "Turing-Test" entsprechendes, partizipatives Verfahren zur gemeinschaftlichen Wahrheits- bzw. Realitätsfindung bzw. Gestaltung zu etablieren. Der "Turing Test" beruht darauf, festzustellen, ob jemand bei der direkten Konfrontation mit zwei zu vergleichenden Erfahrungen subjektiv keinen Unterschied feststellen kann. In diesem Falle können die Ursachen der Eindrücke als "gleichwertig" angesehen werden, unabhängig davon, wie sie zustande gekommen sind. Dieses Verfahren beruht also auf der direkten Befragung bzw. Erfahrung und nicht bloß auf abstrakten Hochrechnungen z.B. durch Meinungsumfragen.

Da ein autoritärer Führungsstil "keine echte Kommunikation zuläßt", ist Umgang mit "Kritik" und "Korrektur", von Bruno Gideon als "Faktor K" bezeichnet, im politischen, wirtschaftlichen und auch im Privatleben Voraussetzung für harmonisches Zusammeneben [Gideon98], [Bahr94]. "Kritik" soll sich aber auf Rahmenbedingungen, Arbeitsabläufe und organisatorische Belange konzentrieren, denn Kritik an Personen ist selten konstruktiv. Maßnahmen wie die Förderung offener, von der Wirtschaftssphäre unabhängiger Medien und von frei zugänglicher Kommunikationsinfrastruktur müssen sicherstellen, daß Kritik und damit verbundene Information die entscheidenden Stellen erreicht, daß sie diskutiert und letztendlich berücksichtigt werden kann. Es sind Rahmenbedingen anzustreben, die effizienten und lebendigen Informationsaustausch (gesell. Kommunikation) zwischen den erwähnten gesellschaftlichen Bereichen garantieren.

Allgemein gültige, ewige Naturgesetze oder der "Besitz" einer "objektiven Wahrheit" haben hingegen ausgedient. Der vom "naiven Realismus", der "absoluten Objektivität" bzw. der "unabhängigen physischen Realität" befreite Ansatz der Aufklärung ist jedoch fortzusetzen, was die Frage nach dem Verständnis und der Folge wissenschaftlicher Erkenntnis einschließt. Auf diese Weise soll einem evolutionären, auf direkter, gleichberechtigter Beteiligung aufbauenden Prozeß der Erkenntnisfindung zum Durchbruch verholfen werden. Selbige Vorgangsweise ist für die Gestaltung sozialer und ökonomischer Systeme im Sinne des zuvor skizzierten Gesellschaftsmodells anzuwenden.

Wissen muß aber, um der Komplexität und Dynamik unserer Mitwelt gerecht zu werden, er-lebt und persönlich erfahren bzw. "ent-deckt" werden. Wir sind heute Meister im Verdrängen negativer Erfahrungen wie dem Mitleid mit anderen Kreaturen, zu dem der Mensch zweifelsfrei fähig ist. Daß "Sachzwänge" als Barrieren für ethisches Handeln in der Konfliktlösung (Militär), Forschung (Tier- u. Menschenversuche), Arbeitswelt (Lohnsklaverei) und Ernährung (Massentierhaltung) akzeptiert werden, liegt nicht an der Überzeugungskraft solcher Argumente, sondern am Propagandapotential ihrer Nutznießer. Es ist deshalb zunächst notwendig, dieses Manipulationspotential zu durchschauen, und einen eigenen Standpunkt einzunehmen, damit die Stimme des Gewissens nicht länger ängstlich überhört bzw. verdrängt werden muß.

Dazu bieten sich auf politisch- wirtschaftlicher Ebene lokale Verwaltungseinheiten an, die nach den begrenzten menschlichen Fähigkeiten zur Informationsverarbeitung zu dimensionieren sind, wobei sowohl auf die Größe, Komplexität als auch den passenden Rhythmus bzw. die Geschwindigkeit von Veränderungen zu achten ist. Solche lokal kontrollierte, verstandesmäßig und gefühlsmäßig erfaßbare Lebenswelten bieten die notwendigen Voraussetzungen für gesellschaftliche Experimente aus freien Stücken, um dringend notwendige Anpassungen unserer Lebensweise etwa im Sinne einer "vorsorgenden, zukunftsfähigen Wirtschaft" zu ermöglichen. Als unumgänglich ist schon seit längerer Zeit die Reform der Geldwirtschaft und des konservatistischen Arbeitsethos erkannt worden, die zu exponentiellem Wachstum durch die Zins- und Technologiespirale zwingen. Diese Selbstzerstörungsmechanismen bedrohen alle Ebenen darauf aufbauender sozialer Systeme. Darum wurde zuvor ein zweistufiges Zivilisationsmodell skizziert, das den erwähnten Risken begegnet.

Neben einem adäquaten Bild der Mitwelt als dynamisches, komplexes Gebilde (dialektischen Materialismus/Strukturalismus), wie das Ökosystem eines Baches oder der menschliche Immunapparat zur Abwehr von Fremdkörpern, bedarf es auch eines entsprechend flexiblen Menschenbildes. Der vorangegangene "moralische Appell" basiert auf einer Analyse des in dieser Arbeit umrissenen "kybernetischen" Modells der menschlichen Psyche, (Geist, Seele) mit der wesentlichen Schlußfolgerung, daß auf dem Weg zum "persönlichen Glück" die Kontrolle bzw. Harmonisierung der Triebe und Bedürfnisse in erster Linie über einen "inneren" Pfad (Reise in/Hören auf sich selbst) etwa durch Meditation, das geduldige Sammeln von Erfahrung und Gelassenheit bzw. "Verspieltheit" führt, während die Alternative der "physischen Weltveränderung" auf Grund der Komplexität und Rückkoppelung biologischer, sozialer und ökonomischer Systeme mehr unliebsame Überraschungen als langfristige Erfolge erzielt.

Sollen wir aber deshalb in selbstversunkene Apathie verfallen, wie das in der Einleitung angedeutet wurde? Der Verstand ermöglicht zwar Schlüsse zu ziehen, Assoziationen und Vergleiche, bzw. Analogien anzustellen um Erwartungen aus bereits Erlebtem abzuleiten, allerdings mit Hilfe grober Verkürzungen dessen, was die für den Menschen nicht direkt erfaßbare "Wirklichkeit" ausmacht. So gesehen sind böse Überraschungen für alle Unternehmungen vorprogrammiert, die davon ausgehen, daß die Welt berechenbar ist. Wenn wir aber leben wollen, können wir Fehlentscheidungen und böse Überraschungen nicht ausschließen, sehr wohl aber einschränken. Apathie jedenfalls würde der neugierigen, unruhigen menschlichen Natur völlig zu wider laufen.

Außerdem hilft uns das Gefühl, unsichere Informationen zu beurteilen und ganzheitliche Einschätzungen von Situationen zu erhalten, bzw. das Verhalten durch Stimmungen in bestimmte Richtungen zu lenken, ohne daß wir über jedes Detail Bescheid wissen müssen. Derartige "ganzheitliche" Einschätzungen (z.B. neuronale Netzwerksimulationen) bzw. "fuzzy logics" finden heute selbst in der Technik breite Anwendung.

Daraus läßt sich eine dringend notwendig gewordene Ablösung der "organisierten Unverantwortung" und zentralistischen Entscheidungsfindung durch Eigenverantwortung, Selbstorganisation und eine Ehrfurcht vor dem Leben bzw. generell vor der gesamten Schöpfung ableiten. Aber nur die Einbeziehung der Gefühle und Stimmungen vermag uns vor bösen Überraschungen des eigenen Handelns schützen, zumindest besser als eine ausschließlich auf linearem Denken basierende rationale Weltanalyse ("harter Weg"), die der erwähnten Komplexität unserer Lebenswelt nicht gerecht wird.

Vielfalt und Gemächlichkeit sind die Ideale einer passenden Metaethik, für die aber eines der Grundprinzipien der Aufklärung, die sogenannte "Denkökonomie" nicht geopfert werden darf, die von einer möglichst leicht verständlichen Erklärung ausgeht, ohne daß Wesentliches vernachlässigt wird. Wobei wir abschließend wieder auf die ursprünglicher Quelle jeder Erkenntnis gestoßen sind, die auch dazu herangezogen werden kann, Wesentliches vom Unwesentlichen abzugrenzen: die subjektive, persönliche Erfahrung jedes/jeder Einzelnen.


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Anhang: Kleines Lexikon mit Fachausdrücken

Dieses Lexikon kann weder ein Stichwortverzeichnis, noch die empfohlene Fachliteratur ersetzen. Es dient viel mehr dazu, das Verständnis dieser Arbeit zu erleichtern, die sich sowohl an philosophisch vorbelastete wie unbedarfte LeserInnen richten. Ich habe zwar versucht, den Fachjargon so weit wie möglich zu vermeiden, der besonders bei modernen Themenstellungen (Kommunikationstheorie, Konstruktivismus, ...) zu einer Geheimsprache entartet ist. Allerdings profitiert der/die LeserIn auch von einer Annäherung an diese Sprache, um sich in der weiterführenden Literatur besser zurecht zu finden.

Ich habe hier eine kleine Auswahl von Fachausdrücken zusammengestellt, deren (vages) Verständnis ich voraussetze. Wenn der Verweis oder die Erklärung nicht ausreichen, empfehle ich, ein philosophisches Lexikon zu Rate zu ziehen. Ergänzungen und Anmerkungen sind übrigens jederzeit willkommen.

 

adaptiv ... auf Anpassung aufbauend, sich durch kleine Schritte anpassend, wobei in Prozessen der "Selbstorganisation" das Versuchs- Irrtumsprinzip oder Selektion die Richtung der Entwicklung bestimmen.

adäquat ... passend, entsprechend.

analog ... mehrwertig, hat auch eine andere Bedeutung im Sinne von "gleichwertig". Als klassisches Beispiel sei der "Lichtdimmer" erwähnt, ein Drehknopf mit dem die Lichtstärke einer Lampe im Gegensatz zum Lichtschalter stufenlos verändert werden kann. Es gibt verschiedene Betriebszustände, das Licht kann heller und dunkler gestellt werden. Im Gegensatz dazu steht die Informationsdarstellung über zweiwertige Signale — siehe "digital".

Analyse / Synthese ... In der Analyse wird der zu untersuchende Gegenstand in kleinere, leicht handhabbare Einheiten zerlegt, in der Synthese werden die Erkenntnisse aus der Betrachtung der einzelnen Bestandteile zu einem Modell des "Ganzen" zusammengefügt.

Analytische Geschichtswissenschaft ... siehe 2.2.2.

Assoziatives Gedächtnis ... Erinnerungen werden durch die Ergänzung von angebotenen, bruchstückhaften Mustern abgerufen. Ein knorriges Holzstück zum Beispiel kann bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Assoziationen hervorrufen. Diese Form der Informationsverarbeitung kann durch eine bestimmte (stark parallele) Architektur des Informationsspeicherapparates realisiert werden: sie wird sowohl in biologischen neuronalen Netzen (Gehirn) als auch in der Computertechnik verwendet.

anthropozentrisch ... kurzsichtige Orientierung am Menschen.

aristotelische Logik ... kennt nur wahr oder falsch, siehe 3.2.5!

Basisdemokratie ... im Gegensatz zur "repräsentativen" D. wird versucht, alle Mitglieder einer Gesellschaft in Entscheidungen einzubinden. Ist nur moderner Kommunikationstechnologie in gut organisierten Gruppen möglich, setzt in jedem Fall eine Gesellschaft und Wirtschaft der kleinen, überschaubaren Einheiten voraus.

Bilanz, (Öko -, Klima - , Kosten Nutzen - ...) ... Unter bestimmten Vereinfachungen gewonnene Maßzahl bzw. Bewertung einer Situation in einem festgelegten Raum am Ende eines festgelegten Zeitraumes, z.B. Tonnen des durch menschliche Tätigkeiten freigesetzten CO2 (CO2 -Bilanz)

Biologismus ... siehe 2.2.5.

Binär, Dual ... siehe "digital".

Bodenzins ... für die Nutzung von Boden oder Wohnraum muß an einen (den Boden/Wohnraum nicht nutzenden) "Besitzer" ein letztlich nicht zu rechtfertigendes Entgelt bezahlt werden. Falls der Bodenzins über den Investitionskosten und den Erhaltungskosten liegt, führt dieser Transfer als destabilisierender Wirtschaftsfaktor zur Kapitalakkumulation.

Chaostheorie ... siehe 5.4.1 und 5.4.2.

Computerlinguistik ... Sprachverstehen wird am Computer simuliert, formalisierte, theoretische Grundlagen der Sprachwissenschaften, z.B. Grammatiksysteme werden mit Hilfe von Computern bearbeitet.

Code, Kode ... Alan Turings Auseinandersetzung mit "Programmkodes" einer abstrakten, "universellen Rechenmaschine" hat Erwin Schrödinger dazu bewogen, vom "Code lebender Systeme" zu sprechen [Lecourt97]. Dieser Begriff wurde von Niklas Luhmann auch im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Kommunikation verwendet. In der Informationstheorie und im juristischen Sinne ist die Bedeutung des Begriffes wesentlich verkürzt, und bezieht sich bloß auf eine Zuordnung, bzw. eine Ordnung von Symbolen oder komplexeren Informationen wie Situationen und Verhaltensregeln — siehe auch "Programm" und "System, geschlossenes".

Differenzierung ... ab einem gewissen Zeitpunkt der Entwicklung eines Organismus (z.B. Embryo) beginnen sich Zellen des ursprünglich durch ständige Teilung entstandenen "Zellhaufens" zu spezialisieren, z.B. in Hautzellen, Leberzellen und Keimzellen. Bezeichnet im allgemeinen die Ausbildung komplexer Strukturen.

digital, dual ... zweiwertig. Als klassisches Beispiel sei der Lichtschalter erwähnt. Es gibt zwei Betriebszustände, das Licht kann eingeschaltet sein, oder nicht. Information kann durch eine Abfolge digitaler, d.h. zweiwertiger Signale bzw. Spuren dargestellt werden, z.B. durch Millionen solcher Signale auf einem Magnetband oder einer Compact Disk (CD für Bilder, Musik, Konstruktionspläne, Texte, ...). Im Gegensatz dazu steht die Informationskodierung über mehrwertige Signale — siehe "analog".

Dimensionierung eines Systems ... sowohl zeitlich als auch in der räumlichen Ausdehnung müssen die Teile eines Systems, z.B. eines Lebewesens, eines Staates usw. aufeinander abgestimmt werden. Bei Säugetieren ist das Verhalten, der Körperbau, die Blutzirkulation und der Wärmehaushalt gut auf die Körpergröße abgestimmt. Maus und Elefant haben z.B. einen völlig unterschiedlichen Herzrhythmus, eine andere Zeitwahrnehmung und Lebensdauer. Sie sind an unterschiedliche ökologische "Nischen" angepaßt.

Diskurs, Diskursethik ... Diskussion, Kommunikation, ist nicht auf das Gespräch beschränkt, auch die Wahl von Kleidung kann eine Botschaft vermitteln. Diskursethik stellt die Relativität von der Wahrheit bzw. von Werten in den Mittelpunkt, die erst im gemeinsamen Gespräch und Informationsaustausch eine bestimmte Bedeutung für die Gemeinschaft bekommen. Das Augenmerk gilt der Suche nach Kommunikationsblockaden und nicht einer "objektiven Wahrheit".

Diskurs, argumentativer weiters Grenz- und Erschließungsdiskurs,... siehe 3.2.5, Jürgen Habermas.

DNS, DNA ... "Desoxiribonukleinsäure" (engl. Säure = Acid ...DNA), Molekulare Repräsentation der Erbinformation biologischer Systeme, Entwicklungs- und Verhaltens- (bzw. Regelungs)programm und Informationsträger in einem, - siehe 3.1.1.2.

Dualität von Geist und Körper ... nach Rene Descartes, wird im Materialismus als Einheit angesehen.

determiniert ... vorherbestimmt bzw. berechenbar, durch Rahmenbedingungen festgelegt.

dialektisch, Dialektik ... Marx sprach von der Dialektik "als revolutionäres Prinzip", denn die Welt ist kein Komplex fertiger Dinge, sie ist von dynamischen Prozessen geprägt. Erinnern wir uns z.B. an die komplizierten biologischen Prozesse (Immunsystem, Nahrung, Atmung) im menschlichen Körper. Wir sehen im Körper oft ein statisches Objekt, doch es handelt sich viel mehr um die Momentaufnahme eines komplexen Lebensprozesses.
In der antiken Philosophie verstand man unter Dialektik Redegewandtheit bzw. Polemik, die Wahrheit manifestiert sich im Ergebnis eines Streitgespräches.

dynamisch - statisch, Dynamik ... dynamisch heißt zeitlich veränderlich, auch nach bestimmten Regeln (Programmen) ablaufende Veränderungen sind dynamisch, siehe "dialektisch". Statisch bedeutet unveränderlich. Aus kulturökologischer Sicht ist es übrigens nicht wichtig, was die Welt "ist", d.h. welches Weltbild eine Kultur erschafft, sondern wie schnell und differenziert sich dieses ändern kann [Krieger97].

Emergenz, Parallelität ... "Gleichzeitigkeit" steht im Gegensatz zum "Nacheinander". Während die symbolische Informationsverarbeitung mit Hilfe der Sprache bis zu einem gewissen Grad sequentiell, Wort für Wort, Schritt für Schritt erfolgt, sind die meisten Verarbeitungsmethoden der subsymbolischen Informationsverarbeitung parallel, d.h. es werden z.B. die Daten der Sehzellen im Auge gleichzeitig, und nicht wie bei einer Videokamera nacheinander ausgelesen. Allerdings muß diese Datenfülle reduziert werden, z.B. zu einem Objektbild, in dem Bündel von vereinfachten Eigenschaften zu einem "Objekt" zusammengefaßt werden. Auch diese Reduktion geht parallel vor sich, die Stränge des Sehnervs werden in verschiedene Gehirnzentren geleitet, wobei die Datenmenge immer weiter verdichtet wird.

End of Pipe Technologie ... Die Bezeichnung "End of Pipe" steht für Umwelttechnologie, die am Ende eines rauchenden Schlotes oder Auspuffrohres ansetzt, z.B. mit einer Filteranlage. Besser wäre es, statt die Umwelt zunächst durch bloße Orientierung am Profit zu zerstören, und im Nachhinein z.B. durch teure Sanierungsmaßnahmen zu reparieren, von Beginn an ökologische Produkte und Produktionsprozesse zu entwickeln und ständig zu verbessern.

Entropie ... ein Maß für "negative Information", d.h. für den Verlust an Ordnung, er bestimmt eine Richtung der Zeit in einem "abgeschlossenen System", siehe 5.4.2.

Erkenntnisapparat ... als evolutionär gewachsenes, biologisches "neuronale Netzwerk" realisiert, besteht aus Wahrnehmungsorganen, einem Sinnessystem und einem Mechanismus ("Intelligenz"), der die einzelnen Wahrnehmungen zueinander in Bezug bringt, um daraus eine geordnete Objektwelt zu errechnen, aus der Erwartungen (Wahrscheinlichkeiten) über zukünftige Ereignisse in der Lebensumwelt ableitbar sind, welche die Grundlage für Pläne und Schlußfolgerungen liefert. Er ist ergänzt durch den Triebapparat, der Anstoß zu lebenserhaltenden Handlungen gibt, die mit Hilfe des E.A. koordiniert werden.

Erkenntnistheorie, evolutionäre ... siehe 3.1.1.10.

Ethik ... siehe 1.1.1, 1.2.1 und 5.1.

empirische Erfahrung ... aus Beobachtungen gewonnene Daten, die durch eine individuelle Interpretation eines Beobachters / einer Beobachterin zu "Information" werden.

entfremde(nd/te) Arbeit ... Arbeit, die anödet, die keine Entfaltung des Menschen zuläßt, seine Fähigkeiten verkümmert, psychische und oft auch physische Krankheiten sind die Folge, vgl. z.B. Frühpensionsboom.

evolutiv, Evolution, kulturelle, abiotische, biologische ... siehe 3.1.1.1.

Falsifizierbarkeit von Hypothesen ... nur wenn eine Theorie dermaßen klar formuliert ist, daß es möglich wird, praktisch durchführbare Experimente abzuleiten, mit denen die Vorhersagen der Theorie überprüft werden können, ist sie im Sinne Karl Poppers eine schlüssige, d.h. wahre Theorie, solange bis sie widerlegt ist. Letztlich hat sich auch dieser relative Wahrheitsbegriff als unzureichend erwiesen.

Fraktale, Rekursion, Computerviren ... selbstähnliche Strukturen, wie Küstenverläufe, die große Buchten aufweisen, in denen wiederum viele kleine Buchten eingekerbt sind usw. In der Natur wird dieses Prinzip bei der Selbstorganisation lebender Systeme eingesetzt, um Information zu sparen. So sind z.B. die linke und rechte Körperhälfte des Menschen zumindest äußerlich nach dem gleichen Bauplan aufgebaut, alle Zellen teilen eine ähnliche Grundstruktur. Ein Beispiel für eine einfache Rekursionsregel: "Schreibe diesen Satz auf einen leeren Zettel und befolge anschließend die Anweisung auf dem Blatt!". Nach diesem Prinzip sind z.B. Computerviren aufgebaut.

Freiheitsideologie ... siehe 2.1.2.

Goldene Regel ... siehe 1.1.1.5.

Grammatiktheorien ... abstraktes formalisiertes Regelsystem, das beschreibt, wie korrekte Äußerungen in einer Sprache aufgebaut sein müssen, siehe Abildung 33.

graue Materie/Energie ... siehe "ökologischer Rucksack"

gesellschaftliche Kommunikation ... die Summe aller Voraussetzungen für g. K. kann als "Kultur" umschrieben werden, sie beinhaltet alle gemeinschaftlichen Handlungen der Gesellschaftsmitglieder in verschiedenen Bereichen (Subsystemen) wie Recht, Politik, Kunst usw. Sie beschränkt sich nicht nur auf das gesprochene und geschriebene Wort (z.B. Mode).

Haben und Sein als Existenzweisen ... siehe 1.1.1.7 und 1.1.1.8

Harter Weg ... siehe 1.2.3.

Humanismus ... siehe 3.2.

Humanökologie ... siehe 2.3.

Idealismus ... Das innere Bild der Welt, die Idee wird als das Beständige, und daher Wahrhaftige angesehen (vgl. "Dialektik"). Die "tatsächliche" Welt ist hingegen nicht direkt erfahrbar, bzw. erfaßbar. Eine wegen "Beliebigkeit" kritisierte Spielform dieser Ansicht, daß nämlich Ideen von der jeweiligen persönlichen Erfahrung eines Betrachters abhängen, hat sich in der modernen Philosophie als "Konstruktivismus" durchgesetzt. Die angesprochene, "tatsächliche" Welt manifestiert sich im K. nur durch sogenannte "Perturbationen", durch Überraschungen.

Individualanarchismus ... nicht zu verwechseln mit Egoismus. Die Erkenntnis, daß von den eigenen Fähigkeiten in der manipulativen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts erst "Besitz" ergriffen werden muß. Jede mögliche Erkenntnis muß letztlich auf den direkten Kontakt des "Selbst" (Bewußtsein) zum Körper zurückgeführt werden, und beruht daher immer auf individueller, persönlicher Erfahrung.

Information ... mehr als Daten, mehr als Bytes, siehe auch 5.4.2. Information muß eine Bedeutung, einen Nutzen für den Menschen (bzw. den Interpreten) haben, der ursprünglich in der Verbesserung der Überlebenschancen durch die "Verinnerlichung" der Lebensumwelt lag, da auf diese Weise Erwartungen über zukünftige Ereignisse, Planung und später auch Kommunikation in der Gruppe möglich wurden. Wichtig ist die Unterscheidung der Information in geschlossenen und offenen Systemen, da sich die klassische "Informationstheorie" von Shannon eigentlich nicht mit Information im Sinne dieser Definition beschäftigt, siehe 5.4.2. Aus kulturökologischer Sicht sind menschliche Eingriffe in die Natur nicht bloß Veränderungen, sondern Informationen, die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie Wissenschaft und Wirtschaft produziert werden, und die dann in anderen Bereichen wie Recht, Politik usw. verarbeitet werden müssen, was aber nicht heißt, daß dadurch nicht wieder Rückwirkungen auf die anderen Bereiche entstehen können. Die entscheidende Frage für die Sozialwissenschaft ist, wie solche Informationen in der Gesellschaft als Ganzes verarbeitet werden.

Institutionen ... nach Hans Opschoor sowohl gefestigte Muster menschlichen Verhaltens als auch soziale Konventionen und Organisationen, die menschliches Verhalten beeinflussen [Hinterberger96].

instrumental ... als "Manipulationswerkzeug" dienend

Kapitalzins ... für die Bereitstellung von (flüssigem) Kapital muß an einen (das Kapital nicht nutzenden) "Besitzer" ein letztlich nicht zu rechtfertigendes Entgelt bezahlt werden, falls der Kapitalzins über den Unkosten der Verleihaktivitäten (Risikoversicherung, Verwaltung, ...) liegt. Auch Naturalien vermehren sich nicht ohne zutun, sie verlieren viel mehr an Wert, z.B. ein Sack Getreide. Das ungerechtfertigte Entgelt führt als destabilisierender Wirtschaftsfaktor zur Kapitalakkumulation. Dem könnte durch "Schwundgeld" entgegengewirkt werden, das sich von selbst entwertet, wenn es nicht im Umlauf bleibt.

Kapitalakkumulation ... durch Kapital- und Bodenzins verursacht, zieht das für die Erleichterung des ökonomischen Lebens geschaffene Tauschmittel "Geld" aus dem Kreislauf. Vermögen wächst ab einer gewissen Größe ohne zutun exponentiell, es bereichert eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit, die zudem in ihrer wirtschaftlichen Entfaltung eingeschränkt wird, und muß schon alleine wegen der unrealistischen Annahme von exponentiellem Wachstum durch die Zinseszinsrechnung zu regelmäßigen Krisen (Entwertung, ...) führen.

Kapitalismus ... siehe 2.1.3, Kapital- und Bodenzins

Kode ... siehe "Code"

Kommunikationstheorie ... beschäftigt sich mit der Theorie und Praxis des Austausches von Information, und stellt einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der "Umweltkrise" dar, da es sich um ein kulturell bedingtes, gesellschaftliches Problem handelt, und zu einem großen Teil durch fehlgeleitete Kommunikationsprozesse in verschiedenen Teilbereichen (Wirtschaft, Politik, Medienkonzentration) verursacht wird. David Krieger unterscheidet in Anlehnung an Jürgen Habermas zwischen argumentativen Diskurs, Grenzdiskurs, Erschließungsdiskurs, siehe 3.2.5.

Kommunikationsübereinkunft ... Empfänger, Übermittler und Sender von Informationen müssen von zahlreichen gemeinsamen Annahmen ausgehen, um Informationen austauschen zu können. Die bekanntesten Aspekte sind wohl die gemeinsame Sprache und ein verbindendes Medium wie das Telefonnetz und das Internet.

Kommunikatives Handeln ... siehe 3.2.5., (Habermas).

Kommunikator ... der Teil der Persönlichkeit, der den oder die Zuhörer spielt. Wenn wir mit mehreren Menschen sprechen, oder auch nur mit uns selbst (denken), stellen wir uns im Geiste immer mehrere Gesprächspartner mit bestimmten Charaktereigenschaften vor, zwischen denen "Sprechakte" stattfinden, oder wir verlieren den Überblick. Wir formulieren eine Botschaft immer anders, je nachdem mit welchem Ziel wir mit wem über welches Thema sprechen. Wenn wir (selbstvergessen) denken, sprechen wir mit uns selbst, der Kommunikator schlüpft in die Rolle des "Selbst". Diese Gesetzmäßigkeiten gelten auch für sprachverstehende Computersysteme z.B. für eine telefonische Bahnauskunft.

Komplexität ... Kompliziertheit z.B. einer Struktur, kann daran gemessen werden, wie lange eine ausreichend genaue formale Beschreibung (z.B. durch einen Text, eine Skizze) sein muß. Reicht eine kurze Beschreibung, ist die Komplexität niedrig. In der Informationsverarbeitung kann also Komplexität entweder mit der Dauer der notwendigen Informationsverarbeitung und mit dem "Speicherplatz" bzw. dem dabei benötigten Informationsumfang in Zusammenhang gebracht werden - läßt sich dieser Aufwand messen, ist die Komplexität "quantifizierbar". Eine Erhöhung der Komplexität ist in einem abgeschlossenen System mit einer Erhöhung der Entropie an anderer Stelle verbunden.

Konnektionismus ... Disziplin, die sich mit natürlichen und künstlichen neuronalen Netzen bzw. stark parallelisierter Informationsverarbeitung beschäftigt.

Konstruktivismus ... siehe 5.4.1 und "Idealismus".

Konsum, öko-intelligenter ... siehe "ökointelligentes Produzieren und Konsumieren".

Kulturgeschichte ... Wird Kultur als die Summe der Voraussetzungen gesellschaftlicher Kommunikation verstanden, beschäftigt sich die Kulturgeschichte mit der historischen Entwicklung all dieser Voraussetzungen, z.B. mit den Medien zu denen z.B. auch Volks- und Hoftheater zählen. Typische Fragen sind, wer bestimmt, was aufgezeichnet wird, wem sind welche Informationen zugänglich, wem nicht, wer darf sich künstlerisch/wissenschaftlich betätigen, was sind die Rahmenbedingungen dazu, usw.

konservatistisch, Konservatismus ... siehe 2.1.

konsistent, Konsistenz ... zusammenpassend, ein organisches Ganzes ohne innere Widersprüche bildend.

kybernetisch, Kybernetik ... bezieht sich auf ein System, dessen Komponenten und Wechselwirkungen erforscht bzw. entworfen werden sollen.

Least Effort ... mit möglichst geringem Aufwand.

Liberalismus ... siehe 2.1.1.

Logik, paradoxe ... im Gegensatz zur aristotelischen Logik werden mehr als zwei Wahrheitswerte (wahr, falsch) zugelassen, wie das im Alltagsleben eigentlich unumgänglich ist — siehe 3.2.5, 4.3.

Manipulationswerkzeug ... Werkzeug zum Hantieren, zur Erleichterung einer Aufgabe, bzw. Problemstellung — in diesem Falle zum Hantieren mit Objekten ("Manipulieren").

Materialismus, dialektischer, erweiterter ... nicht zu verwechseln mit der an materiellem Besitz fixierten Denkweise in der Logik des Kapitalismus, sondern eine philosophische Grundlage zur Interpretation der Welt, die auf Wechselwirkungen von Materie und Energie als Struktur- bzw. Informationsträger in der Raumzeit bzw. im Multiversum beruht. Diese "Ursubstanz" der Welt hat abenteuerliche Eigenschaften, die im dialektische Materialismus an die Erkenntnisse der Quantenphysik angepaßt wurden, sie ist aber letztlich ein Resultat menschlicher Vorstellung im Sinne des Konstruktivismus — siehe 5.4.1.

Medien, Medienkonzentration ... z.B. Schrift, Sprache, Bild, Fernsehen, Theater — die Sprengkraft der Medienkonzentration, d.h. der Kontrolle bzw. subtile Gleichschaltung der wichtigsten Massenmedien durch eine kleine Elite. Sie ist aus Sicht der Kommunikationstheorie deshalb von so verheerender Wirkung, weil hier der Lebensnerv einer Gemeinschaft, die "gesellschaftliche Kommunikation", nicht mehr als neutrales Medium zur Meinungsbildung und Entscheidungsfindung dient, sondern selbst Meinugnen verkauft. Dadurch wird eine instabile, auf die Vorteile einer Minderheit zugeschnittene Lebenswelt geschaffen, die bei der Notwendigkeit einschneidender Veränderungen versagt, da die Masse ständig mit "notwendigen Illusionen" (vgl. Noam Chomsky) und nicht erfüllbaren Versprechungen bei Laune gehalten werden muß.

Menschenbild, relatives ... durch die Kontrolle bzw. subtile Gleichschaltung der wichtigsten Massenmedien sowie die Rahmenbedingungen im gesellschaftlichen Leben wird ein "Gesellschaftscharakter" des Durchschnittsmenschen geformt, der einer herrschenden Elite dient, die nicht diesem Charakter entspricht, und sich meist als "etwas Besseres" sieht. Im Nachhinein wird dann meist unbewußt dieser "Gesellschaftscharakter" zur Natur des Menschen verklärt. Im eng vernetzen sozialen und ökologischen Systemen kann aber nicht eindeutig festgestellt werden, was wodurch beeinflußt wurde, da es sich um gegenseitige Wechselwirkungen handelt — die müßige "Henne und Ei" Problematik. Die Frage nach dem bewußt vermittelten Menschenbild und nach dem implizit der gesellschaftlichen Organisation zu Grunde gelegten Menschenbild ist eine wichtige Grundlage zur Diskussion politischer und sozialer Fragestellungen.

Mentale Organe ... nach Noam Chomsky und Marvin Minsky, z.B. das Sprachzentrum und Sehzentrum im Gehirn. Das Postulat solcher "Organe" beruht auf der Annahme, daß geistige Fähigkeiten biologisch-materiell realisiert sind, d.h. sie sind ein Phänomen materiell repräsentierter Prozesse.

Metaethik ... im Gegensatz zur normativen Ethik (du sollst ..., du sollst nicht, ...) versucht die Metaethik allgemeinere Grundsätze ethischen Handels aufzuzeigen, die durch sachliche Argumentation zu motivieren sind.

Methodenvielfalt ... die wissenschaftliche Methodik ist so vielfältig wie die Zahl engagierter ForscherInnen. Da es im Sinne des Konstruktivismus nicht möglich erscheint, objektive, ewig gültige Kriterien für Wissenschaftlichkeit zu entwickeln, ist eine Vielfalt von Methoden die sicherste Strategie, Fehlentwicklungen zu vermeiden, die durch Mängel in der gewählten Vorgangsweise verursacht werden. Wissenschaft unterscheidet sich von der Esoterik durch den Willen zu einem weltweiten Gedankenaustausch, der sicherstellen soll, daß auf gleichwertige, bereits publizierte Ideen verwiesen wird, damit das Rad nicht ständig neu erfunden wird.

Mikrokosmos, Makrokosmos ... das Resultat einer Reise ins Innere einer Struktur, z.B. in das verzweigte System der menschlichen Blutgefäße, der Makrokosmos entspricht der Reise in die umgebenden, größeren Zusammenhänge, z.B. aus unserem Sternensystem, aus der Milchstraße, unserer Galaxie.

MIPS ...mit Hilfe einer Ressourcen- und Emissionsbilanz (Ökobilanz) soll die "Materie- und Energieintensität pro Serviceeinheit" einer Dienstleistung bzw. eines Produktes abgeschätzt werden, um deren ökologische Folgen für den Anbieter und den Konsumenten durchschaubar zu machen [Schmidt94], [Loske96]. Diese Idee setzt aber eine nicht gegebene "Berechenbarkeit" der Lebenswelt voraus. Aber auch ein bloß angenäherter MIPS Wert stellt eine wesentlich sinnvollere Bewertungseinheit dar, als der chaotische, ständig schwankende Geldwert.

Mitwelt ...vergleichbar mit der Umwelt, die ein Lebewesen um sich herum erlebt. Allerdings soll betont werden, daß in dieser Umwelt auch andere Wesen leben, die ihre (äußere) Welt als Umwelt erleben. Die gemeinsamen Umwelten von in Verbindung stehenden Lebewesen werden "Mitwelt" genannt. Diesen Begriff hat Klaus Meyer Abich eingeführt. Die Abstraktion der "individuellen Existenz" und ihre Trennung von der übrigen Welt ist gar nicht so selbstverständlich, wie sie uns auf den ersten Blick erscheinen mag. Wo beginnt der eigene Körper, wo endet er — etwa in einer Beinprothese, oder vor ihr? Zählt ein Stück Apfel im Mund bereits zu mir, oder erst im Magen, oder gar erst, wenn der aufgenommene Fruchtzucker in den Stoffwechsel übergegangen ist?

Mitweltmodell ... da wir das Wesen der Welt nicht direkt erfahren können, sondern nur über Informationen, die unsere Sinnesorgane liefern, die unser Gehirn mit Hilfe bereits gesammelter Erfahrung ordnen und deuten muß, bauen wir uns eine Welt aus diesen Vorstellung auf: das sogenannte "Mitweltmodell". Wenn wir im allgemeinen über "die Welt" sprechen, vergessen wir leicht, daß wir eigentlich nur über dieses persönliche Weltenmodell bescheid wissen, das vor allem dazu dient, zukünftige Ereignisse abschätzen und planen zu können.

Moral ... siehe 1.1.2 und 5.5.3!

Mutation ... spontane, aber in vielen Fällen nicht völlig zufällige Veränderung im Erbgut niederer und höherer Lebewesen. Bei höheren Lebewesen gibt es viele komplexe Mechanismen, die dafür sorgen, daß Veränderungen im Erbgut mit großer Wahrscheinlichkeit ein lebensfähiges Wesen hervorbringen, z.B. die kontrollierte Durchmischung des Erbguts bei der sexuellen Fortpflanzung. Punktförmige, wirklich zufällige Veränderungen bzw. Zerstörungen sind dagegen in den meisten Fällen schädlich, können aber oft repariert werden. Die wichtigste Mutationsquelle ist das ständige Auslesen von DNS Abschnitten (z.B. zur Proteinsynthese), wobei es häufig zu Veränderungen (Spontanmutationen) kommt. Mutagene Chemikalien (z.B. im Kaffee), aber auch Röntgenstrahlen können die Mutationsraten stark erhöhen.

Nachhaltigkeit ... siehe 5.1.3.

Neuron, neuronale Netze ... siehe "Erkenntnisapparat und 3.1.1.3 und 5.4.1.

Newtonsche Physik ... veraltetes Weltbild, siehe naiver Realismus.

natürliche Sprache ... lebendige Sprache, in menschlichen Gemeinschaften im Alltag benutzt

Objektstrukturierung ... wir teilen beim Sprachgebrauch unwillkürlich unsere Wahrnehmungen in Objekte ein, wir sprechen von Bäumen, Gras, Häusern, und können aber im Detail oft gar nicht sagen, wo ein Baum endet, wo die Erde oder ein Haus beginnt: z.B. dort, wo sich zerfallene Ziegelsteine mit Erde und Baumwurzeln mischen. Die Objektstrukturierung stellt somit eine grobe Vereinfachung dar, die eine wesentliche Voraussetzung der menschlichen Intelligenz bildet. Nur so können wir aus unserem inneren Weltmodell, das eine strukturierte Sammlung von Erfahrungen und Erwartungen darstellt, rasch genug Zukunftsprognosen ableiten.

objektiv, Objektivismus ... allgemein gültig, über die persönlichen Unterschiede in der Ansicht hinausgehend, vom Beobachter unabhängig — im Sinne des Konstruktivismus eine unerreichbare Idealisierung, die aber durch gesellschaftliche Kommunikation mit ausdiskutierten Kompromissen zumindest innerhalb einer Kommunikationsgemeinschaft angenähert werden kann. In diesem Fall kann Objektivität daran gemessen werden, wie weit die Diskussionspartner beim Zustandekommen einer Übereinstimmung gleichberechtigt sind, und wie weit versteckte Motivationen der Beteiligten aufgedeckt wurden.

offenes und geschlossenes System ... siehe 2.3, 5.4.2 und "System, geschlossenes".

öko-intelligentes Produzieren und Konsumieren ... soll den heute verbreiteten Ansatz der "End of Pipe" Technologie im Umweltsektor ablösen, indem bereits bei der Produktentwicklung die ökologischen Folgen der Herstellung berücksichtigt werden. Gleichzeitig sind genügend, und leicht vergleichbare Informationen über den mit einem Produkt (bzw. eine Dienstleistung) verbundenen "ökologischen Rucksack" anzubieten.

In [Schmidt97] werden folgende Möglichkeiten für öko-intelligentes Konsumieren genannt:

 

 

1. Konsumenten kaufen ökologische Güter, wenn sie angeboten werden

2. Konsumenten nehmen öko-effiziente Dienstleistungen in Anspruch, wenn sie angeboten werden

3. Konsumenten organisieren, gemeinsam mit Gleichgesinnten Bereiche ihres Lebens anders, um weniger zu konsumieren

4. Konsumenten verzichten in bestimmten Bereichen auf materiellen, bzw. energetisch aufwendigen Konsum, befriedigen Bedürfnisse anders

ökologische Fragestellungen ... die Wechselwirkungen von Lebewesen untereinander und die Wechselwirkungen mit ihrer Umwelt betreffend. Im erweiterten Sinne bezieht sich dieser Begriff auf Wechselwirkungen zwischen Komponenten eines komplexen Systems.

ökologischer Rucksack ... oder graue Materie/Energie beinhaltet alle zur Bereitstellung der benötigten Rohstoffe und zur Herstellung eines Produktes verbrauchten Energien bzw. Ressourcen, die aus den Herstellerinformationen meist nicht mehr rekonstruiert werden können. Diese Information, sowie die meist völlig versteckten Transportkilometer, sind aber für die Erstellung einer ökologischen Produktbilanz zum Vergleich alternativer Angebote eine unverzichtbare Voraussetzung. Um ein Beispiel zu geben, das Wuppertal Institut rechnet bei den Rohstoffen Sand und Kies mit 900 kg Abfall pro Tonne Rohstoff, bei Platin mit 350.000 Tonnen Abfall pro Tonne Platin.

ökonomische Fragestellungen ... die Wirtschaft, das wirtschaftliche Leben betreffend, d.h. industrielle Produktion, Ernährung, Landwirtschaft, aber auch Freizeitkonsum, sowie die dazugehörigen sozialen Rahmenbedingungen (Arbeitsorganisation, Lohn, ...). "Ökonomische Kommunikation" dient in erster Linie der Abwicklung "fairer (Tausch)Geschäfte", z.B. durch freie Preisentwicklung.

Operation ... Handlung mit einer daraus resultierenden, bis zu einem gewissen Grad erwarteten Veränderung in einer bestimmten Zeit, kann auch von einer Maschine oder einem informationsverarbeitendem System gesetzt werden. In der Medizin: physischer Eingriff in einen lebenden Organismus.

Paradox ... führt zu einem Widerspruch innerhalb eines vorgegebenen Logiksystems, siehe "paradoxe Logik"

Patriarchische Gesellschaftsform ... Ist nicht unbedingt durch die Vorherrschaft von Männern gekennzeichnet, sondern durch als "männlich" angesehene Prinzipien, siehe "harter Weg".

Permakultur ... eine Form der biologischen Landwirtschaft, die sich die "Selbstregulationsfähigkeit" natürlicher Systeme zu nutze macht, um mit möglichst geringem Arbeits- und Energieaufwand einen hohen Ertrag zu erzielen. Im Gartenbau können z.B. Kleintiere wie Enten dazu eingesetzt werden, Schädlinge zu vertilgen, Pflanzen entfalten sich besser in vielfältigen, durchmischten Gesellschaften usw.

Plutokratie ... Herrschaft des Geldes

Positivismus ... siehe 3.2

Pragmatik, Pragmatismus ... siehe 3.2

Primärer Kode ... siehe "System, geschlossenes"

Programm, genetisches, Verhaltensprogramm ... Folge von "Operationen" mit einem übergeordneten Ziel, bei biologischen Organismen z.B. die Weiterentwicklung, Anpassung und Fortpflanzung. Der Ausdruck "Programm" wurde 1936 von dem englischen Mathematiker Alan Turing in einem Aufsatz über die "berechenbaren Zahlen" eingeführt [Lecourt97], der in seiner philosophischen Prämisse Laplace verpflichtet ist. Die Disziplin der "Informatik" (Computer Wissenschaften) hat sich vom Konzept der Turing Maschine aus entwickelt, die in der Lage sein soll, jede mögliche maschinelle Aufgabe auszuführen. Turings These, daß alles was ein Mensch fähig sei zu berechnen, ebenso von einer Maschine berechnet werden könne, hat schließlich zum abstrakten Begriff der Informationsverarbeitung geführt, der heute durch eine "Quantentheorie der Berechnung" erweitert werden muß.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Systemen der Informationsverarbeitung. Bereits Alan Turing hat für Programme seiner Rechenmaschine sogenannte "Konditionale", bzw. Bedingungen und Schleifen vorgesehen, die den Ablauf des Programmes von Informationen abhängig machen, die von außen kommen. In geschlossenen Systemen würden solche Programme entsprechend den vorgegebenen Umständen tatsächlich bloß determiniert ablaufen, sie werden bloß "abgespult". In offenen System hingegen können sie "reagieren" und mit Hilfe von Erwartungen über Informationen von außen auch "planen".

Prozeß, der Informationsverarbeitung ... Folge von Operationen, bzw. Veränderungen von Objekten, die meist in unterscheidbare Zwischenschritte zerlegt werden können. Bei informationsverarbeitenden Prozessen ist die gewählte "Repräsentation" nebensächlich, — siehe auch "Programm".

pathozentrisch ... An der Leidensfähigkeit orientiert. Was leidensfähig ist, bestimmt allerdings der Mensch ...

Quantität, Qualität ... Eigentlich stellt Quantität bloß eine spezielle Form der Qualität dar, indem Maßzahlen als abstrakte Qualitäten eingeführt werden. Maßzahlen haben den Vorteil, daß sie eine "Ordnung" beinhalten, d.h. daß Vergleiche wie "größer" und "kleiner" möglich sind (math. "Halbordnung"). Werden "reelle" Zahlen verwendet, gibt es beliebig viele Zwischenwerte für eine Beobachtung — z.B. die Wellenlänge und Intensität des Lichtes im Farbkreis. Um aber Beobachtungen mit Hilfe von Worten oder Zahlen beschreiben zu können, müssen immer Vereinfachungen in Kauf genommen werden. Es gibt außerdem keine vom Beobachter unabhängige Messung, auch nicht in der Physik. Als einfaches Beispiel möchte ich die Messung der Tagestemperatur anführen — dazu muß eine Vielzahl von Verhaltensregeln festgelegt werden, um einigermaßen vergleichbare Ergebnisse zu erzielen (Wie, Wo, Wann, Eichverfahren, Wie lange usw.). Als Kompromiß wurden in den Naturwissenschaften Meßgenauigkeitsgrenzen und eine darauf aufbauende Fehlerrechnung eingeführt.

quantifizierbar ... mit Maßzahlen beschreibbar, siehe Qualität und Quantität.

Realismus, naiver ... überholte Annahme einer objektiven, vom Beobachter unabhängig existierenden "Realität".

Reflexion ... Nachdenken über etwas, in der Physik das zurückwerfen von Wellen — z.B. Licht an einem Spiegel.

Regelkreis ... Grundlegender Bauplan eines offenen Systems, das mit seiner Umwelt in Verbindung steht. Es besteht aus einer Sensorkomponente (z.B. Auge) die Information aus der Umgebung übernimmt, aus einer Aktuatorkomponente (z.B. Hand), die in der Umgebung Veränderungen hervorrufen kann, und einem Programm, welches festlegt, wie auf die eingehende "Information" reagiert werden soll. Von technischen Regelkreisen ist bekannt, daß beim Steuerungsprogramm die "Oszillation", d.h. das Überschwingen (Aufschaukeln) vermieden werden muß, um chaotisches Verhalten zu vermeiden, das entsteht, wenn der Regelmechanismus auf seine selbst verursachten Änderungen in der Umwelt reagiert (Rückkoppelung).

Regression, normative ... Fehlentwicklung gesellschaftlicher Organisationsformen, siehe 3.1.5.2.

Rekursiion, rekursiv ... siehe "Fraktale".

Repräsentation ... ein zentraler Begriff des Materialismus und Strukturalismus als philosophische Strömungen. Systeme und ihre Komponenten werden als "repräsentiert" bzw. "realisiert" in Materie oder Energie angenommen, die als Träger der Strukturinformation und der Wechselwirkungen, Veränderungen bzw. der systemeigenen Informationsverarbeitung fungieren. Physische Systeme sind etwa biologische Organismen (Lebewesen), Ökosysteme, aber auch soziale Systeme.

Reproduktion ... Die Produktion einer oder mehrerer Kopien bzw. Varianten von sich selbst, dazu zählt im sozialen Bereich zum Beispiel die Kindererziehung, im politischen Bereich das Werben neuer Parteimitglieder oder Anhänger einer politischen Strömung.

relativ, Relativität eines Standpunktes ... je nachdem von welcher Position aus, vom welchem Hintergrund aus etwas betrachtet wird, erscheint es anders — das entspricht wohl auch der alltäglichen Erfahrung. Die Idee einer objektiven, vom Beobachter unabhängigen Realität ist bloße Konstruktion des Menschen aus Gründen der Informationsverarbeitungseffizienz. Kein Mensch, kein Stein sind jedoch von einer Sekunde zur anderen gleich, oder im selben Moment in den Augen zweier unterschiedlicher Lebewesen gleich, die zudem nicht zur selben Zeit vom selben Ort beobachten können. Alles ist relativ, auch der Lauf der Zeit, sogar die Idee der Zeit.

Roboter ... vom tschechischen Science Fiction Autor Karel Capek eingeführter Begriff für einen Automaten, der "Fronarbeit" verrichtet.

Sanfter Weg ... siehe 1.2.3.

Scale and Scope ... Ausdehnung, Größe und Gegenstandsbereich

Schleife ... Wiederholung von "Operationen" mit einer Schleifeninvariante, d.h. einer Bedingung, die während der Wiederholung stets gültig sein muß. Das Warten bei einer roten Ampel kann als "Verhaltens-Schleife" dargestellt werden. Die Invariante wäre in diesme Fall die Wahrnehmung des roten Lichtes. Schleifen sind ein wichtiger Bestandteil von Programmen offener Systeme, sie sparen Information bei der Beschreibung von Verhalten. Ohne Schleifen, ohne Wiederholung müßten sonst für jede Sekunde neue Handlungsanweisungen bereitgestellt werden- siehe auch "Fraktale".

Sein, Selbst ... das unmittelbare Zentrum der Welt, nämlich du! Wenn du in der Früh nach einer traumlosen, erholsamen Nacht aufwachst, erwacht das "ich", das die Welt erkennt, das durch die Welt gehetzt wird, und das aber auch diese Welt eigentlich erst erschafft (Konstruktivismus). Verwechsle das "Selbst" nicht mit den tausenden Masken, die du in deinen Gesprächen trägst, oder mit einer der Rollen, in die du ständig schlüpfen mußt. Das Selbst ist über diese Verkleidungen erhaben, es ist die Quelle deiner Welt, der Motor von allem, was du je erleben, schaffen, oder zerstören wirst, etwas das dir niemand nehmen kann, das du nie verlieren kannst.

Selbstähnlichkeit, Selbstanwendung ... siehe "Fraktale". Selbstanwendung ist zum Beispiel wenn das "Sprechen über etwas", auf das "Sprechen über etwas" angewendet wird, dann sprechen wir über das "über etwas sprechen", eine Metasprache zweiter Ordnung, siehe "Fraktale".
In der Wissenschaftstheorie mißt sich die "Universalität" einer Theorie daran, wie weit die Theorie selbstreferentiell ist, d.h. sich selber erklären kann. Dies ist eine weitere Umformulierung von Kants "Wende" in der Erkenntnistheorie, wonach die Gegenstände der Erkenntnis nach dem Erkenntnisvermögen bzw. nach den Rahmenbedingungen des Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsapparates richten müssen und nicht umgekehrt. D.h. unsere Brille der Wahrnehmung bestimmt die Möglichkeiten des Wahrnehmbaren. Heute sind es aber nicht mehr bloß die Rahmenbedingungen des Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsapparates (transzendentale Subjekt) wonach sich die Erfahrung zu richten hat, sondern deren Abstraktion, die durch eine "Super- bzw. Metatheorie" erfaßte "Symbolische Ordnung". Natur, der Forschungsgegenstand der Naturwissenschaft, ist z.B. selbst ein Kulturprodukt, das nicht bloß durch den Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsapparat der forschenden Menschen, sondern durch deren Weltbild, und deren gesellschaftliches Umfeld geprägt ist.

Selbstentfremdung ... wenn vor lauter aufgezwungenen Verhaltensregeln deine Kreativität versiegt, dann ist es der herrschenden Machtelite gelungen, dich zu einem berechenbaren Konsumidioten zu machen, der von sich aus nichts unternehmen kann, der/die nur mehr von der Stimulation des Fernsehens, des Arbeitgebers usw. abhängig ist. Er oder sie bemerkt sich selbst nicht mehr, sein/ ihr Verhaltensprogramm wurde von Außen "überschrieben". So, der Autor macht jetzt eine kurze Fernsehpause ...

Selbstorganisation ... eine gerichtete Veränderung auf höherer Ebene durch unkoordiniertes Verhalten auf tieferer Ebene, die scheinbar gesetzmäßig auftritt, siehe 5.4.1 und "Fraktale", "Selbstähnlichkeit".

Semantik ... siehe 4.3.5.3.

Semiotik ... siehe 2.3 "Sonderstellung des Geistes" und 4.3.5.2.

Soma- und Keimzellen ... Somazellen sind im Gegensatz zu Keimzellen nicht an der Fortpflanzung beteiligt. Wenn z.B. Schäden am Erbgut in Somazellen (z.B. Melanome auf der Haut) entstehen, so haben die Nachkommen der Betroffenen nichts zu befürchten. (Hautkrebs wird durch UV Licht jeder Wellenlänge ausgelöst, es zählt bloß die Dauer und Intensität der Bestrahlung im Laufe eines Lebens, wobei es keine Rolle spielt, ob die Bestrahlung im Solarium oder in der Natur erfolgt.)

Sozialdarwinismus ... siehe 3.1.6.

Subsystem, gesellschaftliches Subsystem, Bereich ... von Niklas Luhmann geprägter Begriff für ein Teilsystem der Gesellschaft mit einer eigenen Sprache, eigenen Geschäftsregeln usw., wie z.B. die Politik, das Recht, und bis zu einem gewissen Grad die Religion. Aus kommunikationstheoretischer Sicht darf bei entsprechender Interpretation die Religion jedoch nicht als "Subsystem" angesehen werden, wenn sie nämlich den für jede Art von Kommunikation notwendigen "Wertekonsens" schafft, mit dessen Hilfe zwischen den einzelnen Subsystemen Information ausgetauscht wird. Diese Auffassung von Religion entspricht aber nicht dem üblichen Sprachgebrauch.

Syntax ... siehe 4.3.5.2.

System, Systemzwänge ... wesentliches Element ist die Festlegung einer Systemgrenze. Selbstreferentielle Systeme im Sinne Luhmanns umgehen das Problem, daß bei der Beschreibung von Grenzen bereits Wissen über das "Innen" und das "Außen" bekannt sein muß, was einer Betrachtung von oben gleicht. Deshalb werden Systemgrenzen in selbstreferentiellen Systemen dadurch gebildet, daß diese quasi aus einem Produktionssystem bestehen, daß sich selbst zusammen mit dem System erschafft, und alles was bei diesem Erschaffungsprozeß ausgespart bleibt, ist als außerhalb des Systems anzusehen. Innerhalb des Systems ist kein Verständnis für das verfügbar, was außerhalb liegt. Die Grenzen des Systems, die Wechselwirkungen zwischen den Komponenten sind dann "Systemzwänge". In der Regel wird dieser Begriff aber mißbraucht, "Systemzwänge" bzw. "Sachzwänge" sind bloß das Resultat eines zum Vorteil einer gewissen Elite vorgeschobenen verkürzten Systemmodells, über das sich die Verfechter aber selbst hinwegsetzen.

System, geschlossenes ... siehe auch 5.4.2. David Krieger unterscheidet innerhalb der allgemeinen Systemtheorie drei etwas willkürlich eingeteilte Ebenen ( Systemklassen) nach dem Organisationsprinzip der Mechanik (Maschinen), der Genetik (biologische Systeme), und der Semiotik (Sinnsysteme, Wertesysteme) [Krieger97]. Er interpretiert menschliche Kulturen als Sinnsysteme, die gleichzeitig Kommunikationssysteme und deshalb auch soziale Systeme sein müssen. Hier wird zwar ein etwas abweichender Standpunkt vertreten, z.B. daß auch in maschinellen und biologischen Systemen stattfinden kann, und daß Bedeutung, d.h. Sinnstiftung nur über die biologisch geprägte persönliche Köpererfahrung möglich ist. Das hindert aber nicht daran, seiner Interpretation der Gesellschaft bzw. Kultur als "geschlossenes System" zu folgen, das sich selbst reproduziert und mittels einer Sinngrenze von der Umwelt ausgeschlossen ist. Es kommuniziert deshalb nur mit sich selbst. Das System ist somit operational und informell gegenüber der Umwelt "geschlossen", siehe auch 3.2.5 (Habermas). .
Die Funktion eines "Wertekonsens" besteht darin, einen lebensweltlichen Sinnhorizont zu erschließen und "kommunikatives Handeln" zu ermöglichen. Das Chaos der sinnleeren Umwelt wird durch "semiotische Kodierung" (sog. "primärer Kode"), d.h. durch die Selektion von nicht hinterfragbaren Werten, durch die Schaffung von Gegensätzen und die Steuerung von kommunikativen Handlungen reduziert. Daraus entsteht ein Kommunikationssystem.

Systemtheorie ... Theorie von Systemen, bzw. der Modellierung im Allgemeinen. Hat sich in verschiedenen Bereichen als sehr nützlich zur Gewinnung und Ordnung neuer Erkenntnisse erwiesen - siehe "System".

soziale Fragestellungen ... umfaßt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, in denen mehrere Menschen Information austauschen, also kommunizieren. Die heutige Interpretation, die den "Sozialbereich" auf das Verteilen von Almosen bzw. Unterstützungen einschränkt, lehnt der Autor ab.

Subsistenz ... bedeutet hauptsächlich das zu tun, was unmittelbar zum Leben benötigt wird [Werlhof96]. Je nach Möglichkeiten kann es sich um Dienstleistungen oder die Eigenproduktion von Lebensmitteln, Toilettenartikeln usw. handeln, die nicht für einen anonymen Markt, sondern für den Eigenbedarf und Freundeskreis bestimmt sind. "Subsistenz ist kein Programm, es ist eine immer neue und alltägliche und möglicherweise mehrmals am Tag zu treffende Entscheidung, die jeder und jede letztlich mit sich selber auszumachen hat." [Werlhof96] zitiert nach K. Standler und I. Strutzmann in "Die Bergbauern 7-8/98". Wichtige Prinzipien sind die "gute Versorgung", d.h. selbst herauszufinden, was an einem bestimmten Ort wie angebaut werden kann, das Prinzip der Vielfalt, d.h. sich immer etwas besonderes einfallen zu lassen, was die Gemeinschaft bereichert und gleichzeitig das Risiko eines "Totalausfalls" vermindert, und schließlich die lokale/regionale Vermarktung des "Überschusses".

subsymbolisch ... während die symbolische Informationsverarbeitung mit Hilfe der Sprache, der Schrift aber auch mit bewegten und stehenden Bildern bis zu einem gewissen Grad sequentiell, Wort für Wort, Schritt für Schritt, Bild für Bild erfolgt, sind die meisten Verarbeitungsmethoden der subsymbolischen Informationsverarbeitung parallel bzw. holistisch, d.h. es werden z.B. die Farbwerte der Sehzellen im Auge gleichzeitig, und nicht wie bei einer Videokamera nacheinander ausgelesen. Subsymbolische Informationsverarbeitung kann direkt durch entsprechende neuronale Architekturen z.B. im Sehapparat und im Gehörzentrum verwirklicht werden, während symbolische Informationsverarbeitung einen hohen Grad an Abstraktion aufweist, und auf sequentiellen Verarbeitungsprozessen in der großflächigen Neocortex des Großhirns beruht.

Technikbewertung ... die verheerenden Folgen der Atomtechnologie sollten eine Lehre dafür sein, daß bloße "Machbarkeit" nicht das einzige Kriterium für die Akzeptanz einer Technologie sein kann. In der Technikbewertung werden darum mit mehr und weniger standardisierten Methoden soziale, ökonomische und ökologische Folgen abgeschätzt und mit Alternativen verglichen.

Turing Test ... eine dem Geiste des Konstruktivismus entsprechende Definition von Wahrheit, bzw. Wahrheitsfindung, die nicht von einer für sich existierenden, objektiven Realität ausgeht, siehe 4.3. Sie beruht auf einem subjektiven Vergleich. Wenn z.B. eine Simulation oder Kopie nicht mehr vom Original unterscheidbar ist, wird das zugrunde gelegte Modell als hinreichend bzw. wahr angesehen.

theologisch, Theologie ... auf eine irrationale, d.h. vom Menschen nicht erfaßbare Autorität (Gott) bezogen, bzw. durch eine religiöse Lehre motiviert, Religionswissenschaft

toxisch, Toxikologie ... giftig, "wissenschaftliche" Auseinandersetzung mit Giftigkeit, mit der Wirkung von Substanzen auf den Stoffwechsel biologischer Organismen bzw. von ganzen Ökosystemen. Diese Tätigkeit entartet besonders in der Humanmedizin oft zu einer Gewaltorgie im "Dienste der Menschheit", die wohl mehr der Kapitalvermehrung als dem Wissensgewinn dienlich ist.

Überlebenswerkzeug ... Organ eines Lebewesens, Verhaltensstrategie oder physisches Werkzeug mit einer nachvollziehbaren Bedeutung zur Erhaltung des Individuums und seiner Fortpflanzungsgemeinschaft, dazu zählen auch "mentale Organe" wie z.B. das menschliche Sprachzentrum im Gehirn.

Umweltindikator ... meßbare Umwelteigenschaft zur Bewertung des momentanen Zustands, z.B. Verschmutzungsgrad.

Utilitarismus ... siehe 3.2.

Vererbung von Eigenschaften ... siehe 3.1.

Verhalten, moralanaloges ... siehe 1.1.2.1.

Vernunft/Verstand ... siehe 1.2.3.

Wahrheit, Wirklichkeit ... siehe 4.3.

We-1 bis We-4 ... vier buddhistischen Wahrheiten, siehe ii.

Weltbild, kartesisch, aristotelisch ... siehe 3.2., Rene Descartes.

Wertekonsens ... für jede Art von Kommunikation wird eine Basis von gemeinsamen Annahmen benötigt, mit deren Hilfe zwischen einzelnen Individuen einer Sprachgemeinschaft oder zwischen den einzelnen "Subsystemen" einer Gesellschaft Information ausgetauscht wird. Dieses Fundament haben Berger und Luckmann als eine "integrierende symbolische Sinnwelt" bezeichnet, die durch Verhaltensregeln der Gesellschaftsmitglieder erhalten werden müssen. Als Beispiel sei hier die Bedeutung von Wörtern einer Sprache genannt, die bei allen Mitgliedern der Sprachgemeinschaft über persönliche, biologisch geprägte Körpererfahrung gedeutet werden müssen. Bei "Kohlsprossen" hängt die persönliche Assoziation wohl von Erfahrungen im Kindesalter und dem persönlichen Geschmack ab, doch bei der Identifikation des Gemüses werden alle, die die Bedeutung des Wortes gelernt haben, ähnliche Ergebnisse erzielen. Wittgenstein hat das Lernen der Bedeutung im Sprachspiel mit dem an der "Hand genommen werden" verglichen, um von jemandem eine Bedeutung demonstriert zu bekommen, die so über die erwähnte persönliche, körperliche Erfahrung gewonnen werden kann. Dieser Akt des "an der Hand Nehmens" symbolisiert die Schaffung eines "Wertekonsens". Die Bedeutung von gesellschaftlichen Werten kann auch weiter gefaßt werden, sie schließt Verhaltens- bzw. Handlungsnormen ein, die Grundlage jedes sozialen Lebens sind. Jedes Gesellschaftsmitglied ist nicht nur auf Erwartungen in Bezug auf die Umwelt, sondern auch in Bezug auf das Verhalten der Mitmenschen angewiesen ist. Völlig chaotisches, unberechenbares Verhalten wird deshalb in keiner Gesellschaft geduldet.

Zentrismus ... Bezogenheit, Fixierung, Orientierung an etwas, siehe 1.2.1.

Zinsspirale ... ein durch die Zinseszinstheorie verursachter Effekt der Kapitalsteuer, der zur Destabilisierung führt, siehe auch "Kapitalakkumulation"


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Anhang: Inhalt des vollständigen Manuskriptes

Wie ich bereits erwähnt habe, ist diese Diplomarbeit ein Auszug eines umfangreicheren Manuskripts, das beim Autor angefordert werden kann. Einzelne Kapiteln sind etwas detaillierter ausgeführt worden. Außerdem enthält das umfangreichere Dokument eine kurze Philosophiegeschichte, die Persönlichkeiten vorstellt, deren Werke für das Denkgebäude dieser Arbeit von besonderer Bedeutung sind. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang bei meinem Studienkollegen Mario bedanken, der mir eine lebendige und informative Einführung in die griechischen Philosophie zur Verfügung gestellt hat, siehe 3.2.3, 3.2.4 und 3.2.5.

"Eine Mitweltethik als postmoderne Überlebensphilosophie"

Einleitung

1. Ethik u. Moral im Kontext der Natur- und Sozialwissenschaft*)

2. Vier Denkströmungen mit politischem und religiösem Hintergrund*)

3. Das Bild von Mensch und Umwelt im Laufe der Zeit

3.1 Von der abiotischen zur kulturellen Evolution*)

3.2 Philosophiegeschichte: Mensch und Umwelt in der Antike **)

3.3 Philosophiegeschichte: Mensch und Umwelt im Mittelalter**)

3.4 Eine kritische Betrachtung der christlichen Weltbildes**)

3.5 Philosophiegeschichte: Mensch und Umwelt in der Aufklärung**)

3.6 Philosophiegeschichte: Mensch und Umwelt in der Moderne**)

4. Ketzerische Thesen zu Wissenschaft, Technik und Politik

4.1 Das Märchen von der Objektivität, Unabhängigkeit und Wertfreiheit

4.2 Über die Eigendynamik der Technik und die Behinderung von Alternativen

4.3 Aufklärung über Wissenschaft, Technik, natürliche und künstliche Sprachen*)

4.4 Forschung u. Lehre zum Wohle der Allgemeinheit, Mehrstufige Zivilisation*)

4.5 Kleiner Ausblick auf die Technologie von morgen

4.5.1 Fortschritt, ganz gleich wohin er führt**)

4.5.2 Ewiges Leben durch Gehirnverpflanzung**)

4.5.3 Computer werden noch schneller und mächtiger, Quantencomputer**)

4.5.4 Am Menschen orientiertes Design, Globale Vernetzung**)

4.5.5 Der nächste Schritt in der Miniaturisierung, Intelligente Regelung und Effizienz **)

4.5.6-7 Der Blick in den Kosmos, Reisen in das Universum **)

5. Vom Denken zum Handeln (We-4)

5.1 Bestandsaufnahme der Umweltkrise, Begriffsklärung*)

5.2 Bestandsaufnahme der ökonomischen und politischen Krise*)

5.3 Krisenvermeidung durch neue ökonomische Modelle und Subsistenz*)

5.4 Eine Neubewertung der Information zur Erhaltung politischer Handlungsfähigkeit

5.4.1 Materialismus/Strukturalismus und Kommunikation im 21 Jahrhundert*)

5.4.2 Die Rolle der Information in offenen und geschlossenen Systemen*)

5.4.3 Vorteile und Gefahren moderner Kommunikationstechniken*)

5.4.3.1 Medienmacht und Gewalt

5.4.3.2 Die Medienkonzentration in Österreich**)

5.4.3.3 Spieltheorie und Wahlmanipulation**)

5.4.4 Politische Erneuerung und Verbesserung gesellschaftlicher Kommunikation

5.4.4.1 Prinzipien einer politischen Erneuerung*)

5.4.4.2 Schutz der Privatsphäre als politisch-ethisches Prinzip*)

5.4.4.3 Kommunikation am Beispiel des Dialoges zwischen Mensch und Maschine**)

5.5 Die Suche nach dem gemeinsamen und persönlichen Glück

_________

Legende: *) ... Originalkapitel wurde gekürzt **) ... Kapitel fehlt hier


Kontakt

Änderungsvorschläge, Ergänzungen und Korrekturen sind jederzeit willkommen, am liebsten werden sie über E-Mail entgegengenommen: Christian_Demmer@blackbox.at, (siehe auch: http://stud2.tuwien.ac.at/~e8726711)


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Vollständige Literaturliste, nach AutorInnen in alphabetischer Reihenfolge sortiert

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[Adriaanse98] Albert, Stoffströme: Die materielle Basis von Industriegesellschaften, Birkhäuser Verlag, 1998, DM 20,-Thema: Ökologie

[Albert92] Michel, Kapitalismus kontra Kapitalismus, Verlag Campus, 1992, Thema: Politik

[Allen87] James, Natural Language Understanding, Bejamin Cummings, Menlo Park, Calif., 1987, Thema: Wissenschaft

[Allman90] William F., Apprentices of Wonder: Inside the Neural Network Revolution, Bantam Press, New York, 1990, Thema: Wissenschaft

[Altner74] Günter, Schöpfung am Abgrund, Die Theologie vor der Umweltfrage. Neukirchener Verlag 1974, Thema: Ethik

[Altner81] Günter, Hrsg., Der Darwinismus, Die Geschichte einer Theorie, Verlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1981, Thema: Ethik, Wissenschaft

[Altner87] Günter, Die große Kollision - Mensch und Natur, Verlag Styria, 1987, Thema: Ethik

[Altner89] Günter, Ökologische Theologie, Verlag Kreuz, Stuttgart, 1989, Thema: Ethik

[Anders56] Günther, Die Antiquiertheit des Menschen I & II, , 7. Aufl., Verlag Beck, München, 1992, Thema: Philosophie

[Anders95] Günther, Hiroshima ist überall. Der Mann auf der Brücke - Tagebuch aus Hiroshima und Nagasaki (1958). Off limits für das Gewissen - Briefwechsel zwischen dem Hiroshima-Piloten Claude Eatherly und Günther Anders (1959-61), Vorwort: Bertrand Russell, Einleitung: Robert Jungk. Die Toten - Rede über die drei Weltkriege (1964), Beck'sche Reihe BsR 1112, DM 24,-, 1995, Thema: Wissenschaft

[Anderson88] John R., Kognitive Psychologie, Eine Einführung, Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft, 1988, Thema: Philosophie

[AntiMil-In94] Antimilitarismus Informationen, monatlich, ami-Verlag, Elßholzstr. 11, 10781 Deutschland, 1994, Thema: Politik

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[Bacon] Francis, Hohe Stellungen, Thema: Philosophie

[Bacon] Francis, Über den Wert und die Vermehrung der Wissenschaften, Thema: Philosophie

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[Buschenreiter91] Alexander , Unser Ende ist euer Untergang. Die Botschaft der Hopi an die Welt, Lamuv Taschenbuch 102, 1991, DM 20.-, Thema: Ethik

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[Carson63] Rachel, Der stumme Frühling, 1963, Thema: Ethik

[Casti96] John, Die großen Fünf, Verlag Birkhäuser, Basel, 1996, DM 68.-, Thema: Philosophie

[Ceruti94] Mauro, Constraints and Possibilities - The Evolution of Knowledge and Knowledge of Evolution, ISBN 2-88449-123-6, 1994, $40.-, Thema: Wissenschaft

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[Chomsky93] Noam, Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung, Dietrich zu Klampen Verlag, 1993, DM 58,-, Thema: Politik

[Claessens70] Dieter, Instinkt- Psyche - Geltung, Köln Opladen 1970, Thema: Wissenschaft

[Colley] Produkte für das Leben statt Waffen für den Tod, Thema: Ethik

[Comte44] A., Rede über den Geist des Positivismus, Felix Meiner Verlag, Hamburg, 1844, Thema: Philosophie

[Comte33] Auguste, Die Soziologie, Hrsg. Blaschke, Leibzig, 1933, Thema: Philosophie

[Coreth] E.; Ehlen P.; Haeffner G. und Ricken F., Philosophie des 20. Jahrhunderts, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Thema: Philosophie

[Cruse98] Holk; Dean J.; Ritter H., Die Entdeckung der Intelligenz, oder können Ameisen denken?, Verlag C.H. Beck, 1998, öS 350.-, Thema: Wissenschaft

[Czhiak76] Czhiak G., Lanher H., Ziegler H. (Hrsg.), Biologie, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1976, Thema: Wissenschaft, Ökologie

[Dalenoort95] G.J. (ed.), The Paradigm of Self-Organization II, Vol 24 of Studies in Cybernetics, ISBN: 2-88124-976-0, 1995, $65,-, Thema: Wissenschaft

[Daly89] H.E., Cobb J.B., For the Common Good, Boston, 1989, Thema: Ökonomie

[Darwin63] Charles, Die Entstehung der Arten, Verlag Reclam, Stuttgart, 1963, Thema: Wissenschaft

[Daum85] Werner, Ursemitische Religion, Verlag Kohlhammer, Stuttgart, 1985, DM 89.-, Thema: Wissenschaft

[Davies90] P. C. W.: Why is the physical World so comprehensible? In Complexity, Entropy and the Physics of Information, Santa Fe Institute studies in the Sciences of Complexity, W. H. Zurek (ed.), Vol VIII, Addison Wesley, pp. 61-70, 1990, Thema: Philosophie

[Dawkins76] Richard, The Selfish Gene, 1976, Thema: Philosophie

[Deml95] Max, Baumgarten Jörg, Bobikiewicz Luc, Grünes Geld. Jahrbuch für ethisch-ökologische Geldanlagen 1995/96, Service Fachverlag, Wien, 1995, öS 280.-, Thema: Ökologie

[Demoll54] R., Ketten für Prometheus - Gegen die Natur oder mit ihr, Bruckmann, München, 1954 S.28 f., Thema: Ökologie

[Deussen06] Paul, Allgemeine Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Religionen, Leipzig 1906, Thema: Philosophie

[Deutsch97] David, Die Physik der Welterkenntnis, Auf dem Weg zum universellen Verstehen, Birkhäuser Verlag, 1997, Thema: Wissenschaft, Philosophie

[deWaal98] Frans, Lanting Frans, Bonobos, Die sanften Menschenaffen, Birkhäuser Verlag, 1998, DM 68.-, Thema: Ökologie

[Dewey94] John, Demokratie und Erziehung. Eeine Einführung in die philosophische Pädagogik, Braunschweig, 1994, Thema: Philosophie

[Diefenbacher96] Hans (Hrsg.), Anarchismus, Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft, Primus Verlag, 1996, DM 50 .-, Thema: Philosophie

[Diehls34] H., Die Fragmente der Vorsokratiker, 5. Auflage, Stuttgart, 1934, Thema: Philosophie

[Dieren95] Wouter van, Mit der Natur rechnen. Der neue Bericht des Club of Rome. Vom Bruttosozialprodukt zum Ökosozialprodukt, Birkhäuser Verlag, 1995, DM 29,80.-, Thema: Ökologie

[Dietfurth80] H., Der Geist fiel nicht vom Himmel, dtv München, 1980, Thema: Philosophie

[Diettrich89] O., Kognitive, organische und gesellschaftliche Evolution, Parey Verlag, 1989, Thema: Philosophie

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[Dinzelbacher89] Peter, Wörterbuch der Mystik, A. Kröner Verlag, Stuttgart, 1989, DM 38.- Thema: Wissenschaft

[Dölle/Koch] Eva / Wolfgang, Selbstversorgung - aber wie, Unabhängigkeit für Stadt und Landbewohner, ECON Taschenbuchverlag, Düsseldorf, DM 10 .-, Thema: Wissenschaft

[Dor94] Milo (Hg.), Irren ist menschlich. Und patriotisch. Serbische Aphorismen aus dem Krieg, 1994 Otto Müller Verlag, öS 148,-, Thema: Antimil

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[Dorffner91] Georg, Konnektionismus, Von neuronalen Netzwerken zu einer "natürlichen" KI, B.G. Teubner Stuttgart, 1991, Thema: Wissenschaft

[Döring47] Woldemar Oscar, Das Lebenswerk Kants, Neuausgabe, Hamburg 1947, Thema: Philosophie

[Dorroch94] Heiner, Meinungsmacher-Report. Wie Umfrageergebnisse entstehen, Steidl Verlag, 1994, DM 24.-, Thema: Politik

[Douglas] Adams, Das Restaurant am Ende des Universums, Thema: Philosophie

[Douglas] Adams, Hitchhiker´s Guide to the Galaxy, Thema: Philosophie

[Drewerman91] Eugen, Der tödliche Fortschritt. Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums, Herder 1991, 4. Auflage, Thema: Ethik

[Drewermann89] Eugen, Ich steige hinab in die Barke der Sonne, Walter Verlag, Olten, 1989, Fr 39 .-, Thema: Wissenschaft

[Drewermann91] Eugen, Milowaki oder vom Geist der Musik, Reihe: Mythen der Völker, tiefenpsychologisch gedeutet, Walter Verlag, Olten, 1991, Fr 33 .-, Thema: Wissenschaft

[Dreyfuß72] What computers can't do: The limits of artificial intelligence, Harper - Row, New York, 1972, Thema: Wissenschaft

[Duby81] G., Die drei Ordnungen. Das Weltbild des Feudalismus, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1981, Thema: Politik

[Dudel96] Josef, Menzeck Randolf, Schmidt Robert, Neurowissenschaft, Vom Molekül zur Kognition, Springer Verlag, 1996, Thema: Wissenschaft

[Dunham94] William, The Mathematical Universe, John Wiley & Sons Inc., New York, 1994, Thema: Wissenschaft

[Dürr92] Busch-Lüty; Kröning et al., Ökologisch nachhaltige Entwicklung von Regionen, Politische ökologie, Sonderheft 4, 1992, DM 15.-, Thema: Ökologie

[Dürr94] Hans-Peter, Respekt vor der Natur - Verantwortung für die Natur. Gespräche mit Michael Haller, Piper Vlg. SP 1819, 1994 , DM 15, Thema: Ökologie

[Dürr95] Hans-Peter, Die Zukunft ist ein unbetretener Pfad. Bedeutung und Gestaltung eines ökologischen Lebensstils, Herder TB Nr. 4340, 1995, DM 17, Thema: Ökologie

[Ebeling86] Hans, Vernunft und Widerstand, Die beiden Grundlagen der Moral, Verlag Karl Alber, Freiburg, 1986, DM 48 .-, Thema: Philosophie

[Eckhart] Meister, Deutsche Predigten und Traktate, (Hrsg.) Josef Quint, München, 1977, Thema: Ethik

[Eckhart58] Meister, Die deutschen Werke, im Auftrag der Dt. Forschungsgemeinschaft, (Hrsg.) Josef Quint, Stuttgart, 1958, Thema: Philosophie

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[Einstein72] Albert, Bosso, M., Correspondance 1903- 1955, Paris, 1972, Thema: Wissenschaft

[Eisenbart79] C., Hrsg., Humanökologie und Frieden, Verlag Klett-Cotta, Stuttgart, 1979, Thema: Ethik

[Eisler] Riane, Kelch und Schwert - Von der Herrschaft zur Partnerschaft - Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte, Thema: Politik

[Eliade92] M., Schmiede und Alchimisten. Mythos und Magie der Machbarkeit, Freiburg, 1992, Thema: Wissenschaft

[Engels89] Marie, Erkenntnis als Anpassung?, 1989, Thema: Philosophie

[Esser96] Johannes, Dieter von Kietzell, Ktelhut B., Romppel J.,Frieden vor Ort, Alltagsfriedensforschung - Subjektentwicklung - Partizipationspraxis, Agenda Verlag, 1996, Thema: Antimil

[Etzelsdorfer95] Irene, Arisiert. Eine Spurensicherung im gesellschaftlichen Untergrund der Republik (der legalisierte Diebstahl jüdischen Eigentums im Raum Wien ab 1938), Verlag Kremayr & Scheriau, 1995, öS 298,-, Thema: Ethik

[Falk94] Dean, Braindance - Die Evolution des menschlichen Gehirns, Verlag Birkhäuser, Basel, 1994, DM 50.-, Thema: Wissenschaft

[Fehrenbacher91] Gregor, Drewermann verstehen. Eine kritische Hinführung, Walter Verlag, Olten, 1991, Fr 27 .-, Thema: Philosophie

[Ferber94] Rafael, Philosophische Grundbegriffe. Eine Einführung, C.H. Beck Verlag BsR 1054, 1991, DM 20.-, Thema: Philosophie

[Feuerbach11] R.,Sämtliche Werke 1903-1911, Bolin u. Jodl, 1911, Thema: Philosophie

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[Fichte64] J.G., Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie, 1964, Thema: Philosophie

[FIFF] Kommunikation, Hrg. von Forum InformatikerInnen f. Frieden u. gesellschaftliche Verantwortung (FIFF), Reuterstr. 44, D-53113 Bonn, Thema: Wissenschaft

[Finin94] Tim, Fritzson R., McKay, Mc Entire, A language for KNOWBOTS, DAI Workshop, 1994, Thema: Wissenschaft

[Fischer95] G.; Wölflingseder Maria, Biologismus - Rassismus - Nationalismus, Rechte Ideologien im Vormarsch, Promedia Verlag, Wien, 1995, öS 215,-, Thema: Politik

[Flasch86] Kurt, Das Philosophische Denken im Mittelalter, Philipp Reclam Jun., Ditzingen, 1986, DM 26 .-, Thema: Philosophie

[Fleischer95] Margot, Philosophen des 20. Jahrhunderts, Eine Einführung, Primus Verlag, 1996, DM 30 .-, Thema: Philosophie

[Foerster92] Heinz von, Einführung in den Konstruktivismus, Verlag Piper, München, 1992

[Foerster97] Heinz von, Müller A. u. K. (Hrsg.), Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen, Döcker Verlag, 1997, DM 45.-, Thema: Philosophie

[Freistaat95] Christiania - ein "soziales Experiment" (in Kopenhagen; Dänemark). Projekt Utopie info 12, Packpapier Verlag (Postf. 1811, D-49008 Osnabrück), 1995, DM 4.-, Thema: Politik

[Frenzl91] Burkhard (Hrsg.), Klimageschichtliche Probleme der letzten 130.000 Jahre, Paläoklimaforschung, Band 1, Veröffentlichung der Akademie der Wissenschaften und Literatur, 1991, DM 128 .-, Thema: Wissenschaft

[Freud60] Sigmund, Gesammelte Werke Bände 1-17, Frankfurt, Fischer Verlag, 1960, Thema: Philosophie

[Fromm41] Erich, Die Furcht vor der Freiheit., Diana Verlag, Zürich, 1954, Thema: Philosophie

[Fromm47] Erich, Psychoanalyse und Ethik, Ullstein Verlag, Frankfurt, Berlin, 1993, Thema: Philosophie

[Fromm56] Erich, Die Kunst des Liebens, Ullstein Verlag, Frankfurt, Berlin, 1993, Thema: Ethik

[Fromm72] Erich, Suzuki D.T., Martino R., Zen Buddhismus und Psychoanalyse, Frankfurt, 1972, Thema: Wissenschaft

[Fromm76] Erich, Haben oder Sein, Sachbuch dtv, 1976, Thema: Ethik

[Fuhrer95] Urs Hrsg., Ökologisches Handeln als sozialer Prozeß (engl.), Verlag Birkhäuser, 1995, Thema: Ethik

[Furtmayr93] -Schuh Annelies, Postmoderne Ernährung. Food-Design statt Eßkultur. Die moderne Nahrungsmittelproduktion und ihre verhängnisvollen Folgen, Trias-Thieme Verlag, DM 39,80.-, 1993 , Thema: Ökologie

[Galtung93] Johan; Dieter Kinkelbur; Martin Nieder; Friedensforschungsgruppe Saar (Hg.), Gewalt im Alltag und in der Weltpolitik. Friedenswissenschaftliche Stichwörter zur Zeitdiagnose, Agenda Verlag, 1993, DM 28.-Thema: Antimil

[Gandhi68] M., Selected Works of M. Gandhi, Vol I-VI,Navajivan Publ. House: Ahmedabad, 1968, Thema: Ethik

[Gärtner97] Heinz, Modelle Europäischer Sicherheit. Wie entscheidet Österreich?, Verlag Braumüller, 1997, Thema: Antimil

[Gehlen53] Arnold, Anthropologische Forschung, In Deutsche Enzykopädie, Verlag Rowohlt, 1953, Thema: Philosophie

[Geldu.Natur94] Mensch und Umwelt, Nr. 18, Pastoralamt der Diözese Linz, Arbeitsstelle f. Umweltfragen (Kapuzinerstr. 84, A-4020 Linz), 1994, öS 59.-, Thema: Politik

[Gerber88] P.R., Der Indianer - ein homo oekologicus?, In: Stolz Fritz (Hrsg.), Religiöse Wahrnehmung der Welt, Theologischer Verlag, Zürich, 1988, Thema: Ethik

[Gideon98] Bruno, "Das Gideon Prinzip" — Gebrauchsanleitung zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, Oesch Verlag, Zürich, 1998, öS 180.-, Thema: Ökonomie, Ethik

[Gill87] S. D., Mother Earth, An American Story, University of Chicago Press, Chicago, London, 1987, Thema: Wissenschaft

[Glaeser94] Walter Schmitt: Private Gewalt im politischen Meinungskampf. Zugleich ein Beitrag zur Legitimität des Staates. Schriften zum öffentlichen Recht Band 586, Duncker & Humboldt Verlag, 1990, DM 98.-, Thema: Ethik

[Glasenapp49] Helmut von, Philosophie der Inder, Stuttgart, 1949, Thema: Philosophie

[Goffman83] E., Wir alle spielen Theater,Verlag Pieper, München, 1983, Thema: Wissenschaft

[Golser92] Verantwortung für die Schöpfung in den Weltreligionen, Verlag Tyrolia, Innsbruck, 1992, Thema: Ethik

[Grabmann46] Martin, Thomas von Aquin, München und Kempten, 1946, Thema: Philosophie

[Grechenig91] Thomas, Hanappi Gerhard, Müller Harald, Stary Christian, Informationsstrukturen, Hrsg. Fachschaft Informatik d. TU Wien, 1991, Thema: Wissenschaft

[Gressel93] Hans; Weltreligionen auf dem Weg der Zusammenarbeit für den Frieden 1893- 1993. "Shalom" Sonderausgabe, Arbeitsstelle Konziliarer Prozeß d. Evang. Kirche von Wesfahlen (EKvW, Iserlohner Str. 25, D-58239 SCHWERTE), 1994, kostenlos, Thema: Ethik

[Groos74] Helmut, Albert Schweitzer - Größe und Grenzen, München / Basel, 1974, Thema: Ethik

[Groß95] Michael, Expedition in den Nanokosmos, Verlag Birkhäuser,1995, Thema: Wissenschaft

[GrünAk.96] Sinn von Arbeit, Grüne Akademie Graz, 1996, Thema: Politik

[GrünBi.T.96] Arbeitswelten - Lebenswelten Nachhaltige Wirtschaft, Materialien zur Grünen Bildungstagung, Österreich, 1996, Thema: Politik

[Grunov98] Dieter, Wollmann Hellmut (Hrsg.), Lokale Verwaltungsreform in Aktion, Birkhäuser Verlag, Stadtforschung aktuell 68, 1998, DM 68.-, Thema: Politik

[Günther91] Elisabeth, Lehrbuch der Genetik, 6. erweiterte Auflage, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1991, DM 78 .-, Thema: Wissenschaft

[Günzler] Claus, Albert Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. — Grundzüge und Aktualität, Thema: Ethik

[Güssing] Kreislauforientierte Bedarfsdeckung für die Region Güssing, Amt der burgenländischen Landesregierung, Öko-Studie, Tel: 02682/600-2700, Thema: Ökologie

[Graubard96] Stephen (Hrsg.), Probleme der künstlichen Intelligenz, Computerkultur Band IX, Springer Verlag, Wien New York, 1996, Thema: Wissenschaft

[Habermas63] Jürgen, Theorie und Praxis, Neuwied und Berlin, 1963, Thema: Philosophie

[Habermas81] Jürgen, Theorie des kommunikativen Handelns, Verlag Suhrkamp, Frankfurt, 1981, Thema: Philosophie

[Habermas82] Jürgen, Zur Logik der Sozialwissenschaften, Verlag Suhrkamp, Frankfurt, 1982, Thema: Philosophie

[Hafner95] Herman, Die evolutionäre Erkenntnistheorie. Umrisse - Fragen - Markierungen. Information Nr. 125, 1/1995 Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Hölderlinpl. 2A, D-70193 Stuttgart)., 1995, Thema: Philosophie

[Haldimann92] Urs; Stephan Dietrich; Erklärung von Bern: Unser täglich Fleisch. So essen wir die Welt kaputt, Unionsverlag, 1992, sFr 26.-, Thema: Ökologie

[Hammer95] Thomas, Stichwort: Philosophie, Heyne TB Nr. 19/4071, 1995, DM 12,90.-, Thema: Philosophie

[Hampicke91] U., Naturschutzökonomie, Eugen Ulmer Verlag- UTB, Stuttgart, 1991, Thema: Ökonomie

[Harrison64] Ruth, Animal Machines, 1964, Thema: Ethik

[Hartmann42] Nicolai Hrsg., Neue Wege der Ontologie, In Systematische Philosophie, 1942, Thema: Philosophie

[Hartwich94] Hans-Hermann (Hg), Bindungsverlust und Zukunftsangst. Leben in der Risikogesellschaft. Eine Disputation an der Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg, Leske u. Budrich Verlag, 1994, DM 16,80.-, Thema: Politik

[Hawking79] Stephen W., Is the end in sight for theoretical physics? Inaugural Lecture for the Lucasian Chair, University of Cambridge, 1979, Thema: Wissenschaft

[Hawking94] Stephen, Anfang oder Ende?, Heyne TB Nr. 19/278, 1994, DM 12,90.- Thema: Wissenschaft

[Hawking96] Stephen, Ist alles vorherbestimmt? Sechs Essays, rororo Verlag Nr 22067, 1996, Thema: Wissenschaft

[Hawking97] David Filkin, Stephens Hawkings Universum, Heyne Verlag, 1997, Thema: Wissenschaft

[Hegge92] Hjalmar, Freiheit, Individualität und Gesellschaft, Verlag freies Geistesleben, Stuttgart, 1992, Thema: Philosophie, Anthroposophie (siehe 2.1.4!)

[Hennicke95] Peter (Hrsg.), Solarwasserstoff - Energieträger der Zukunft?, Verlag Birkhäuser, Basel, 1995, DM 15.-, Thema: Wissenschaft

[Hennicke95] Peter, Klimaschutz - Die Bedeutung von Kosten-Nutzen-Analysen, Verlag Birkhäuser, Basel, 1995, DM 15.-, Thema: Ökonomie

[Herkner86] W., Einführung in die Sozialpsychologie, Verlag Hans Huber, 4. Auflage, Bern 1986, Thema: Wissenschaft

[Herman96] Edward S., Triumph of the market, 1996, Thema: Ökonomie

[Herman97] Edward S.; R. McChesney, The global media, 1997, Thema: Philosophie, Ökonomie

[Hesse95] Wolfgang, Informieren wir uns zu Tode?, Fiff-Kommunikation 2/95, ISBN 0938-3476, 1995, Thema: Philosophie

[Hinkelammert94] Franz J., Kritik der utopischen Vernunft. Eine Auseinandersetzung mit den Hauptströmungen der modernen Gesellschaftstheorie, Edition Exodus, 1994, DM 42,-, Thema: Philosophie

[Hinterberger96] Friedrich, Luks Fred, Stewen M., Ökologische Wirtschaftspolitik, Wuppertal Paperback, 1996, DM 34.-, Thema: Ökologie

[Hirt76] Hasenmayer Herbert; Göhring Walter, Arbeits- und Lehrbuch für Geschichte und Sozialkunde, Verlag Hirt, Wien 1976, Thema: Wissenschaft

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[Honneth] Axel, Pathologien des Sozialen, die Aufgabe der Sozialphilosophie, Band 12247, Fischer Taschenbuch, Thema: Philosophie

[Hopfmann94] Jürgen, Der Sonnenweg aus der Energiefalle der Industriegesellschaft. R. G. Fischer Verlag, 1994 , DM 29,80.-, Thema: Wissenschaft

[Horkheimer74] M., Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, 1974, Thema: Philosophie

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[Humboldt] Alexander von, Aus meinem Leben. Autobiographische Bekenntnisse, zusammengestellt von Kurt Biermann, Verlag C.H. Beck, München, 1987, DM 34 .-, Thema: Philosophie

[Hume67] David, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Reclam Stuttgart, 1967, Thema: Philosophie

[Hurrle95] Gerd; Franz-Josef Jelich; Jürgen Seitz (Hg.): Vom Buchdruck in den Cyberspace. Mensch - Maschine - Kommunikation. Geschichte und Zukunft der industriellen Arbeit Bd. 4, Schüren Presseverlag SP-Verlag,1995, DM 28.-, Thema: Wissenschaft

[Huxley] Thomas H., The struggle for existence, The Nineteenth Century, 1888, Thema: Politik

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[Irrgang92] Bernhard, Christliche Umweltethik, Eine Einführung, Ernst Reinhard Verlag, München, 1992, DM 40 .-, Thema: Ethik

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[Jacob83] Francois, Das Spiel der Möglichkeiten. Von der offenen Geschichte des Lebens. München 1983, Thema: Ethik

[Jäggi92] Christian J., Rassismus. Ein globales Problem, Verlag Orell Füssli, Zürich, 1992, Thema: Wissenschaft

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[Jahrbuch Fr94] Jahrbuch Frieden 1994, Konflikte - Abrüstung - Friedensarbeit. 1993 BSR 1026 C.H. Beck Verlag, Thema: Ethik

[Jakubassa85] Erika, Märchen aus Neuseeland, Überlieferungen der Maori, Eugen Diederichs Verlag, Köln, 1985, DM 30 .-, Thema: Philosophie

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[Jünschke94] Klaus; Christoph Meertens: Risikofaktor Innere Sicherheit. Argumente gegen den Law-and-Order-Staat. 1994 Knaur TB Nr. 80041, DM 12,90.-, Thema: Politik

[Kaehler89] Klaus Erich, Leibniz Position der Rationalität, Die Logik im metaphysischen Wissen der "natürlichen Vernunft", Verlag Karl Alber, Freiburg, 1989, DM 98 .-, Thema: Philosophie

[Kaltenbrunner72] G. K., Hrsg., Rekonstuktion des Konservatismus, Freiburg 1972, Thema: Philosophie

[Kanatschnig92] Dietmar, Vorsorgeorientiertes Umweltmanagment, Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft, Linzer Universitätsschriften, Springer Verlag, Wien, 1992, Thema: Ethik, Wissenschaft

[Kant81] Immanuel, Kritik der reinen Vernunft, 1781, Thema: Philosophie

[Katz66] Daniel; Kahn Robert, The Social Psychology of Organizations, Verlag John Wiley & Sons, 1966, Thema: Wissenschaft

[Katz82] M. J., Ontogenetic Mechanisms: The Middle Ground of Evolution. In: J. T. Bonner (Hrsg.): Evolution and Development, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 1982, Thema: Philosophie

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[Kaufmann75] Walter, Existentialism - From Dostoevsky to Sartre, New American Library, 1975, Thema: Philosophie

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[Kierkegaard59] S., Philosophisch- Theologische Schriften 1951-1959, Hegner, 1959, Thema: Philosophie

[Kleger93] Heinz, Der neue Ungehorsam. Widerstand und politische Verpflichtung in einer lernfähigen Demokratie, Campus Verlag, 1993, DM 78, Thema: Politik

[Knaup96] Horand, Hilfe, die Helfer kommen, Karitative Organisationen im Wettbewerb um Spenden und und Katastrophen, Verlag C.H. Beck, München, 1996, DM 20 .-, Thema: Politik

[Knußmann96] Rainer, Vergleichende Biologie des Menschen: Lehrbuch der Anthropologie des Menschen: Lehrbuch der Anthropologie und Humangenetik, Stuttgart, Fischer Verlag, 1996, Thema: Wissenschaft

[Köhle90] Monika, Neuronale Netze, Springer Verlag, Wien, New York, 1990, Thema: Wissenschaft

[Kohonen84] T., Selforganization and Associative Memory, Springer Verlag, 1984, Thema: Wissenschaft

[Kohr94] Leopold, "Small is beautiful" - Schriften aus dem Gesamtwerk, F. Deuticke Verlagsges., 1994, öS 374.-, Thema: Philosophie

[Kosz92] Michael, die Naturgesetze der Wirtschaft, Südwind 5, 1992, Thema: Ökonomie

[Krieg&Frieden94] Wohin mit der Gewalt? Connection special Nr. I/1994 Connection Medien Verlag, 1994, DM 12,80.-, Thema: Ethik

[Kriege95] Die Herren des Krieges, Profiteure der Kriege weltweit, Der überblick Nr. 2/1995. Verlag Dienste in Übersee,Postf. 305590, D-20317 Hamburg, 1995, DM 7.-, Thema: Politik

[Krieger96] David J., Einführung in die allgemeine Systemtheorie, Verlag Fink, UTB, München, 1996, Thema: Wissenschaft

[Krieger97] David, Jäggi Christian, Natur als Kulturprodukt, Kulturökologie und Umweltethik, Verlag Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin, 1997, Thema: Philosophie

[Krohn92] W., Küppers G. (Hrsg.), Emergenz: Die Entstehung von Ordnung, Organisation und Bedeutung, Suhrkamp, Frankfurt, 1992, Thema: Wissenschaft

[Kronberger97] Hans, Blut für Öl, Der Kampf um die Ressourcen, Uranus Verlag, 1997, DM 34,- Thema: Politik, Antimil

[Kropotkin02] Peter, Mutual aid. A factor of evolution 1902, Thema: Philosophie

[Kuhn73] T.S., Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1973, Thema: Philosophie

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[ZOOM] Zeitschrift für Antimilitarismus und Kultur, monatlich, Schotteng. 3a/1/59, A-1010 Wien, Thema: Ethik, Politik

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